Startseite
Icon Pfeil nach unten
Aichach
Icon Pfeil nach unten
Aichach
Icon Pfeil nach unten

Trainerin statt IT-Karriere: So tickt das Klingener Ausdauer-Ass Martina Bolváry

Sportportät

Trainerin statt IT-Karriere: So tickt das Klingener Ausdauer-Ass Martina Bolváry

  • |
  • |
  • |
  • |
    Martina Bolváry beim Hokey Cokey Swimrun 2023 im englischen Charlestown.
    Martina Bolváry beim Hokey Cokey Swimrun 2023 im englischen Charlestown. Foto: Mad Hatter Sportsevents

    Wenn Martina Bolváry von ihrem Sport erzählt, leuchten ihre Augen. „Ich mache das alles sehr, sehr gerne“, sagt die 37-Jährige aus Odelzhausen – und man glaubt ihr jedes Wort. Denn ihr Alltag ist ein beeindruckender Spagat zwischen Hochleistungssport, selbstständiger Trainerarbeit und Musik. Stillstand kennt sie nicht.

    Das Schwimmen begleitet Bolváry seit ihrer Jugend. Während ihres Studiums der Wirtschaftsinformatik finanzierte sie sich mit Schwimmkursen. Statt in der IT-Branche Karriere zu machen, entschied sie sich für die Selbstständigkeit. Heute arbeitet sie hauptberuflich als Schwimm- und Ausdauertrainerin, betreut Hobbyathleten und Triathleten, gibt VHS-Kurse, Aquarobic- und Freiwasserkurse und ist zudem bei den Wanderfreunden Klingen aktiv. Doch damit nicht genug: Wenn Bolváry nicht trainiert, steht sie auf der Bühne. Als Sängerin der Crazy Oak Big Band und einer Metallband lebt sie ihre kreative Seite aus. „Dort spielt der Sport überhaupt keine Rolle – das ist schön“, sagt sie. Das Singen sei für sie pures Hobby, ein bewusster Gegenpol zum leistungsorientierten Alltag.

    Martina Bolváry ist nicht nur sportlich aktiv, sondern auch musikalisch

    Sportlich setzt Bolváry seit Jahren Maßstäbe. Ihr Steckenpferd ist der Swimrun – eine noch junge Ausdauersportart, bei der sich Laufen und Freiwasserschwimmen ohne Pause abwechseln. „Nonstop vom Laufen in den See – mehr Freiheit gibt es nicht“, schwärmt sie. 2023 und 2024 wurde sie Europa- und Weltmeisterin im Swimrun über die Halb-Distanz (17,9 Kilometer Laufen, 3,5 Kilometer Schwimmen), zudem ist sie Marathon-Vizeweltmeisterin. Begonnen hat alles eher beiläufig. Als sie noch angestellt arbeitete, fing sie mit dem Laufen an – erst kurze, dann immer längere Strecken. „Irgendwann gibt es keine Limits mehr.“ Das klassische Schwimmbecken verlor mit der Zeit seinen Reiz.

    Als sie in Karlsfeld wohnte, lief sie zum Karlsfelder See und sprang dort direkt ins Wasser. „Das war der Beginn meiner Leidenschaft für Swimrun.“ Ihren ersten Wettkampf bestritt sie 2020 in Ottenstein im Team – und gewann. Später folgte der Schritt in den Einzelwettkampf. Der Sport brachte sie inzwischen um die ganze Welt: Portugal, Italien, Finnland. Besonders ein Rennen dort ist ihr in Erinnerung geblieben. „Man schwimmt mitten in einem schwarzen See, unter sich nichts, um sich nichts – das war ein erhabenes Gefühl.“

    Abendkleid statt Neoprenanzug: Martina Bolváry beim Auftritt mit der Crazy Oak Big Band.
    Abendkleid statt Neoprenanzug: Martina Bolváry beim Auftritt mit der Crazy Oak Big Band. Foto: Edith Calabró

    Für das Schwimmen im Freiwasser seien Orientierung und Wasserlage entscheidend. „Schwimmen ist ein Techniksport, kein Ausdauersport.“ Beim Swimrun ist das Schwimmen für sie sogar die Erholung – auch wenn sie dafür extrem an ihrer Technik arbeiten musste. Ihr Trainingsalltag ist strukturiert: drei Lauf-, zwei bis drei Schwimmeinheiten und ebenso viele Krafteinheiten pro Woche. „Man muss eine Routine entwickeln“, sagt sie. Besonders wichtig sei das Wechseln von Laufen zu Schwimmen zu üben. Ergänzt wird das Programm durch Kraft, Mobilität, Yoga am Morgen und seit Kurzem auch Meditation. Und manchmal, sagt sie, müsse man „einfach nur auf dem Sofa liegen“. Training sei nicht immer leicht. Hunger, Kälte, Müdigkeit – all das gehöre dazu. „Je härter man trainiert, desto einfacher wird der Wettkampf.“ Die mentale Stärke entstehe im Training, an Tagen, an denen man eigentlich nicht wolle – es aber trotzdem tue. Einmal musste sie sogar einen Wettkampf abbrechen, weil körperlich und mental nichts mehr ging. „Man muss gut auf seinen Körper hören.“

    Swimrun-Ass Bolváry: 13 Grad kaltes Wasser und Quallenstiche

    Ernährung spielt ebenso eine zentrale Rolle. Eine Zeit lang lebte Bolváry vegan, inzwischen isst sie wieder alles. Bei ihrem Trainingspensum muss sie aber auch gezielt supplementieren. „Auch wenn man essen kann wie ein Scheunendrescher bei so viel Sport.“ Die Geschichten, die sie durch den Sport erlebt hat, könnten Bücher füllen: extreme Wellen und 13 Grad kaltes Wasser bei einem Rennen in England, Quallenstiche im Gesicht an der Côte d’Azur, Reisen im Camper, Freiheit pur. „Nach solchen Erlebnissen ist das Selbstbewusstsein riesig.“

    Unter Klingener Flagge wurde Schwimmtrainerin Martina Bolvary Vizeweltmeisterin im Swim-Run.
    Unter Klingener Flagge wurde Schwimmtrainerin Martina Bolvary Vizeweltmeisterin im Swim-Run. Foto: Stefan Aidelsburger

    Ihr Motto dabei ist immer: Live life to the fullest. Wenn sie morgen sterben würde, wolle sie sagen können, alles erlebt zu haben, was möglich war. Trotz aller Erfolge bleibt sie bodenständig. „Ich möchte schauen, wie weit ich noch gehen kann – aber alles mit Maß und Ziel.“ Sport sei Stress für den Körper, entsprechend müsse man ihn auch behandeln. Ihr Partner und ihre Hündin sind ebenso sportlich unterwegs, Verständnis für Trainingsumfang und Wettkämpfe gehört zum gemeinsamen Alltag. Ihr Rat an Sportanfänger ist klar: langsam, kontrolliert und regelmäßig starten, Ruhetage einhalten und keine Angst davor haben, auch mal über den Punkt hinauszugehen, an dem es weh tut. „Regelmäßigkeit ist das Wichtigste.“

    Diskutieren Sie mit
    XXX 0 Kommentare
    hier kommen komentare rein

    Um kommentieren zu können, müssen Sie angemeldet sein.

    Anmelden

    Sie haben noch kein Konto? Kostenfrei registrieren