„Liebe Künstler, liebe Keramiker, ihr seid die, die es tatsächlich schaffen, aus einem Batzen Lehm Poesie zu machen“, mit diesen Worten eröffnete die am Himmelfahrtstag um 10 Uhr die Kabarettistin, Schauspielerin und Schirmherrin des Dießener Töpfermarkts 2026, Luise Kienseher, mit Bürgermeisterin Sandra Perzul das Marktgeschehen.
Während bereits am frühen Morgen Keramikfans vom Bahnhof, mit Pendelbussen von den Parkplätzen, mit dem Fahrrad oder zu Fuß zum Marktgelände am See strömten und durch die Marktgassen streiften, legte die MS Utting pünktlich um 10 Uhr am Dampfersteg an. An Bord waren Ehrengäste aus Kommunalpolitik und Kultur, darunter auch Landrätin Daniela Groß.
Ein Markt, auf dem es Dinge zum Staunen und Anfassen gibt
Begleitet von der Dießener Trachtenjugend und den fröhlichen Klängen der Augsburger Blasmusik-Formation „Die ScheinEiligen“ verließen die Ehrengäste nach einem üppigen Frühstück, bester Unterhaltung und spannenden Hintergrundinformationen zum Thema Keramik das Schiff, um mit den Marktbesuchern unter dem noch weiß-blauen Himmel den launigen, durchaus auch kabarettistisch angehauchten Worten der Schirmherrin zu lauschen.
Eröffnung des Dießener Töpfermarkts
„Ursprünglich wollte ich ja Ministerpräsidentin werden“, erklärte Kinseher, aber nachdem sie selbst als „Mama Bavaria“ in die CSU nicht aufgenommen wurde, sei sie eben Schirmherrin des Dießener Töpfermarkts geworden. „Was ja auch viel gescheiter ist, denn hier gibt es echte Dinge zum Staunen und Anfassen.“ Dies sei in unserem medial geprägten Alltag ungeheuer wohltuend: „Hier wird nicht gescrollt, gelöscht oder weggewischt, und sogar die Trachtenkinder haben kein Handy dabei“, freute sich Kinseher. Wer also vom Dießener Töpfermarkt anstatt mit nur einem Keramikobjekt mit sechs Teilen nach Hause gehe, könne sich trösten. „Denn das war keine Ausgabe, sondern Kulturerhalt.“
Die Bürgermeisterin motiviert zum Einkauf in Dießen
Bürgermeisterin Sandra Perzul lud das Publikum ein, „kaufen Sie ein, unterstützen Sie unsere Aussteller und Ausstellerinnen, aber auch unsere Gastronomie und das Gewerbe hier im Ort. Ganz besonders freue ich mich“, so Perzul, „dass wir so eine wunderbare Schirmherrin für den Markt gewinnen konnten. Luise Kinseher wird mit ihrem aktuellen Kabarett-Programm auch die Festlichkeiten zur 700-Jahr-Feier der Marktgemeinde am 30. Juli eröffnen.“
Der Marktrundgang der Ehrengäste, geführt von Marktleiter Wolfgang Lösche, begann am zentralen Ausstellungspavillon, in dem passend zum Thema des Markts „Lifestyle – Keramik für die Küche“ sämtliche Aussteller je ein ausgewähltes Stück zeigen, das den Betrachtern zur Orientierung dienen kann, um die Werkstatt ihres Geschmacks zu finden.
Weiter ging es zur lebenden Werkstatt des kretischen Töpfers Georgos Tziligkakis, wo Lösche die Herstellung und die Verwendung großer Amphoren, die bis heute als Vorratsbehälter dienen, erläuterte. Über den Besuch der Ehrengäste freute sich auch der französische Aussteller Ben Lignel, dessen Schaffen sich auf das Kochen und die Gastfreundschaft konzentriert. Seine hitzebeständige Keramik versucht, die Vorteile des Kochens in Steinzeug voll auszuschöpfen und kommt auf großen Tischen besonders schön zur Geltung.
Auch eine Staatspreisträgerin aus Dießen ist auf dem Markt vertreten
Begeistert zeigte sich Luise Kinseher von der „Fernwirkung wie bei einem Gemälde“, die sie in den Arbeiten der Dießener Bildhauerin und Keramikerin Romina Ried erkannte. Ried wurde 2025 mit dem Bayerischen Staatspreis für Gestaltung ausgezeichnet. Geradezu entzückt war die Schirmherrin nur wenige Schritte weiter von den Objekten aus der Werkstatt von Sigrid Hilpert-Artes aus Dresden, die sich der Fayence-Malerei verschrieben hat. In ihren Ateliers entstehen künstlerische Unikate - fantasievoll bemalte Gefäße und figürliche Objekte, die eine poetische Ausstrahlung haben. Luise Kinseher entschied sich für eine märchenhafte Vogelfrau mit dem Kommentar: „Fliegen könnte ich auch gerne.“
Nach zahlreichen Gesprächen und vielfältigen Eindrücken endete die Führung in den Boxler-Anlagen im Ausstellungsbereich der Kunsthochschule Halle, wo zahlreiche Studenten, eingebettet in die wundervolle Parklandschaft, höchst kreative und experimentelle Arbeiten zeigen.
Der Dießener Töpfermarkt dauert noch bis Sonntag
Wie Marktleiter Wolfgang Lösche zusammenfasste, kann man heuer Arbeiten aus 168 Werkstätten bewundern. Aussteller und Ausstellerinnen aus 13 Ländern sind an den Ammersee gereist - allein aus Frankreich sind 15 Werkstätten dabei, sechs kommen aus Italien, fünf aus Spanien und zwei aus der Tschechischen Republik und England. „Trotz Brexit haben Tom Knowles und Ian Morison es geschafft, ihre exklusive Steinzeug-Ware nach Dießen zu bringen“, freute sich Lösche. „Und wir bekommen jedes Jahr fast aus ganz Europa neue Sachen, die eigens für den Dießener Töpfermarkt produziert wurden.“
Der Dießener Töpfermarkt ist noch bis Sonntag, 17. Mai, jeweils von 10 bis 18 Uhr geöffnet.
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