Dass Mundartbegriffe gleichlautend mit schriftdeutschen Wörtern sind, aber verschiedene Bedeutungen haben, ist nicht so selten. Besonders interessant ist es allerdings dann, wenn die Begriffe unterschiedlicher Bedeutung den (vermeintlich) gleichen Ursprung haben.
Während man in Norddeutschland unter „Hack“ zerkleinertes Fleisch, also Hackfleisch versteht, heißt in der schwäbischen Mundart ein Raubvogel so. Ursprung ist offensichtlich jeweils das Wort „hacken“ für zerkleinern.
Der Mäusebussard und der Hühnerhabicht „hacken“ ihre Beutetiere tot. Auch dem Sperber sagt man das nach. Und dieses gierige Hacken hat im Allgäu auch zur Redewendung „wia dr Hack uff d’ Henna“ geführt, wenn man ein heftiges Verlangen beschreiben will – so Professor König in seinem Dialektwörterbuch.
Allerdings ist nach dem Sprachexperten der Ursprung zu „hacken“ nicht ganz korrekt.
Der schwäbische Begriff „Hennenhack“ geht wohl eigentlich auf das althochdeutsche „habuh“ für Habicht zurück und wurde später volksetymologisch „hacken“ zugeordnet.
Beim Hackfleisch oder auch dem Gehackten allerdings ist „hacken“ tatsächlich der richtige Ursprung, ebenso beim vor allem in Württemberg, aber auch in Altbayern gebräuchlichen Wort „Haschee“ – nur geht es hier auf das gleichlautende französische Wort für „hacken“ zurück.
Die Österreicher haben ihr eigenes Wort für Hackfleisch, „Faschiertes“ – ähnlich heißt es auch in Italien und Ungarn. Es geht auf den lateinischen Sprachkreis zurück (farcire = vollstopfen) und bezeichnet nicht den Herstellungsvorgang des Zerkleinerns, sondern den Zweck, nämlich die „Füllung“. In unserer Hochsprache kennen wir eine „Farce“ aber nicht nur kulinarisch als Fleischfüllung, sondern auch übertragen als eine „lächerliche Angelegenheit“, als Unsinn. Hintergrund mag hier wohl eine Gepflogenheit aus dem Mittelalter sein, als man bei Bühnenstücken die (Umbau-)Pausen mit vermeintlich kurzweiligen Einlagen überbrückte, also „füllte“, heißt es im Etymologie-Lexikon Kluge.
Stand das Mittelalter Pate für die heute im Privatfernsehen üblichen Werbe-Einlagen? Natürlich nicht, hier geht’s ums Geld. Und diese Werbung ist ja auch alles andere als kurzweilig.