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Rio Reiser inspiriert einen bewegenden Musikabend mit Maria Hafner in Dießen

Dießen

Ein emotionaler Abend in Erinnerung an Rio Reiser und Franzi

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    Maria Hafner und Andreas Dombert führten in der Dießener Buchhandlung CoLibri ihr Programm „Für immer und dich -Rio Reiser und die 90er in Straubing“ auf.
    Maria Hafner und Andreas Dombert führten in der Dießener Buchhandlung CoLibri ihr Programm „Für immer und dich -Rio Reiser und die 90er in Straubing“ auf. Foto: Helmut Mattes

    Der Titel der Veranstaltung, die am Donnerstagabend in der Dießener Buchhandlung „CoLibri“ über die minimalistische Bühne ging, irritierte zunächst, denn er lautete: „Für immer und dich - Rio Reiser und die 90er in Straubing“. Ein Außenstehender fragte sich mehr als verwundert, was der anarchische Polit-Barde, 1996 gerade mal 46-jährig gestorben, mit dem vermeintlich beschaulichen Niederbayern zu tun hat.

    Im Laufe der rund 70-minütigen Veranstaltung stellen die beiden gebürtigen Straubinger Maria Hafner und Andreas Dombert mit gesprochenem wie gesungenem Wort sowie exklusiven Liedern durchaus einen Zusammenhang zwischen den beiden unterschiedlichen Welten her. Denn die 46-jährige Hafner ist Pianistin und mit einer ausdrucksstarken Stimme versehen, ihr gleichaltriger Kreativ-Partner Dombert ein studierter Jazz-Gitarrist. Beide sind auf Rio Reiser über Umwege gelandet, wie Hafner verrät: „Dank meiner zwei älteren Brüder sonnte ich mich in meiner Kindheit und Jugend in einer Woge aus bayerischer Volksmusik und Punk. Andreas wiederum entdeckte durchaus Elemente seines geliebten Jazz in manchem Reiser-Song.“

    Die Romantik Rio Reisers entdeckte Maria Hafner erst später

    Rio Reiser-Lieder erschlossen sich Hafner eher unfreiwillig, denn „meine Brüder spielten seine Platten so laut in ihren Zimmern, dass der Kerl zwangsweise zu mir vordrang“, sagt sie schmunzelnd im Blick zurück. „Mir war seine Stimme eher unangenehm, seine Musik zu schmutzig und ungehobelt. Erst viel später habe ich all die Lyrik darin entdeckt. Auch die Romantik in den Balladen.“

    Der Abend beginnt nach kurzer Einführung durch „CoLibri“-Chefin Ulrike Kreutzer mit Maria Hafner am Piano und Andreas Dombert ausnahmsweise mit Glockenspiel in der Hand sowie dem Stück „Halt’ dich an deiner Liebe fest“, das Rio Reiser noch für seine frühere Band Ton Steine Scherben komponiert hat. Im Anschluss kommt der Rio Reiser-Klassiker „Junimond“ als ungewöhnliches Instrumental, von der Jazz-Gitarre intoniert.

    Nun ist der Zeitpunkt für launige Erzählungen fällig. Maria Hafner teilt mit, dass „Andreas und ich 1999 gemeinsam Abitur gemacht haben. Danach haben sich unsere Wege weitgehend eine Zeit lang getrennt. Ich ging zunächst nach Regensburg zum Studium, ebenfalls mein Bruder, der Franzi, mit dem ich eine extrem enge Bindung hatte. Nach nur einem Jahr zog es uns beide ins wesentlich verlockendere München. Franzi machte mehr auf Highlife, ließ keine Party aus - während ich mich im Studium unter anderem mit Archäologie, aber auch Musik beschäftigte.“

    Der Bruder stirbt in jungen Jahren bei einem Unfall

    Franzi absolvierte seinen Zivildienst, danach trug er sich in München für ein Lehramtsstudium ein. „Wir waren wieder zusammen“, freut sich Hafner. „Doch während in meinem Zimmer als Poster die klassische Violinistin Anne-Sophie Mutter an der Wand hing, verbrachte Franzi seinen Urlaub in Hannover bei den Punk-Chaostagen. Dort entdeckte er auch den Sound von Ton Steine Scherben und Rio Reiser. Um mich damit irgendwann zu infizieren. Plötzlich erkannte ich die stilistische Vielfalt der Musik und die tiefe Poesie der Texte.“

    Die Idee für das Programm „Für immer und dich“ entstand allerdings vor nicht allzu langer Zeit. „Franzi starb mit 23 bei einem Autounfall, er hat damit also nur indirekt zu tun“, sagt seine Schwester Maria und stimmt das Rio Reiser-Drama „Wohin gehen wir“ an, das einen ganz neuen Blickwinkel erhält. Also nicht mehr den des verlassenen Liebenden, sondern den der traurigen Schwester. Das Stück endet mit dem vage hoffnungsvollen Satz: „Werden wir uns wiedersehen - hier?“.

    Auch der Ton Steine Scherben-Klassiker „Der Traum ist aus“, intoniert von Piano und Gitarre, darf nicht fehlen. Eigentlich eine desillusionierende Nummer, die allerdings mit den trotzigen Zeilen endet: „Der Traum ist aus - aber ich werde alles geben, dass er Wirklichkeit wird.“ Jetzt kommt richtige Revoluzzer-Stimmung auf im rund 20-köpfigen Publikum.

    „Wo heute Nacht Schatten ist, war gestern noch Licht“

    Bleibt am Ende der Veranstaltung, ebenfalls Bruder Franzi gewidmet, eines der melancholischsten Lieder von Rio Reiser: „Stiller Raum“. Auch hier ist es die Perspektive des traurigen Verlassenen. Fast unhörbar erkennt Maria Hafner: „Die Welt dreht sich weiter / für dich und für mich / Nur wo heute Nacht Schatten ist / war gestern noch Licht.“

    Ein intensiver, intimer, vor allem emotional bewegender und insgesamt ungewöhnlicher Abend findet ein würdiges Ende.

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