Wer bei der Taxizentrale Schmaus in Aichach eine Fahrt bestellt, kann leicht mal mit zwei aufstrebenden Rap-Musikern aus der Region im Auto sitzen. Denn Eric Bego „Beggo“ Ladarevic und Samuel „Blazup“ Schnur sind nicht nur leidenschaftliche Taxi-Fahrer, sondern auch leidenschaftliche Rapper. Bei der Frage, welchen der beiden Berufe sie eher weiterempfehlen würden, fällt ihre Antwort überraschend entschieden aus.
„Wir sind gute Fahrer mit zu niedrigem Gehalt“, so beschreiben sich Beggo und Blazup in einem der bekanntesten Lieder ihres Debüt-Albums „Taxi Stories Aichach“. Gerade der Part mit dem Geld ist dabei nicht ganz ernst gemeint, denn das Verhältnis zu ihrem Arbeitgeber Joachim Schmaus bezeichnen die beiden ausdrücklich als sehr gut. Ladarevic: „Natürlich ist es beim Rappen manchmal witzig, die Sachen ein bisschen überspitzt darzustellen, um halt die Pointe noch besser rüberzubringen. Aber es beruht schon sehr viel auf Sachen, die man wirklich erlebt.“
Beim Taxifahren erleben die beiden jede Menge. So geht es in ihren Songs zum Beispiel um Rekordzeiten auf der Strecke Inchenhofen-Aichach, Ärger mit Polizeikontrollen oder um Passagiere, die beim Feiern zu tief ins Glas geschaut haben und die Reinigungsgebühr, die dann gerne mal fällig wird.
Die Geschichte des Projekts beginnt mit einer Reihe von Zufällen: Vor einigen Jahren lernten sich die Künstler bei einem Solo-Auftritt von Beggo kennen, der damals Trap-Metal-Musik in Augsburg machte. Als er während der Corona-Pandemie zu einem Familienmitglied in ein Dorf nahe Aichach zog, trennten ihn von seinem Freund Blazup nur noch ein paar Straßen – reiner Zufall. Doch es wird noch verrückter. Ladarevic erzählt: „Wir sind dann wegen Eigenbedarf rausgeflogen, und Blazup und ich sind, wie von Gottes Hand, auf einmal direkte Nachbarn geworden.“
Spätschicht im Taxi: Rapper erzählen, was sie erleben
Von da an wurde die Beziehung noch enger: Schnur heuerte seinen Kumpel bei der Taxizentrale an, bei der er zu diesem Zeitpunkt bereits arbeitete. Die zwei teilten sich einen ganzen Monat lang jeden Tag die Spätschicht. Ihre gemeinsamen Erlebnisse verarbeiteten sie dann im eigenen Studio in Rap-Musik, zusammen mit ihrem gemeinsamen Freund „Stuntman Stanit“. So entstand „Taxi Stories Aichach“.
Im Mai 2025 wurde der Eventmanager Marcel Herget auf das Projekt aufmerksam, als er gerade dabei war, die Buchungen für ein Streetfood-Festival am Gaswerk Augsburg zu organisieren. Zunächst war er noch etwas skeptisch, doch als er die Bühnenshow sah, die Beggo, Blazup und Stanit in ihrem kleinen Aichacher Studio konzipiert hatten, war er hin und weg: „Die kommen mit einer Show daher, das glaubst du nicht. Da fährt ein Taxi zur Bühne, Rauchbomben werden gezündet, und passend zu jedem Song passiert etwas. Zum Beispiel bei ‚Reinigungsgebühr‘, wo Leute plötzlich anfangen, mit Besen zu kehren.“
Die „Taxi-Stories-Macher“ werden in Aichach schon erkannt
So kam es schlussendlich zur Zusammenarbeit mit „Manager Marci“, die der Band noch einmal ganz andere Türen öffnete: Mittlerweile besteht das Taxi Stories Team aus zehn Personen, die Beggo, Blazup und Stanit bei der Weiterentwicklung des Bühnenbilds, der Pflege des eigenen Social-Media-Auftrittes und der Teilnahme an Musikwettbewerben wie den SPH Music Masters unterstützen. Dort waren die rappenden Taxi-Fahrer Ende Februar erfolgreich. Für sie geht es im Sommer im Finale weiter.
Aufgrund ihrer Online-Präsenz werden Beggo und Blazup auch schon im Alltag erkannt, sei es an der Dönerbude im Milchwerk in Aichach, oder in der Bäckei, wo sie nach dem nächsten Album gefragt werden. Das ist ebenso in Planung wie eine Tour. Doch die beiden Rapper wollen dem Taxi-Gewerbe trotzdem treu bleiben. Bei der Frage „Rap- oder Taxi-Karriere?“ sagen sie klar: „Zu 100 Prozent Taxi.“
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