Wer künftig in Schiltberg neu baut und an das Kanalsystem angeschlossen wird, muss mit höheren Kosten rechnen als bislang. Die Gemeinde hat jüngst ein Fachbüro mit der Neukalkulation der Tarife beauftragt. Als Bürgermeister Peter Kellerer die errechneten Zahlen bekam, dachte er zunächst an einen Schreibfehler. Denn die Fachleute kommen auf einen Satz von 30,29 Euro pro Quadratmeter Geschossfläche.
Bislang zahlen Häuserlbauer für den Anschluss an die Abwasserentsorgung 9,30 Euro pro Quadratmeter Geschossfläche ihres Hauses. Dass es künftig teurer wird, war klar, zumal eine Kommune im Bereich der Abwasserentsorgung kostendeckend arbeiten muss. Doch mit einer Verdreifachung des Betrags hatte man in Schiltberg nicht gerechnet. Kellerer machte aus seinem Erstaunen in der Gemeinderatssitzung am Donnerstag denn auch keinen Hehl.
Abwasserbeseitigung: Die Gemeinde muss kostendeckend arbeiten
Die Kommunalberatung Kubus mit Hauptsitz in Schwerin hat die Berechnung angestellt. Henrik Kadow, der per Video-Schalte aus Schwerin der Sitzung zugeschaltet war, erläuterte die Herleitung und Kalkulation der Zahlen in einer 30-minütigen Präsentation. Im Wesentlichen werden die Zahlen aus den Verbrauchs- und Grundstücksdaten der Gemeinde der Vergangenheit errechnet und dann die Prognose mit einem Preissteigerungsfaktor versehen. Auch schon jetzt bekannte Investitionen in das Kanalnetz und die Abwasseranlagen fließen in die Neuberechnung ein. Ebenfalls berücksichtigt werden Über- und Unterdeckungen der vergangenen Jahre.
Eigentlich müssen die Beiträge und Gebühren alle vier Jahre neu kalkuliert werden. „Mit der Anpassung in Schiltberg sind wir schon um drei Jahre zu spät dran“, machte der Bürgermeister deutlich. Umso dringender wäre es nun gewesen, die neuen Beitragssätze in dieser Sitzung zu verabschieden. Aber aufgrund der Verdreifachung des Tarifs hatten einige Ratsmitglieder massive Bedenken. Sie sahen sich nicht in der Lage, darüber abzustimmen.
Dreifacher Beitragssatz: Gemeinderäte sehen sich nicht in der Lage, abzustimmen
Albert Wagner sagte: „Das kann ich dem Bürger nicht zumuten. Ich möchte erst einmal vollständig im Detail aufgeklärt werden.“ Er schlug eine interne Sitzung mit der Kommunalberatung, Verwaltungsgemeinschaft und dem kompletten Gemeinderat vor. Auch Martin Weinhuber war sehr entrüstet über diesen neuen Beitragssatz. Er fragte: „Die Bürger versuchen mit der Versickerung von Niederschlagswasser die Kläranlage zu verschonen und leiten nur Schmutzwasser ein. Hier jetzt den Gebührensatz zu verdreifachen und bei den Beiträgen den Rabatt zu halbieren – ist das gerecht?“ Auch der dritte Bürgermeister Stefan Schmid konnte den neuen Satz nicht nachvollziehen.
Henrik Kadow versuchte, die Kalkulation zu verteidigen. Er räumte ein, dass sie auf den ersten Blick ungewöhnlich erscheine, aber das habe die Kalkulation mit den Eingangsdaten ergeben. Vielleicht ergebe sich der neue Satz auch aus der Tatsache, dass acht Prozent der angeschlossenen Gebäude in der Gemeinde nur Schmutzwasser und 92 Prozent sowohl Schmutz- als auch Niederschlagswasser in das Misch- und Trennsystem einleiten. Der Gemeinderat vertagte den Punkt schließlich einstimmig ohne Ergebnis auf die nächste Sitzung. Bis dahin hofft man mehr Klarheit zu haben.
Bauantrag: Die Untere Naturschutzbehörde hat Bedenken beim geplanten Bau einer Lagerhalle in Aufhausen. Sie lehnte ab und schlug dem Bauherren einen aus ihrer Sicht geeigneteren Platz vor. Albert Wagner hält diesen Vorschlag für nicht nachvollziehbar, weil das Areal keinen Stromanschluss hat. Der Gemeinderat erteilte einstimmig das gemeindliche Einvernehmen.
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