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Wirt aus Berufung: Stefan Reitberger und seine Inghauser Alm

Igenhausen

Stefan Reitberger ist Gastwirt und Koch aus Berufung

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    Die Inghauser Alm im Hollenbacher Ortsteil Igenhausen ist Dorfwirtschaft und Sportgaststätte in einem.
    Die Inghauser Alm im Hollenbacher Ortsteil Igenhausen ist Dorfwirtschaft und Sportgaststätte in einem. Foto: Stefanie Brand

    Wenn Stefan Reitberger am Zapfhahn oder in der Küche der Inghauser Alm steht, dann tut er das aus mehreren Gründen – weil er den Beruf des Kochs erlernt hat, weil er es als Berufung empfindet, Wirt zu sein, und weil er Beruf und Berufung lieber in der eigenen Heimat ausübt als woanders. Doch wie wurde der Igenhausener eigentlich zum Wirt in seinem Heimatdorf?

    Wie die Inghauser Alm dazu geworden ist, was sie heute ist, zeigt ein Blick in die Geschichte. Reitberger kennt sie genau. Im Jahr 1970 wurde der Sportverein FC Igenhausen gegründet, zwei Jahre später ging die Sportgaststätte in ihrer damaligen Form erstmals in Betrieb. Der Dorfwirt von anno dazumal, der eine Gaststätte und eine Landwirtschaft mitten im Ort, gegenüber der Kirche, unterhielt, hatte bereits angekündigt, dass er seine Wirtschaft nicht ewig betreiben werde. So entstand mit der Sportgaststätte ein neuer Treffpunkt im Dorf. Die erste Wirtin dort, Helene Höß, die bereits in der Dorfwirtschaft Sedlmeir mitgearbeitet hatte, schenkte dort über 30 Jahre lang aus.

    Am Sonntagabend trifft sich der Stammtisch in der Inghauser Alm

    Allerdings zeichnete sich dann auch eine Veränderung ab, fährt Reitberger fort: Das Gebäude wurde zu klein und auch an die Raumaufteilung im Inneren veränderten sich die Ansprüche. Um den Sportlern und Schützen mehr Platz zu bieten, wurde 2005 abgerissen, umgebaut und angebaut. Die Planung- und Bauphase begleitete Reitberger damals noch als Vereinsvorstand. Mit der Wiedereröffnung 2006 fand Herbert Karl als Dorfwirt seinen Platz am Tresen. Seit Silvester 2015 ist Reitberger der gastronomische Herr über bis zu 120 Sitzplätze in der gemütlich und gastlich eingerichteten Stube und bei schönem Wetter auch über die Terrasse.

    In den ersten Jahren und damit auch vor der Corona-Pandemie hatte die Inghauser Alm donnerstags bis sonntags geöffnet, aktuell gibt es nur einen regulären Öffnungstag: den Sonntag. Zwar findet kein klassischer Frühschoppen mehr statt, doch am Sonntagabend gibt es ihn noch: den Stammtisch.

    Stefan Reitbergers Berufung ist es, Wirt zu sein – und am liebsten ist er das in seinem Heimatdorf.
    Stefan Reitbergers Berufung ist es, Wirt zu sein – und am liebsten ist er das in seinem Heimatdorf. Foto: Stefanie Brand

    Zusätzlich hat die Inghauser Alm an Feiertagen geöffnet. Zum Sportlerstammtisch einmal im Monat am Freitag, zu dem Fußballer kommen, die schon 1974 gekickt haben, und zum Wettkampfschießen der Sportschützen erfüllt die Inghauser Alm die Funktion einer Sportgaststätte. Doch seitdem die Igenhausener in einer Spielergemeinschaft und damit auch auf anderem Vereinsgelände kicken, ist es am Sonntag auf dem Feld vor der Terrasse deutlich ruhiger geworden. Einige Gäste begrüßen diese Entwicklung, berichtet Reitberger: „Wenn am Sonntagmittag kein Spiel ist, dann ist es natürlich ruhiger in der Wirtschaft“ – und damit auch ruhig genug für einen runden Geburtstag, der mit der Anzahl der Jahre immer häufiger am Sonntagmittag anstatt am Samstagabend gefeiert wird.

    Von Reitberger bekommen Stammkunden eine Extra-Einladung

    Unabhängig von der Anzahl der Kerzen auf der Torte agiert Reitberger in seinem Heimatdorf als klassischer Dorfwirt und öffnet Ausschank und Küche für Familienfeiern, wie Taufen, Geburtstage und auch für einen Leichenschmaus – ganz traditionell, wie es in einer Dorfwirtschaft eben gängig ist. Zudem bietet er Caterings an. Seit diesem Jahr steht Reitberger „nur“ noch in Igenhausen hinter der Theke und in der Küche. Zuvor war er 14 Jahre lang Pächter im ADAC-Restaurant am Autobahnsee und drei Jahre im Bräustüberl „Zum Peterhof“ in Kühbach. Im August wird es ein Jahr, dass Reitberger das Bräustüberl als Pächter verlassen hat, weil die Gaststätte „unwirtschaftlich“ und dabei gleichzeitig „personalintensiv“ gewesen sei. In der Inghauser Alm stemme er den Betrieb mit weniger Personal, das vor allem in der Küche, im Service und in der Reinigung tätig sei. Und doch liebäugelt Reitberger mit der Idee, die Öffnungszeiten auszuweiten. Die Zeichen zu Hause – bei seiner zweijährigen Tochter und seiner Frau, die gerade im Bereich der medizinischen Fußpflege den Sprung in die Selbstständigkeit geschafft hat – stünden gut.

    Da es im Umkreis kaum mehr Gastronomiebetriebe dieser Art gibt, empfängt der 47-Jährige aktuell Gäste aus dem Dorf und aus den Nachbarortschaften, die rund 15 bis 20 Kilometer von Igenhausen entfernt wohnen. Ihnen serviert er gutbürgerliche, regionale und saisonale Gerichte, wie beispielsweise Schnitzel und Schweinebraten. Oft haben seine Gerichte auch einen mediterranen oder alpenländischen Touch. Zudem führt Reitberger eine Spezialitäten-Telefonliste, was bedeutet: Wenn Ochsenbäckchen, Schäufele oder Lamm auf der Tageskarte stehen, dann bekommen die Stammkunden buchstäblich eine Extra-Einladung. Zur Kirchweih serviert der Koch, der einst im Augsburger Hof seinen Beruf erlernt hat, Ente. Auch gibt es vegetarische Gerichte, Fisch und gelegentlich Kaspressnudeln nach einem Original Tiroler Rezept. Kabarettabende im Herbst und Special-Events, wie etwa Rock-Frühschuppen, verraten, dass Reitberger neben dem Angebot einer Dorfwirtschaft noch jede Menge weitere Ideen in petto hat.

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