Der Schondorfer Gemeinderat stimmt die Bürgerinnen und Bürger auf finstere Zeiten im Herbst und Winter ein. Das Gremium hat jetzt Maßnahmen und Empfehlungen zum Energiesparen beschlossen. Außerdem ging es in der jüngsten Sitzung darum, wie sich die Gemeinde gegen etwaige längerfristige Stromausfällen wappnen will.
Auch auf Empfehlung des gemeindlichen Katastrophenschutz-Beauftragten wird die Gemeinde mehrere Notstromaggregate kaufen. Was damit bezweckt werden soll, erklärte Bürgermeister Alexander Herrmann (Grüne). Mit sieben kleinen Benzin-Stromerzeugern zum Preis von insgesamt 2400 Euro könnten unter anderem vorübergehend Heimdialyse-Geräte mit Elektrizität versorgt werden. Vier größere mit Diesel betriebene Netzersatzanlagen zum Preis von insgesamt 29.000 Euro könnten, so Herrmann, als „Leuchttürme“ in Turnhalle oder Feuerwehrhaus aufgestellt werden, um elektrische Geräte laden, und an denen Bürger Informationen zur Situation oder eine Tasse Tee bekommen zu können. An eine dauerhafte Stromversorgung etwa um den Rathausbetrieb aufrechtzuerhalten, sei jedoch nicht gedacht.
Notstromaggregate: Gemeinde Schondorf erhält nur ein Angebot
Das Angebot für den Ankauf der genannten Geräte habe ein Schondorfer Unternehmen der Gemeinde gemacht, informierte Herrmann weiter. Daraufhin habe man fünf weitere Firmen gebeten, Angebote zu machen. Es sei allerdings keines eingegangen. Der Markt sei ausverkauft, merkte Wolfgang Schraml (FWS) an und er sagte, er hoffe, dass die angebotenen Geräte auch den Erwartungen entsprechen, denn allgemein werde derzeit vieles vermarktet, „was zuvor keiner gekauft hat“.
Simon Springer (CSU) erkundigte sich nach der Versorgung mit Kraftstoff. Man habe im Boden Tankkapazitäten, erklärte Herrmann, nachdem die Brennstoffversorgung gemeindlicher Liegenschaft auf Gas umgestellt worden ist. Die Wasserversorgung sieht man in Schondorf bei einem längeren Stromausfall nicht gefährdet: Diese komme ohne Elektrizität aus, wenn das Wasser aus den Bischofsrieder Quellen bezogen werde. Von da aus fließe es ohne zu pumpen zum Hochbehälter und von dort aus in die Haushalte, lediglich in Oberschondorf könnte der Wasserdruck etwas niedriger als derzeit sein, sagte Herrmann.
An der Weihnachtsbeleuchtung soll in Schondorf gespart werden
Zuvor hatte der Gemeinderat über Stromeinsparmaßnahmen und -vorschläge an die Bevölkerung diskutiert. Die Gemeinde beabsichtigt demnach, auf eine Weihnachtsbeleuchtung in der Bahnhofstraße zu verzichten und nur noch einen Weihnachtsbaum am Friedhof zu illuminieren. Auch die Bürger sollen aufgerufen werden, anstelle einer elektrischen Beleuchtung Kerzen am Christbaum zu entzünden. Die Winterhalle am Bahnhof soll nicht mehr geheizt werden, die Pumpen der Brunnen am Rathaus und am Wilhelm-Leibl-Platz könnten früher abgeschaltet werden. Das Atelier Rose soll wie im Vorjahr eingewintert und im Studio Rose die Heizung stark heruntergeregelt werden. Im Raum steht auch, die Duschen in der Turnhalle nicht mehr mit warmem Wasser zu versorgen. Vereine und Bürgerschaft sollen auf Energiesparmöglichkeiten hingewiesen werden.
Aus der vom Bauausschuss erarbeiteten Maßnahmenliste gestrichen wurde der Vorschlag, wie in Dießen Kleinst-Fotovoltaikanlagen zu bezuschussen. Für einen Zuschuss von 100 Euro sei der bürokratische Aufwand viel zu groß, hieß es. Einen längeren Diskurs gab es zum Ausbau der Fotovoltaik auf gemeindlichen Liegenschaften. Marius Polter (Grüne) kritisierte, dass die Gemeinde da nicht alle Möglichkeiten nutze. Bürgermeister Herrmann verwies auf wirtschaftliche Aspekte, die etwa gegen eine größere Anlage auf der Sporthalle gesprochen hätten, und dass die dünne Personaldecke im Rathaus den weiteren Ausbau beschränke.
Rainer Jünger (CSU) spricht von "Symbolmaßnahmen"
Diskutiert wurde auch, ob die Straßenbeleuchtung spätnachts mehr als bisher gedimmt oder ganz ausgeschaltet werden soll. Man einigte sich auf ein stärkeres Herabdimmen. Völlig dunkle Straßen stellten ein Sicherheitsrisiko dar, warnten etwa Bettina Hölzle und Thomas Betz von der CSU. Bürgermeister Herrmann wies darauf hin, dass es technisch nicht möglich sei, manche Lampen abzuschalten, aber diejenigen an Kreuzungen und Fußgängerüberwegen brennen zu lassen.
Nicht eingeschränkt werden soll der Betrieb der Luftreiniger in der Schule. Gegen den Vorschlag, diese nur im Notfall einzuschalten, wandte sich Rainer Jünger (CSU). Er übte grundsätzliche Kritik an dem Einsparpaket, das viele „Symbolmaßnahmen“ beinhalte. „Wir konzentrieren uns viel zu sehr auf das Licht“, kritisierte er. Doch das verbrauche im Gegensatz zu E-Autos, Wärmepumpen, Kochen und Backen oder Wäschetrockner kaum Strom.