Ein wenig aufgeregt sind die Gamskampler vor ihrem Auftritt auf der "Sommerbühne im Rathausgarten" schon. Seit Oktober 2019 haben Hans, Hans und Hans – so nennen sich die drei Musiker – keinen richtigen Auftritt mehr gehabt. Ihren Stil beschreiben sie als "Volksmusik mit Gwoid" oder "irgendwo zwischen Nirvana und Hans Söllner" und beim ausgehungerten Publikum kommen schon die ersten teils satirisch-bissigen Lieder gut an. Die Band eröffnete am vergangenen Freitag nicht nur die Veranstaltungsreihe der Marktgemeinde Dinkelscherben, sondern spielte auf der Bühne hinter dem Rathaus sozusagen auch ihren eigenen Sommerauftakt.
Am Freitagabend scheint alles zu stimmen: Die Sonne scheint, die Temperaturen sind angenehm, die Künstler motiviert und die Besucher freudig entspannt. Allen ist anzumerken, dass sie Lust auf Musik und Beisammensein haben - und Dinkelscherben hat mit der "Sommerbühne im Rathausgarten" den idealen Rahmen dafür geschaffen.
Alternative zum "normalen" Dinkel-Festival
Manfred Streit zum Beispiel hat sofort zugeschlagen und Tickets bestellt, als er von der Sommerbühne erfahren hat. Welche Bands spielen, war für ihn zweitrangig. Die Gamskampler sind sein erstes Konzert in diesem Jahr. "Es ist einfach schön hier und ein ganz anderes Gefühl, mal wieder etwas live zu erleben", betont der Zusmarshauser. Deshalb wundert er ich auch, dass weniger als die Hälfte der 250 Plätze besetzt sind. Der Besuch im Rathausgarten am vergangenen Freitag wird sicher nicht sein letzter sein.
Vor der Pandemie veranstaltete der Markt jedes Jahr das "Dinkel Festival" mit etwa 3000 Besuchern täglich. Dem trauert auch Bürgermeister Edgar Kalb hinterher, allerdings erklärt er: "Einerseits war die Organisation heuer einfacher, da die Location kleiner ist und auch die technischen Anforderungen nicht so hoch sind." Zum Beispiel seien für den Betrieb der kleinen Bühne nur 50 KW Strom nötig, beim Dinkelfestival hätten sie bis zu 250 KW verlegt.
Strenges Hygienekonzept für die Sommerbühne im Rathausgarten
Auf der anderen Seite stand das Hygienekonzept: An einem Tisch dürfen maximal vier Leute sitzen. "Toll" findet Edgar Kalb das Engagement des Roten Kreuzes. Die Ehrenamtlichen haben am Eingang zum Rathausgarten eine Teststation aufgebaut, vor der die meisten Besucher geduldig warten. Nur einer protestiert lautstark und macht wieder kehrt. "Die Testpflicht könnte für die Leute eine Hürde sein", erklärt Edgar Kalb mit Blick auf den halb besetzten Rathausgarten. Schon am Samstag kommt von den Veranstaltern aus Dinkelscherben deshalb auch die Meldung: Bei einer Inzidenz unter 50 ist kein Nachweis oder Test mehr notwendig.
Aber egal, wie viele Besucher da sind, Künstler und Publikum genießen den Abend gleichermaßen. Marina Both sitzt mit einigen Freundinnen zusammen. "Das ist mein erstes Konzert in diesem Jahr", sagt die Dinkelscherberin. Sie findet es "einfach schön, mal wieder raus zu kommen, Musik live zu hören und die Freunde zu treffen". Auch Andreas Kalb, zuständig für das Bühnenprogramm, sitzt am ersten Tag schon direkt vor der Bühne. Für ihn ist die Veranstaltungsreihe "schlechter als das Dinkel-Festival, aber besser als nichts". Er habe sich darum bemüht, jeden der 12 Abende möglichst stimmig zu gestalten. Den erstem Abend hat er zum Beispiel "bayerischer Abend ohne viel Gebläse" genannt.
Noch bis zum 7. August Programm bei der Sommerbühne in Dinkelscherben
Blasinstrumente spielen aber trotzdem eine Rolle: ScheinEilig aus Violau mischen in ihren Songs orientalische und bayerische Klänge und nutzen dafür Akkordeon, Flügelhorn und Sousaphon. Auch für die Band aus der Region ist Dinkel der erste Live-Auftritt seit vielen Monaten. Ihre Musik kommt beim Publikum gut an. Genau wie bei den Gamskamplern fordern die Zuschauer mehr Zugaben, als möglich sind.
Die "Sommerbühne im Rathausgarten" bietet noch bis zum 7. August ein buntes Programm. Die Veranstaltungen finden immer freitags und samstags statt. Der Eintritt ist kostenlos, allerdings bitten die Veranstalter darum, für mindestens 10 Euro zu trinken und zu essen. Wer nicht live dabei sein kann, kann sich digital zuschalten: Auf der Website findet man das "Funkbüro Reischenau", einen Radiosender, organisiert von jungen Leuten mit Bezug zu Dinkelscherben, der nicht nur die Konzerte live überträgt, sondern auch Vereine und andere wichtige Akteure zu Wort kommen lässt und unterschiedlichste Themen bespricht.