„Sche war’s wieda“ – mit diesen drei Worten fasste Ortspfarrer Werner Ehnle seine Eindrücke nach der 67. Kameraden- und Soldatenwallfahrt in Baar zusammen. 82 Vereine aus dem Umland hatten sich am Sonntag vor dem Kirchlein in Maria im Elend zu einer Art „Friedensversammlung“ getroffen. Der Wettergott spielte in idealer Weise mit. „Es hätt‘ ja regnen müssen“, sagte der Priester angesichts der düsteren Wetterprognosen, die sich aber nicht bestätigten.
Es war ein riesiges Fahnenmeer, das sich von der Mehrzweckhalle in Baar hinaus an den Waldrand bewegte. Dort wurde im Freien der Festgottesdienst gefeiert. Die Frauen waren deutlich in der Unterzahl. Die meisten Männer erschienen ohne Sakko. Angesichts der sommerlichen Temperaturen mussten sie gleichwohl mit durchnässten Hemden den Heimweg antreten.
Botschaft bei der Kameraden- und Soldatenwallfahrt: „Frieden beginnt bei jedem Einzelnen“
In der ersten Reihe der Pilgerinnen und Pilger waren beim Gottesdienst neben Baars Bürgermeister Roman Pekis mit Manfred Losinger und Johannes Ankner zwei Vertreter des Landrats zu sehen. Der Kameraden- und Soldatenverein Baar fungierte erneut als Veranstalter. Unterstützt wurde er dabei unter anderem von der Freiwilligen Feuerwehr, die den Verkehr regelte. Die Musikkapelle Osterbuch, die Musikkapelle Ehingen und die Blaskapelle Baar spielten nicht nur während des Gottesdienstes, sondern auch bereits beim Festzug. Um bei etwaigen gesundheitlichen Problemen helfen zu können, stand das Bayerische Rote Kreuz (BRK) aus Pöttmes bereit.
Drei Aussagen waren Dr. Gerhard Höppler, Diözesanseelsorger in der Katholischen Landjugendbewegung (KLJB), der zusammen mit Werner Ehnle den Gottesdienst zelebrierte, in seiner Predigt besonders wichtig: Gott liebt den Menschen bedingungslos. Kameradschaft und Nächstenliebe gehören zusammen. Frieden beginnt bei jedem Einzelnen.
Prediger Gerhard Höppler: „Ein Volk ohne Erinnerung verliert Orientierung“
Kameradschaft gehöre zu den wichtigsten Erfahrungen, die viele Soldaten machten, sagte Höppler. Er sagte: „Unsere Gesellschaft leidet weniger an materiellem Mangel, sondern an Beziehungsarmut.“ Der Frieden beginne nicht in Verträgen, sondern im Herzen. Beispielsweise am Arbeitsplatz, in der Nachbarschaft oder in den Vereinen. Dann formulierte der Prediger, der aus Augsburg-Hochzoll nach Maria Elend gekommen war, einen konkreten Vorschlag: „Mit wem müsste ich vielleicht wieder ins Gespräch kommen? Solche Schritte verändern nicht die Welt, aber einen Teil.“ Er mahnte, auch die Verstorbenen nicht zu vergessen: „Ein Volk ohne Erinnerung verliert Orientierung.“
Otmar Krumpholz, Präsident der Bayerischen Kameraden- und Soldatenvereinigung (BKV), betonte in seiner Gedenkrede: „Frieden gibt es nicht umsonst.“ Seine Ausführungen waren in erster Linie politisch geprägt. So befand er zum Beispiel: „Wir haben uns viel zu lange auf die USA verlassen.“ Der dortige Präsident Donald Trump sei unberechenbar, so Krumpholz. Er begrüßte es, dass die Bundeswehr nun verteidigungsfähig werden soll und dass Politiker und Generäle Russland als Bedrohung ansehen; die Zivilverteidigung hinke dem Plan allerdings noch zwei Jahre hinterher, merkte Krumpholz an.
Fahnen werden zum Gedenken an die Verstorbenen gesenkt
Zum Gedenken an die Verstorbenen und Vermissten wurden die Fahnen vorübergehend abgesenkt. Ebenfalls zum festen Programm der Kameraden- und Soldatenwallfahrt gehörten die Bayernhymne und die Nationalhymne sowie das Abfeuern von drei Böllerschüssen, während das Lied vom „Guten Kameraden“ intoniert wurde.
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