Nach dem schweren Verkehrsunfall zwischen einem Reisebus und einem Linienbus mit einem toten Zweitklässler am Mittwoch, 10. Juni, im Landkreis Dachau sind noch viele Fragen offen. Der Zusammenstoß ereignete sich auf der Staatsstraße 2339 zwischen Hebertshausen und Haimhausen, rund 20 Kilometer nördlich vom Münchner Stadtzentrum. Am Tag danach sagt die Polizei zur Unfallursache, es werde „derzeit in alle Richtungen ermittelt“.
Gemeinsam waren die Kinder der Grundschule Haimhausen bei einem Schulausflug. Gegen 12.30 Uhr kollidiert der angemietete Reisebus in einer Kurve bei Hebertshausen mit einem entgegenkommenden Linienbus ohne Fahrgäste – mit schlimmen Folgen. Ein Bub wird so schwer verletzt, dass er noch am Unfallort stirbt.
Bayerns Familienministerin Ulrike Scharf (CSU) zeigte sich erschüttert. „Es ist eine unfassbare Tragödie und kaum in Worte zu fassen. Unsere Herzen weinen“, sagte die Ministerin. „Ich bin in Gedanken bei den Angehörigen des verstorbenen Schulkindes. Keine Worte können helfen oder gar trösten.“ Und sie versprach: „Wir stehen in diesen schweren Zeiten eng zusammen und lassen niemand alleine.“
Kind stirbt an der Unfallstelle – weitere Verletzte
Insgesamt kamen bei dem Unfall 30 Personen zu Schaden, so die Polizei. Einige Reisende wurden eingequetscht. Zwei Kinder sowie eine Lehrerin sind nach Angaben der Polizei schwerst verletzt, vier weitere Kinder gelten als schwer oder mittelschwer verletzt. Am Tag danach korrigiert die Polizei diese Zahl. In der Pressemitteilung der Inspektion Dachau ist nun von fünf schwer verletzten Schulkindern die Rede.
Laut Informationen der Deutschen Presseagentur ist aber keine Person mehr in akuter Lebensgefahr. 26 Schüler und zwei Busfahrer erlitten bei dem Unfall leichte Verletzungen. Im Reisebus saßen laut Informationen der Polizei zwei zweite Klassen mit ihren Lehrkräften. In dem Linienbus befand sich nach Polizeiangaben der 31 Jahre alte Fahrer, aber keine Fahrgäste.
Wegen des Unfalls seien fünf Rettungshubschrauber im Einsatz gewesen, teilte die Polizei Oberbayern Nord mit. Auch etwa 15 Rettungswagen und acht Notärzte seien am Unfallort in Hebertshausen im Einsatz. Für Betroffene wurde ein Bürgertelefon eingerichtet, abends öffnete die Kirche von Haimhausen für die Trauernden. Zur Bewältigung der Lage war ein Großaufgebot von Polizei- und Rettungskräften und mehreren Hilfsorganisationen vor Ort.
Man habe alles Menschenmögliche versucht, um das Kind zu reanimieren, sagte Dennis Behrendt, Einsatzleiter des Rettungsdienstes, zur Lage vor Ort. Auch ein Hubschrauber stand schon bereit, um den Bub in eine Klinik zu fliegen. Doch der Notarzt habe ihn dann vor Ort noch für tot erklären müssen, so Behrendt.
Gründe für Zusammenstoß zweier Busse in Dachau noch unklar
Warum es zu dem Zusammenstoß kam, ist Gegenstand der Ermittlungen. Die Staatsanwaltschaft München II hat einen Gutachter beauftragt, das Geschehen zu untersuchen. Die betreffende Kurve auf der Staatsstraße zwischen Haimhausen und dem Hebertshausener Ortsteil Ampermoching ist eng, es gelten Tempolimits.
Eines kann Thomas Weber, Leiter der Polizeiinspektion Dachau, schon mal weitgehend ausschließen: Alkohol. Die Busfahrer hätten freiwillig Atemalkoholtests gemacht. Das Ergebnis in beiden Fällen: Null Promille, wie Weber erklärt. Am Donnerstag heißt es von der Inspektion, dass die Ermittlungen voraussichtlich „auch aufgrund der Vielzahl von Beteiligten und Zeugen“ noch mehrere Wochen andauern dürften. (mit dpa)
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