Gersthofen Der bisherige Eigentümer von CABB (Chlorine Acetyl Building) im Industriepark Gersthofen, die AXA Private Equity, hat das Feinchemie-Unternehmen verkauft. Neuer Eigentümer der CABB-Gruppe mit Hauptsitz in Sulzbach am Taunus wird die Bridgepoint GmbH, ein pan-europäischer Investor mit Fokus auf mittelständisch geprägte Unternehmen. In Gersthofen sind knapp 200 Beschäftigte betroffen, die vom Verkauf informiert wurden.
Es ist nicht der erste Verkauf: Die Produktion von Monochloressigsäure (MCE) begann in Gersthofen vor mehr als 100 Jahren im Jahr 1905. Damals hieß das Chemiewerk noch Farbwerke Hoechst, das im Jahr 1997 von der Schweizer Clariant GmbH übernommen wurde. Seit 2003 wurde in Gersthofen unter der Regie der 100-prozentigen Tochtergesellschaft CABB (damals noch Clariant Acetyl Building Blocks) produziert. 2005 kaufte der niederländische Finanzinvestor Gilde Buy Out Fund das Unternehmen für rund 48 Millionen Euro. Der nächste Eigentümerwechsel stand schon bald an: AXA Private Equity erwarb die CABB-Gruppe im Jahr 2007. Seit diesem Einstieg verdoppelte sich der Umsatz von CABB auf 311 Millionen Euro, insgesamt beschäftigt CABB 750 Mitarbeiter.
Zur CABB-Gruppe gehören neben den deutschen Produktionsstandorten Gersthofen und Knapsack bei Köln die in Pratteln bei Basel ansässige CABB AG (ehemals SF Chem AG) sowie das indische Unternehmen CABB Karnavati Rasayan Ltd. Bridgepoint will laut einer Presseerklärung die bisherige Wachstumsstrategie unterstützen und den weiteren Ausbau als weltweiter Marktführer durch organisches Wachstum, globale Expansion sowie Zusatzkäufe begleiten.
„Schade, dass es wieder ein Finanzinvestor ist und kein strategischer Investor“, sagte Torsten Falke, Augsburger Bezirksleiter der IG BCE (Bergbau, Chemie, Energie) gegenüber unserer Zeitung. Er würde sich davon die Entwicklung neuer Produkte und Investitionen am Standort Gersthofen erhoffen. „So wird halt die Rendite nur wieder für den Kapitaldienst verwendet.“ Das Unternehmen sei hoch rentabel und somit immer wieder ein Kandidat für Zukäufe, so Falke. Wenigstens ändere sich für die Beschäftigten nichts. Weil die Geschäftsführung ebenfalls bestehen bleibt, verspricht sich der Bezirksleiter dadurch eine gute längerfristige Perspektive.
Der Gesamtbetriebsratsvorsitzende Herbert Huber hat sich die Zusammensetzung des Fonds von Bridgepoint angesehen. „Etwas nervös“ macht ihn, dass etwa 40 Prozent US-Rentenfonds dabei sind. „Das sind Unternehmen, die in der Finanzkrise viel Geld verloren haben und jetzt ihre Kassen wieder auffüllen wollen.“ (AL/jma)"Tagesgespräch