Diesen eindrücklichen Nachweis für die Notwendigkeit eines Katastrophenschutzzentrums im Wittelsbacher Land hätte es wirklich nicht bedurft. Das Projekt steht schon seit einigen Jahren in der Prioritätenliste des Kreistags ganz oben. In seiner kurzen Bilanz zur Hochwasser-Katastrophe am ersten Juni-Wochenende in der jüngsten Kreistagssitzung brachte es Landrat Klaus Metzger in vier Wörtern auf den Punkt: „Wir brauchen ein Katastrophenschutzzentrum.“ Metzger lobte die ehrenamtlichen Helfer und Einsatzkräfte, deren Leistung „außerordentlich“ und geradezu „übermenschlich“ gewesen sei. Es sprach von einer exzellenten Zusammenarbeit aller Beteiligten.
Landkreis forciert Planung und investiert in Katastrophenschutz
Seit geraumer Zeit forciert der Landkreis seine Katastrophenschutz-Planung und will auch konkret investieren. Neben einem Gefahrenabwehrplan und den Vorkehrungen für einen möglichen Strom-Blackout ist der Bau eines zentralen Katastrophenschutzzentrums geplant. Dort sollen Hilfsgüter, von Sandsäcken und Abfüllanlagen bis zur Hochwasserschutzwand, gelagert werden. Beschlossen sind auch neue Wechsellader-Fahrzeuge und 14 Container, die in einem Zeitraum bis Ende des Jahrzehntes für vier Stützpunktfeuerwehren in Aichach, Aindling, Friedberg und Mering beschafft werden. Die Container können – oft mithilfe eines Krans – schnell auf- und abgeladen werden. Die Behälter sind thematisch befüllt, zum Beispiel für die Einsätze bei Hochwasser, Großbränden, einem Chemieunfall oder Unfällen auf der Autobahn oder Bahngleisen.
Metzger fasste in der Sitzung in seiner Hochwasser-Bilanz zusammen: In Aichach seien an zwei Tagen 160 Liter Wasser pro Quadratmeter heruntergekommen – doppelt so viel wie durchschnittlich in einem ganzen Monat. Außergewöhnlich war dann aber auch der Zusammenhalt und die Hilfsbereitschaft der Menschen: 100.000 Sandsäcke seien gefüllt und auch an andere betroffene Landkreise weitergegeben worden. Über 400 Einsatzkräfte aus Franken und dem Umland hätten in Aichach-Friedberg geholfen. Zehn Tage lang galt im Wittelsbacher Land der Katastrophenfall.
Im Landkreis sind rund 450 Anträge auf Sofort- und Härtefallhilfe eingegangen. 360 wurden bearbeitet und bereits 730.000 Euro ausbezahlt. Der Landrat geht davon aus, dass es am Ende etwa eine Million Euro sein werden. Dazu kommen noch 95.000 Euro an Firmenspenden, die das Landratsamt, nachdem alle Hilfsanträge behandelt wurden, unbürokratisch an Betroffene verteilen will. Zu Beginn der Sitzung hatte sich Michael Weiß, Vorsitzender des Fördervereins der First Responder Dasing, in der Fragestunde des Kreistags zu Wort gemeldet. Wie berichtet, ist das Fahrzeug der Hilfseinrichtung beim Hochwasser beschädigt worden. Die Dasinger Gruppe ist allein im ersten Halbjahr schon zu fast 100 Erste Hilfe-Einsätzen gerufen worden. Ein neues Fahrzeug kostet zwischen 80.000 und 90.000 Euro. Weiß hofft jetzt auf Unterstützung durch den Landkreis.
Um kommentieren zu können, müssen Sie angemeldet sein.
AnmeldenSie haben noch kein Konto? Kostenfrei registrieren