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13.06.2014

Die Kapelle ist das Herzstück

Alexandra Sattler kümmert sich auf ihrem Anwesen, der ehemaligen Mühle, um kranke Tiere.
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Alexandra Sattler kümmert sich auf ihrem Anwesen, der ehemaligen Mühle, um kranke Tiere.

Radfahrer und Wanderer stoppen gerne an dem Kirchlein im Weiler Salmannshofen. Ein Ehepaar kümmert sich darum

Vier Feuerstätten zählte Salmannshofen Mitte des 18. Jahrhunderts – heute stehen im Weiler bei Biberbach sechs Wohnhäuser. In einem davon wohnt Josef Bertele mit seiner Frau. „In Salmannshofen zu wohnen, fühlt sich an, wie immer Urlaub zu haben“, verrät Klara Bertele. Seit 42 Jahren wohnt sie dort und weiß aber auch, dass die schönen Freiheiten, die man in einem Weiler hat, auch schnell in Einsamkeit münden können. Doch das passiert dem Ehepaar Bertele nicht. Neben Enkelkindern, Hobbys und der Gartenarbeit sind sie auch Ansprechpartner für die Besucher „ihrer“ Kapelle.

2005 begannen sie mit vereinten Kräften mit dem Bau der Kapelle. „Im Jahr 2008 – und damit genau 250 Jahre, nachdem die erste Taufe in der neuen Pfarrkirche in St. Sebastian in Affaltern 1758 dokumentiert ist – konnten wir hier in Salmannshofen wieder einen Gottesdienst feiern.“ Mit großer Freude erinnert sich Klara Bertele an diesen Moment zurück. Seitdem wird einmal im Jahr in Salmannshofen Eucharistie gefeiert. Doch nicht nur dann trifft man Josef und Klara Bertele in der kleinen Kapelle. Auch Besuchern, Fahrradfahrern und Wanderern berichtet das Ehepaar Bertele von den historischen Wurzeln der Kapelle. „Herzlichen Dank für ihre Führung in der wunderschönen Kapelle“, schreibt in diesem Zusammenhang eine Besucherin aus der Schweiz ins Gästebuch, welches in der kleinen Kapelle ausliegt. Und auch ein ganz persönliches Geschenk ist in der Kapelle zu finden – der Segen von Papst Benedikt XVI, der auf einer Urkunde dokumentiert und an Klara und Josef Bertele gerichtet ist.

Doch ging natürlich auch beim Bau der Salmannshofener Kapelle nicht alles reibungslos über die Bühne. Die Glocke beispielsweise konnte nur durch einen glücklichen Zufall direkt nach der Lieferung aus Österreich auf die Kapelle gehoben werden. Josef Bertele erinnert sich an den Tag: „Die Glocke wurde ohne Kran geliefert. Es war reines Glück, dass ein Kran eines Augsburger Anbieters gerade auf dem Weg nach Gundremmingen war und wir ihn vor der Autobahnauffahrt erwischt haben.“ Und auch der Ort der Kapelle war lange nicht eindeutig geklärt, da man auf die Baumwurzeln im Boden achten musste. Nun steht die Kapelle aber in direkter Nähe zum Elternhaus und Wohnhaus des 73-Jährigen.

Doch nicht nur die Kapelle greift die historischen Wurzeln Salmannshofens auf. In den Wäldern sind noch Grenzsteine des ehemaligen Klosters zu finden und bei größeren Bauunternehmungen in Salmannshofen kamen auch bereits Ziegelsteine zum Vorschein, die auf das Kirchenfundament hindeuten. Die Mühle, die auf der anderen Seite der Straße zwischen Affaltern und Feigenhofen liegt, war Überlieferungen zufolge die Klostermühle. Heute wohnt dort Alexandra Sattler mit ihrem Mann. 2001 ist sie von Gablingen nach Salmannshofen gezogen. „Der ursprüngliche Gedanke war, einen Ort zu finden, an dem ich Pferde halten kann und mein Mann genug Platz hat, um seiner Bastelleidenschaft nachzugehen“, erklärt Alexandra Sattler.

Eingezogen sind neben dem Ehepaar Sattler anfangs nur ein Pferd und ein Maulesel. Mittlerweile unterhält Alexandra Sattler einen kleinen privaten Tiergnadenhof. Kranke Pferde, Miniponys, die vor dem Schlachter gerettet wurden, Hühner, Gänse, Pfauen, aber auch Kühe, die nicht auf dem Hof sind, um Milch zu geben, sowie zugelaufene Katzen und Hunde aus dem Tierheim haben bei Alexandra Sattler und ihrem Mann ein neues Zuhause gefunden. „Ich würde nicht mehr tauschen wollen“, erklärt die Wahl-Salmannshofenerin – und das, obwohl es keinen Handyempfang gibt und auch die Benutzung des Internets mit einer sehr schwachen Leitung zu mancher Geduldsprobe wird.

Im nächsten Teil unserer Weiler-Serie sind wir in Katzenlohe bei Kutzenhausen zu Besuch.

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