Aichach beteiligt sich mit einem Investitionskostenzuschuss von rund 33.000 Euro am Frühwarnsystem der ARGE Solidarischer Hochwasserschutz im Einzugsgebiet der Paar. Das beschloss der Stadtrat am Donnerstagabend in seiner ersten regulären Sitzung. Vor der Entscheidung hatten Thomas Assenbrunner und Marcus Csiki von der ARGE aber eine Reihe von Fragen zu beantworten.
Die ARGE wurde unter dem Eindruck des Extrem-Hochwassers Ende Mai, Anfang Juni 2024 gegründet, um sich gemeinsam gegen solche Ereignisse zu wappnen. Damals entstanden in den Kommunen entlang der Paar Millionenschäden. In Schrobenhausen und Pfaffenhofen an der Ilm kam jeweils ein Mensch ums Leben. Die Stadt Aichach kam damals verhältnismäßig glimpflich davon – ein Erfolg des umfassenden Hochwasserschutzes, der über acht Jahre hinweg an der Paar im Aichacher Stadtgebiet umgesetzt worden ist.
Für Hochwasser gut gewappnet – aber bei Starkregen?
Schon mehrmals hat der Hochwasserschutz seither Bewährungsproben bestanden. Insofern sieht sich die Stadt gut aufgestellt. Dennoch entschied sich der Stadtrat im September 2025 dafür, der ARGE beizutreten. Zum einen aus Solidarität, zum anderen, um sich nicht auf dem Erreichten auszuruhen, denn extreme Wetterereignisse werden mehr, war man sich einig. Schon damals wurde über den Beitritt lange diskutiert, auch mit Blick auf den mit einem Euro pro Einwohner nicht geringen jährlichen Mitgliedsbeitrag. Dass die Arge jetzt noch einmal um finanzielle Unterstützung bat – diesmal 1,50 Euro pro Einwohner – warf im Stadtrat Fragen auf.
Antworten gaben Thomas Assenbrunner und Marcus Csiki von der ARGE, die mittlerweile ein eingetragener Verein ist. 28 Kommunen aus vier Landkreisen und zwei Regierungsbezirken gehören ihr an. Die Gebietskulisse umfasst rund 1000 Quadratkilometer und 222.000 Einwohner. Die ARGE will im Einzugsgebiet der Paar von der Quelle nahe Egling im Landkreis Landsberg bis zur Mündung in die Donau bei Vohburg (Landkreis Pfaffenhofen an der Ilm) ein zukunftsfähiges Schutzsystem gegen die Risiken von Hochwasser, Starkregen und auch Trockenheit entwickeln.
In Schrobenhausen läuft schon ein Frühwarnsystem
Eines der Projekte, die in Planung sind, ist ein von Künstlicher Intelligenz (KI) gestütztes Frühwarnsystem. In Schrobenhausen ist zwar ein solches Frühwarnsystem bereits in Betrieb. Die ARGE will ihres aber mit mehr Sensoren noch treffsicherer anlegen. Auf Grundlage der erfassten Umweltdaten soll über eine App früher und genauer vor Hochwasser und Starkregen gewarnt werden. Man versuche, an bestehende Systeme wie die Warn-Apps Nina oder Katwarn anzudocken.
Dass die Kommunen jetzt erneut um finanzielle Beteiligung gebeten werden, hat laut Csiki einen Grund: Für die Grundausstattung mit Sensorik liegen bereits Förderbescheide mit einem Gesamtvolumen von rund 2,9 Millionen Euro vor. Abrufen kann die ARGE das Geld aber erst, wenn sie den Eigenanteil von rund 300.000 Euro aufbringt. Die Ausschreibung für das Frühwarnsystem der ARGE läuft. Nach der Vergabe wird die Sensorik ausgebaut. Etwa ein Jahr wird es laut Assenbrunner dauern, die KI so anzutrainieren, dass die Prognosen gut sind. Möglich seien dann auch dreidimensionale Visualisierungen. „Für unsere Einsatzkräfte von zentraler Bedeutung“, betonte der ARGE-Vertreter.
Stadträte in Aichach betrachten Freistaat als zuständig
Im Stadtrat gab es Befürchtungen, dass weitere Investitionskostenzuschüsse folgen könnten. Stefan Meitinger (CSU) fürchtete, auch die laufenden Kosten könnten steigen, und damit der jährliche Mitgliedsbeitrag. Das ist laut Csiki nicht zu erwarten. Manfred Huber und Lothar Bahn (beide FWG) sahen zudem den Freistaat in der Pflicht beziehungsweise das Wasserwirtschaftsamt. Das stimme, man habe aber nicht warten wollen, so die ARGE-Vertreter. Beide verwiesen auf Gespräche mit dem Wasserwirtschaftsamt Donauwörth. Die ARGE sei im Umweltministerium vertreten.
Csiki drehte die Frage um: „Was kostet uns das, was wir jetzt nicht ausgeben?“ Ziel sei es, jedes Hochwasser auf HQ100 – also ein Hochwasserereignis, das durchschnittlich einmal in 100 Jahren erreicht oder überschritten wird – zu drücken. Das sei die Größe, die die Einsatzkräfte bewältigen könnten. Das Hochwasser 2024 lag deutlich darüber.
Für die SPD-Fraktionsvorsitzende Nicole Matthes (SPD) war es „richtig und wichtig, das gemeinsam anzugehen“. Der Stadtrat genehmigte den Zuschuss einstimmig. In der Sitzung fehlten Petra Hannak und Stefan Westermayr (beide CSU).
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