Die Nervosität ist dem 26-jährigen Angeklagten sichtlich anzumerken. Schon vor Beginn des Verfahrens am Aichacher Amtsgericht wippt er auf dem Stuhl unruhig hin und her und tippelt mit dem Fuß. Für ihn geht es bei dem Prozess um viel. Mehrfach ist er bereits verurteilt worden – hauptsächlich wegen Drogen- und Verkehrsdelikten. Doch was die Staatsanwaltschaft ihm dieses Mal vorwirft, hat eine andere Tragweite.
Laut Anklage soll der Beschuldigte im Mai 2024 mehrere Menschen in Aichach mit einer Machete bedroht haben. Außerdem soll er zwei Graffitis in der Stadt gesprüht haben. Diese Sachbeschädigungen gibt der Angeklagte vor Gericht direkt zu. Zum Messerdelikt äußert er sich jedoch deutlich: „Das war ich nicht.“
Die Tat, die an diesem Tag verhandelt wird, ereignete sich vor zwei Jahren auf einem Parkplatz in der Franz-Beck-Straße. Dort war am späten Abend ein Unbekannter mit einer Machete auf einen jungen Mann losgegangen und hatte zehn Euro erpresst. Anschließend floh er mit einem roten Fahrrad vom Tatort. Später hatten Passanten ebenfalls einen Mann mit großem Messer und Fahrrad am Bahnhof gesehen und die Polizei informiert.
Verdächtig wegen rotem Fahrrad: Angeklagter wird an Aichacher Tankstelle festgenommen
Noch in derselben Nacht geriet der Angeklagte erstmals unter Tatverdacht. Die Verbindung: Auch er war an diesem Tag mit einem roten Fahrrad unterwegs. Mit einem Freund hielt er sich abends an einer Tankstelle in Aichach auf, als die Polizei den 26-Jährigen überwältigte und festnahm. „Mir wurde die gezogene Waffe ins Gesicht gehalten“, beschreibt der Beschuldigte die Situation vor Gericht. Als die Beamten ihn anschließend durchsuchten, fanden sie allerdings kein Messer.
Das Gericht unter dem Vorsitz von Axel Hellriegel beschäftigte sich daher mit der Frage, ob der Angeklagte vorher die Möglichkeit gehabt habe, sich der Waffe zu entledigen. Der Beschuldigte selbst gab an, fast den gesamten Tag mit Freunden verbracht zu haben. Zwischenzeitlich sei die Gruppe sogar von der Polizei gewarnt worden, dass sich ein Mann mit Machete durch Aichach bewege. Umso erstaunter sei er deshalb über die spätere Festnahme gewesen. Bekannte des Angeklagten bestätigten diese Version im Zeugenstand. Man habe sich bereits am Nachmittag getroffen. Später seien alle jedoch noch einmal kurz nach Hause gegangen.
Die Wohnung des Angeklagten wurde im Juni 2024 durchsucht. Damals waren die Beamten auf der Suche nach Beweisen für die illegal gesprühten Graffitis, eine Machete fanden sie dabei nicht. Erst vier Monate später wurde bei einer weiteren Durchsuchung ein größeres Messer in der Wohnung des 26-Jährigen sichergestellt. Doch handelt es sich dabei um die gesuchte Tatwaffe?
Zeuge entlastet Angeklagten aus Aichach: Täter sei jünger gewesen
Ein weiterer Zeuge entlastet jedenfalls den Angeklagten. Der junge Mann hatte damals den Täter am Bahnhof mit dem Messer beobachtet und deswegen die Polizei gerufen. Er ist sich vor Gericht beim Anblick des Beschuldigten sicher: „Das ist er nicht.“ Der Mann am Bahnhof sei damals direkt auf ihn zugelaufen. „Er hat immer wieder mit der Machete auf den Boden geschlagen“, schildert der Zeuge. Der Täter sei jünger gewesen und habe einen südländischen Teint gehabt.
Auch das rote Mountainbike des Beschuldigten erkennt der Zeuge nicht wieder, als Richter Hellriegel ihm davon ein Bild zeigt. Das Fahrrad des Täters am Bahnhof sei kleiner gewesen – „eher ein Kinderfahrrad“.
Der Hauptgeschädigte – der Mann, der auf dem Parkplatz mit der Machete bedroht wurde – erscheint an diesem Verhandlungstag nicht vor Gericht. Ein abschließendes Urteil konnte daher noch nicht gefällt werden. Die Verhandlung wird Anfang Juni fortgesetzt.
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