Wer das Historische Marktfest in Pöttmes besuchen will, muss heuer mehr Eintritt bezahlen als früher. Das beschloss der Marktgemeinderat am Donnerstag. Im Zuge dessen kam eine längere Debatte auf, warum es in diesem Jahr - in dem die Gemeinde erstmals Veranstalterin des Festes ist - kein Rittermahl gibt.
Fünf Jahre liegt das letzte Historische Marktfest aufgrund der Corona-Pandemie zurück. Am ersten Juli-Wochenende soll das beliebte Fest wieder stattfinden. Marktmeisterin Carmen Koller hatte bereits im März im Gemeinderat berichtet, dass sie angesichts steigender Kosten für Auftritte und Künstlergruppen das Rahmenprogramm im Vergleich zu 2017 abgespeckt habe. Sie regte an, die Eintrittsgebühren anzuheben.
Eintritt für Erwachsene steigt beim Marktfest auf neun Euro für drei Tage
Vor fünf Jahren hatten Erwachsene für alle drei Tage sechs Euro bezahlt, Gewandete vier Euro, Kinder bis 1,20 Meter durften gratis rein, für größere Kinder betrug der sogenannte Pflasterzoll drei Euro. Wer nur am Sonntag zum Fest wollte, zahlte ebenfalls drei Euro. Die Verwaltung schlug vor, die Preise für Erwachsene auf neun, für Gewandete auf sechs und für das Sonntagsticket auf fünf Euro zu erhöhen.
CSU-Fraktionssprecher Christian Vetter war überzeugt: "Drei Euro mehr tun keinem weh." Er regte an, ein Familienticket für 20 Euro einzuführen. Dazu kam es nicht. Bürgerblock-Fraktionssprecher Thomas Golling machte zu Beginn deutlich, dass seine Fraktion bei den alten Preisen bleiben wolle. Als Kompromiss beantragte er später, den Eintritt für Erwachsene, Gewandete und am Sonntag um je einen Euro anzuheben. Für Kinder über 1,20 Meter solle es bei drei Euro bleiben. Dem schloss sich das Gremium mehrheitlich an. Zwei Gegenstimmen kamen von Sissi Veit-Wiedemann und Claus Kopold (CSU).
Kritik an Streichung des Rittermahls für geladene Gäste in Pöttmes
Bürgermeister Mirko Ketz betonte, es gehe der Gemeinde bei dem Fest nicht etwa darum, Gewinn zu machen: "Wir kommen (...), wenn es gut geht, auf null raus." Die Gemeinde veranstaltet das Historische Marktfest erstmals. Bislang hatte das Partnerschaftskomitee dessen Organisation federführend übernommen.
Unter anderem aus finanziellen, aber auch aus organisatorischen Gründen strich die Gemeinde, ohne das im Gemeinderat zur Diskussion zu stellen, das Rittermahl beim Historischen Marktfest. Dabei waren über 150 Gäste bewirtet worden, unter ihnen die Ratsmitglieder mit Partnern, Helfer beim Fest, Ehrengäste sowie zahlende Festbesucher. Dritter Bürgermeister Hubert Golde - wie Ketz CSU-Mitglied - kritisierte die Streichung des Rittermahls ohne Gemeinderatsbeschluss. Er schlug vor, die Gemeinderäte könnten die Kosten selbst tragen. Aufgrund der Pandemie hätten sie noch kein einziges Mal miteinander feiern können. Das Marktfest sei dafür eine gute Gelegenheit.
Ratsmitglieder regen an, Kosten für Rittermahl selbst zu übernehmen
Ketz war anderer Ansicht: "Wir können den Leuten nicht sagen, das und das ist im Haushalt nicht drin, weil wir sparen müssen, und würden uns ein Rittermahl gönnen." Zudem sei dieses ein enormer organisatorischer Aufwand. Doch den Rednern ging es vor allem um ein geselliges Beisammensein nach der Pandemiezeit - zumal in der relativ neuen Zusammensetzung seit der Kommunalwahl 2020 - nicht um ein kostenloses Essen. Bürgerblock-Fraktionssprecher Golling hielt es ebenfalls für denkbar, die Kosten selbst zu übernehmen. Aber eine Zusammenkunft in kleinerem Rahmen fände auch er schön. Georg Lohner (CWG) sah das ähnlich. Sissi Veit-Wiedemann und Claus Kopold (beide CSU) hielten das Rittermahl für verzichtbar. Veit-Wiedemann warb dafür, lieber auf das Volksfest zu gehen, um dieses zu erhalten. Kopold störte sich an der Außenwirkung einer eigenen Runde der Gemeinderäte beim Marktfest: "Auf dem Marktplatz ist ein tolles Fest, und wir ziehen uns zum Rittermahl zurück."
Thomas Huber (Bürgerblock) erinnerte daran, dass wie so viele andere auch der Gemeinderat während der Pandemie unter teils widrigen Verhältnissen seine Pflicht erfüllt habe. Er bedauerte die Abschaffung des Rittermahls ohne vorherige Diskussion und forderte Wertschätzung fürs Ehrenamt ein. Zweiter Bürgermeister Manfred Graser (Bürgerblock) und Hans Steiger (CSU) regten an, zu klären, ob eine Zusammenkunft beim Marktfest organisatorisch noch machbar sei.
Gegenwind für Dritten Bürgermeister aus eigener Partei
Angie Mayer, die frühere Vorsitzende des Partnerschaftskomitees, betonte im Gespräch mit unserer Redaktion, dass es sich bei dem damaligen Rittermahl keineswegs um eine Veranstaltung für einen bestimmten Personenkreis gehandelt habe. Es sei allen aus der Bevölkerung zugänglich gewesen. Man habe niemanden abgewiesen. Fast alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Rittermahls hätten dafür bezahlt. Einzige Ausnahme seien lediglich eine Handvoll Ehrengäste gewesen.
Vor allem für Golde gab es auch am Tag nach der Sitzung Gegenwind aus der eigenen Partei. CSU-Fraktionssprecher Vetter meldete sich zum Rittermahl in der Sitzung nicht zu Wort. Am Tag darauf aber schickte er eine Mail an alle Ratsmitglieder, die unserer Redaktion vorliegt. Darin heißt es: "Über die vom Dritten Bürgermeister Hubert Golde angestoßene Diskussion, ob ein Rittermahl stattfinden soll oder nicht, habe ich mich im Nachgang sehr gewundert und geärgert." Ganz gleich, wer für die Kosten aufkomme, halte er die Wirkung auf die Bevölkerung für inakzeptabel: "Mit so einer Veranstaltung auf dem Marktfest hebt sich der Gemeinderat von den normalen Bürgern ab und sieht sich als elitärer Kreis bzw. als die VIPs von Pöttmes." Beim Marktfest sei "unser Platz zwischen den Menschen". Falls dort ein Rittermahl stattfinde, werde er nicht teilnehmen. Mit Bezug auf Hubers Äußerung schrieb Vetter: "Wenn, dann steht so etwas allen Ehrenamtlichen zu und nicht nur uns."
Auch Ketz kritisierte Golde am Tag nach der Sitzung: "Ich hätte es schön gefunden, wenn der Dritte Bürgermeister sich persönlich an mich gewandt und nicht bis zur öffentlichen Sitzung gewartet hätte." Golde selbst war am Freitag aus beruflichen Gründen nicht erreichbar.