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Kunst

27.02.2018

Der Galgenberg in historischer Ansicht

So sah es am Galgenberg bei Dinkelscherben aus, wie es damals Anna Stobitzer gemalt hatte.
Bild: Michael Kalb

Der Markt Dinkelscherben hat das Gemälde einer heimischen Malerin gekauft. Das Motiv hat eine düstere Geschichte

Der Dinkelscherber Gemeindearchivar Christoph Lang konnte eine historische Ansicht vom „Galgenberg“ in Dinkelscherben erwerben. Das Ölgemälde wurde vor rund 100 Jahren von der Dinkelscherber Malerin Anna Stobitzer (1876- 1948) gefertigt. Sie malte viele Stillleben und örtliche Szenarien. In verschiedenen Größen, mit kleinen Unterschieden und häufig mehrfach gemalt, ermöglichen einige ihrer Werke den Blick auf längst Vergangenes in der Reischenau. Das 80 Zentimeter breite und 55 Zentimeter hohe Bild vom „Galgenberg“ lässt das heutige „Bei den Eichen“ im Nordwesten von Dinkelscherben und den Verlauf der Straße nach Fleinhausen noch gut erkennen. Links von der Straßenbiegung befinden sich heute der gemeindliche Bauhof und der Wertstoffhof. Die Gemeinde kaufte das Gemälde für 600 Euro. Es hängt nun im Büro des Bürgermeisters.

Die Geschichte des Galgenbergs ist düster, wurden doch dort vor Jahrhunderten Todesurteile vollstreckt. 1483 wurde dem Domkapitel von Augsburg von Kaiser Friedrich III. die Errichtung eines Hochgerichts genehmigt und auf dem „Galgenberg“, heute um die Straße „Bei den Eichen“, errichtet. Das Gefängnis für die Übeltäter aus Dinkelscherben und Umgebung befand sich auf der Burg Zusameck. Am Galgenberg wurden die Todesurteile durch Hängen vollstreckt, während sich der Richtplatz zur Enthauptung an der Straße „auf Heder“, vor der Abzweigung nach Breitenbronn, befand.

Die beiden Hinrichtungsstätten lagen deswegen so weit auseinander, weil die Vollstreckung des Urteils durch das Schwert als ehrenhaft, das Hängen dagegen als unehrenhaft galt. Die Gehängten blieben am Galgen, bis sie von selbst herabfielen, verwesten oder von den Tieren aufgefressen wurden. Die mit dem Schwert Gerichteten dagegen wurden bestattet. (mick)

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