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Eine Brücke über die Bahn wird in Schondorf nach Sanierung zur Sehenswürdigkeit

Schondorf

In Schondorf wird eine Brücke über die Eisenbahn zu einer Sehenswürdigkeit

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    Der Schondorfer Bürgermeister Alexander Herrmann durchschnitt das Absperrband und eröffnete die Moraschbrücke offiziell, rechts neben ihm freute sich der Greifenberger Zweite Bürgermeister Hagen Adler über die gelungene Sanierung.
    Der Schondorfer Bürgermeister Alexander Herrmann durchschnitt das Absperrband und eröffnete die Moraschbrücke offiziell, rechts neben ihm freute sich der Greifenberger Zweite Bürgermeister Hagen Adler über die gelungene Sanierung. Foto: Gerald Modlinger

    Die Gemeinde Schondorf ist um eine restaurierte Sehenswürdigkeit reicher: Etliche Wochen nach den Anfang März beendeten Arbeiten ist die Moraschbrücke, die zwischen Schondorf und Greifenberg die Ammerseebahn überspannt, jetzt offiziell eröffnet worden. Das Besondere an dieser Brücke ist, dass es sich seit Kurzem auch um ein Baudenkmal handelt.

    Überfahrten und Brücken an Bahnstrecken sind in der Regel keine Hingucker, die alten sind oft marode und neue Zweckbauten aus Eisen und Beton ohne optische Qualität. Die 1898 errichtete Brücke am Ende der Moraschstraße einen guten Kilometer nördlich des nördlichen Bahnübergangs bietet hingegen ein prächtiges Bild - besonders natürlich an einem sonnigen Frühlingstag mit vielen blühenden Obstbäumen an der Moraschstraße. Strahlend weiß leuchten inmitten des sich ausbreitenden Frühlingsrüns die drei Bögen, die den Geländeeinschnitt für die Eisenbahn auf der nördlichen Schondorfer Flur überspannen.

    Die Betonbauweise sollte 1898 nicht so deutlich erkennbar sein

    Sie wurden beim Bau der Bahnlinie im Jahr 1898 aus unbewehrtem Beton errichtet und - ganz typisch für den Beginn des Beton-Zeitalters - so gestaltet, dass sie den Eindruck eines gemauerten Bauwerks machen. Darauf weisen die im Putz angedeuteten Steinformate der Bögen hin, die wieder sichtbar gemacht worden sind. Die Brücke wurde mit gebrauchtem Kopfsteinpflaster aus dem Bestand des Marktes Peißenberg neu belegt, die Borden links und rechts mit Muschelkalkplatten, die nach dem historischen Vorbild neu gefertigt worden waren. Das originale Eisengeländer konnte, nachdem es sandgestrahlt worden war, wieder angebracht werden und bildet in Anthrazit einen schönen Kontrast zu den weißen Brückenbögen.

    Weiß leuchtet die sanierte Moraschbrücke, die nördlich von Schondorf über die Ammerseebahn führt, in der Frühlingslandschaft.
    Weiß leuchtet die sanierte Moraschbrücke, die nördlich von Schondorf über die Ammerseebahn führt, in der Frühlingslandschaft. Foto: Gerald Modlinger

    Entsprechend prächtig war die Stimmung, als Bürgermeister Alexander Herrmann mit dem Zweiten Bürgermeister von Greifenberg, Hagen Adler, das auf der Brücke gespannte Absperrband durchschnitt. Es war der letzte größere Auftritt des scheidenden Bürgermeisters, und man merkte ihm als studierten Architekten mit einem Empfinden für Ästhetik und Materialität an, dass es ihm ein besonderes Anliegen war, die Brücke zu sanieren und keine neue Brücke zu bauen.

    Die Schlossbrücke in Greifenberg wurde zum Vorbild der Sanierung der Moraschbrücke

    Die Überlegung der zunächst von der Gemeinde hinzugezogenen Planer war hingegen, die Brücke abzureißen. Sie gingen davon aus, dass die stählerne Bewehrung marode und die Brücke nicht sanierungsfähig war. Stattdessen sollte eine neue Stahlbetonbrücke über das Gleis gelegt werden. Eine erste Schätzung ging laut Herrmann von Kosten von rund 800.000 Euro aus.

    Dann wurde man in Schondorf auf ein Südtiroler Ingenieurbüro aufmerksam, das mit der Sanierung der ähnlich konstruierten Schlossbrücke in Greifenberg beauftragt worden war. Dieses empfahl, die Moraschbrücke zu erhalten, nachdem klar war, dass es sich um keine irreparable Stahlbetonkonstruktion, sondern um eine selbst tragende Stampfbetonbrücke handelt - und inzwischen eine baugeschichtliche Besonderheit: Nach dem Neubau der Duswinkelbrücke in Greifenberg sei es die einzige Überfahrt an der Ammerseebahn, die noch original ist, hieß es.

    Auch die Denkmalpflege bezuschusste die Brückensanierung

    Nur folgerichtig war, dass die Brücke in die Denkmalliste eingetragen wurde. Die Sanierung wurde somit zu einem doppelten finanziellen Vorteil für die Gemeinde: Sie war mit 643.000 Euro nicht nur etwas günstiger als ein Neubau, die Gemeinde erhielt auch Denkmalschutz-Förderungen in einer Summe von mehr als 100.000 Euro.

    Eine Einschränkung gibt es jedoch: Die Tragfähigkeit der Brücke reicht nicht für die heutigen schweren landwirtschaftlichen Fahrzeuge aus. Die Brücke ist deshalb nur noch für Radfahrer und Fußgänger nutzbar.

    Eine Herausforderung war, eine sich aus etlichen verschiedenen Gewerken zusammensetzende Sanierung, die mehr in Zeit in Anspruch nimmt, als eine vorgefertigte Stahlbetonbrücke über das Gleis zu heben, mit dem Bahnbetrieb zu koordinieren. Das sei selbst während der monatelangen Streckensperrung wegen der Generalsanierung der Bahnstrecke im vergangenen Jahr schwierig gewesen, merkte Bürgermeister Herrmann an. Zwar fuhren von August bis Dezember keine regulären Züge, aber doch der Baustellenverkehr. Dank der Kooperation der Deutschen Bahn und dem Geschick der Handwerker und Gerüstbauer habe aber alles gut funktioniert.

    Die Moraschbrücke gibt es auch im H0-Maßstab

    Man stehe nun auf „einem kleinen Juwel“, betonte Herrmann vor Vertretern der beteiligten Firmen und Behörden und des Gemeinderats sowie den Anwohnern. Eine Einschätzung, die auch LT-Mitarbeiter und Ammerseebahn-Kenner Alwin Reiter teilt, der am Tag vor der Einweihung über die viel frequentierte Brücke geradelt war. Und Herrmann wiederum erwähnte, dass es diese inzwischen an dieser Strecke einzigartige Originalbrücke als H0-Nachbau im Maßstab 1:87 gebe.

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