Schmetterlinge im Winter: Spannende Exkursion mit dem Landesbund für Vogelschutz
Aichach-Friedberg
Was machen die Schmetterlinge im Winter? Mit einem Experten auf Spurensuche
Fachmann Philipp Eckardt zeigt Interessierten in einem Waldstück bei Untergriesbach, wo Schmetterlinge im Winter zu finden sind. Nur ein geübtes Auge stöbert sie auf.
Von Herbert Hanika|02.01.26 - aktualisiert:
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Nur geübte Augen erkennen, dass an diesem Ästchen ein Zitronenfalter überwintert.Foto: Philipp Eckhardt
„Schmetterlinge im Winter finden“ – wie, bitte schön, soll das denn gehen? Die Einladung zu einer Führung mit diesem Titel, die die Kreisgruppe Aichach-Friedberg des Landesbunds für Vogelschutz (LBV) im Dezember veranstaltet hat, sorgt erst einmal für ein großes Fragezeichen. Im Winter fliegt doch kein Schmetterling. Wie also einen finden? Die Exkursion bei Aichach wird dann aber doch eine überraschend spannende Reise durch die Welt der Falter in der kalten Jahreszeit.
Zwar erst 19 Jahre alt, doch ein äußerst kundiger Schmetterlings-Experte: Philipp Eckhardt (links) zeigte im Dezember einer Gruppe Interessierter bei Untergriesbach, wo Schmetterlinge im Winter zu finden sind.Foto: Herbert Hanika
Philipp Eckardt ist der „Reiseführer“. Der 19-Jährige, der aus Untergriesbach stammt, aber inzwischen in Garching lebt, leitet die Arbeitsgruppe Tagfalter in der LBV-Kreisgruppe Aichach-Friedberg. Der Wettergott meint es gut mit der Gruppe, die sich beim Aichacher Stadtteil Untergriesbach trifft. Kurz bevor die Führung startet, stoppt der Nieselregen. Rund 20 Interessierte haben sich am Rand des Waldstücks südöstlich von Untergriesbach, genannt Fuchsberg, getroffen. Sie begeben sich, ausgerüstet mit Kamera, Handy, Lupe und festem Schuhwerk auf Spurensuche.
Schmetterlinge sind im Winter nur scheinbar verschwunden
Während viele Vögel über den Winter in den Süden fliegen, Eichhörnchen eine Winterruhe einlegen und Igel die kalte Jahreszeit sogar verschlafen, verschwinden Schmetterlinge im Winter scheinbar spurlos. Viele Menschen fragen sich daher, ob und wie Schmetterlinge in unseren Breiten überwintern. Philipp Eckhardt weiß genau Bescheid: Nur sieben von beinahe 200 Tagfalterarten überleben den Winter als fertige Falter. Alle anderen Arten überwintern als Raupe, Puppe oder Ei. Nur ein paar wenige Arten fliegen im Winter in wärmere Gebiete.
Der „Nierenfleck-Zipfelfalter“ (Thecla betulae) gehört zu einer der wenigen Schmetterlingsarten, die als Ei überwintern. Die winzigen Eier sind an Gehölzen der Gattung Prunus zu finden. Die weißen Eier haben etwa einen Millimeter Durchmesser und weisen auf der Oberfläche eine charakteristische Wabenstruktur auf, sodass sie an winzige Raumstationen erinnern.Foto: Herbert Hanika
Der kompetente Fachmann hat einige Tage vor der Exkursion das Gelände bereits abgesucht und „Fundstellen“ entdeckt, um der interessierten Gruppe möglichst viel zeigen zu können. Zudem hat er zahlreiche Bilder und Detailinformationen im Gepäck. Den Exkursionsteilnehmerinnen und -teilnehmern kann er so unter anderem einen überwinternden C-Falter und einen Zitronenfalter präsentieren. Ebenso bekommt die Gruppe eine Raupe des Kleinen Schillerfalters zu sehen, welche im Herbst ihr Fraßblatt mit feinen Spinnfäden gegen das Herunterfallen sichern. Dafür braucht's Geduld und ein wenig Durchhaltevermögen. Denn die Fundstellen sind weitläufig verteilt, sodass die Gruppe insgesamt zweieinhalb Stunden im Wald unterwegs ist.
Die Raupe des Kleinen Schillerfalters: Auch die bekommen die Teilnehmer einer Exkursion des LBV bei Untergriesbach zu Gesicht.Foto: Philipp Eckardt
Dabei erfahren die LBV-Gäste, dass die Raupe des Kleinen Schillerfalters mit dem beginnenden Winter aufhört zu fressen. Um sich auf die frostigen Temperaturen vorzubereiten, reduziert sie den Wassergehalt in ihrem Körper. Den stärksten Frostschutz hat übrigens der Zitronenfalter. Er übersteht unbeschadet Temperaturen von minus 20 Grad. Er ist der einzige einheimische Falter, der gut getarnt, aber ohne weiteren Schutz, überwintert und eisigen Temperaturen sowie Schneefall problemlos standhält. In der Winterstarre ist die Oberseite der Flügel zusammengeklappt und nur noch die Unterseite ist sichtbar.
C-Falter: Gut getarnt ist dieser Falter. Nur der Fachmann findet ihn an diesem Baumstamm hängend.Foto: Philipp Eckhardt
Die als Falter überwinternden Schmetterlinge sind dann auch die Ersten, die im Frühjahr wiederzusehen sind. Manchmal kann man diese Arten bei entsprechend hohen Temperaturen sogar mitten im Winter umherfliegen sehen, informiert Eckhardt.
Die Teilnehmer verfolgen die Führung sehr aktiv und mit großem Interesse. Fragen werden sofort und ausführlich beantwortet. „Zum Schluss waren wir alle begeistert von den neuen Erfahrungen“, fasst einer der Teilnehmer seine Eindrücke zusammen. Wer mehr über Schmetterlinge erfahren möchte, wird unter https://aichach-Friedbergt.lbv.de/ fündig.
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