Was man als Politikerin oder Politiker, als Journalistin oder Journalist in einem Katastrophengebiet trägt und wie jemand dort auftritt, kann für manche Medien entscheidend sein. Bei der Oderflut 2002 war der damalige Kanzler Schröder schnell in Gummistiefeln und Regenjacke präsent; sein Konkurrent Edmund Stoiber brauchte dazu deutlich länger. 2021 war Armin Laschet ruckzuck und mehrmals vor Ort, mal in feiner Burberry-Jacke, mal im weißen Hemd. Dass er während einer Pressekonferenz des Bundespräsidenten im Hintergrund lachte und sogar feixte, sorgte für viel Kritik.
Olaf Scholz im dunklen T-Shirt im Flieger nach Washington
Annalena Baerbock brach ihren Urlaub ab und fuhr ins Flutgebiet, ließ aber keine Bilder machen; von ihr gibt es nur schriftliche Stellungnahmen. Olaf Scholz mag dunkle T-Shirts. Vor Kurzem stieg er damit in Washington aus dem Flieger, was etwas schräg war, weil das Begrüßungskommando auf amerikanischer Seite Anzug und Kostüm trug.
Im Flutgebiet war das T-Shirt aber passend und Scholz stützte die an Multipler Sklerose erkrankte Malu Dreyer schon viel früher, als Angela Merkel das tat. Bei Scholz fiel es nur nicht so auf und die Medien fanden die Paarung Merkel/Dreyer spannender – vielleicht, weil beide Damen verschiedenen politischen Parteien angehören. Nebenbei: Angela Merkel ist sowieso immer richtig angezogen.
Heldenhaft bis zur Hüfte im Wasser
Journalisten eines großen Boulevardblatts standen heldenhaft bis zur Hüfte im Wasser, um zu demonstrieren, wie gefährlich es im Flutgebiet nicht nur für die Betroffenen, sondern auch für sie selbst ist. „Warum nur bis zur Hüfte?“ – fragte ein Kollege und kommentierte sarkastisch: „Da geht noch mehr!“
Übertrieben hat es auch die Reporterin eines Privatsenders, die sich vor der Übertragung etwas Dreck auf Gesicht und Pulli schmierte und – das war ihr Pech – dabei gefilmt wurde. Es sei ihr peinlich gewesen, angesichts des Elends allzu sauber dazustehen. Hat nichts genutzt, der Sender suspendierte sie.
Das hat sie verdient, meint Euer Fritz