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Emersacker

20.06.2018

Eine Galerie im alten Bauernhaus

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3 Bilder
Die alte Scheune ist heute ihre Galerie: Angelika Kienberger und Michael Daum leben und arbeiten im Künstlerhaus Emersacker.
Bild: Marcus Merk

Mit dem Künstlerhaus Emersacker haben sich Angelika Kienberger und Michael Daum einen Traum erfüllt. Die Idee fanden anfangs viele verrückt.

Ein Künstlerehepaar und ein altes Bauernhaus – passt das zusammen? Ja, sehr gut sogar. Das beweisen Angelika Kienberger und Michael Daum. Sie haben in jahrelanger Kleinarbeit das Künstlerhaus Emersacker geschaffen. Und sind mittlerweile im Holzwinkel angekommen. Auch wenn der Weg dorthin recht zufällig und auch nicht immer einfach war, wie sie erzählen.

Das Künstlerpaar – er Maler und Grafiker, sie Bildhauerin – lebte in München und wollte aufs Land. „München war damals schon unleistbar“, sagt Angelika Kienberger. „Wir brauchen ja Platz. Und ich mache Krach, das geht in einer Mietwohnung nicht.“ Es ist aber „schöner Krach“, wirft ihr Mann ein. „Ich liebe das Geräusch, wenn sie aus Holz was klopft.“

Es sollte also was Eigenes sein, ein Haus. Dass die beiden letztendlich in Emersacker gelandet sind, war reiner Zufall. „Wir haben die Immobilienanzeige in einem Dachauer Blättle entdeckt“, erinnert sich Daum. 1991 erfüllte sich das Paar seinen Traum, kaufte den alten Bauernhof und begann, ihn zum Künstlerhaus umzugestalten. Es ist das zweitälteste Wohnhaus von Emersacker und wurde um 1790 gebaut. Der heutige Eingangsbereich war früher der Kuhstall. Mehr als zwei Tiere hatten dort aber nicht Platz. Nebenan, in der ehemaligen Scheune, hat das Ehepaar seinen Ausstellungsraum eingerichtet.

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Mitten im Dorf eine Galerie eröffnen - eine verrückte Idee

Seit 1994 zeigen die Künstler in ihrer Galerie auf 150 Quadratmetern über drei Etagen eine wechselnde Ausstellung ihrer Arbeiten. Besucher können fast immer vorbeischauen, sie müssen sich nur vorher anmelden. In den Neunzigerjahren waren die Neubürger mit festen Öffnungszeiten die ganze Woche über gestartet. Das hat sich aber nicht gelohnt. „Es war schon idealistisch“, gibt Daum zu. Andere hätten sie damals sowieso für verrückt erklärt: Mitten in einem Dorf eine Galerie eröffnen, wer macht denn so was? „Das ist wie ein Schwimmbad in der Wüste“, hat er damals gehört, erzählt Daum.

Das Künstlerpaar aber ist von seiner Galerie begeistert. „Das ist so luftig hier und regt die Phantasie an“, sagt Angelika Kienberger und blickt hinauf bis in den Dachstuhl. Die Künstler sind mit ihren Werken in ganz Süddeutschland unterwegs – aber eine Ausstellung in den eigenen Räumen zu gestalten ist etwas ganz anderes, sagt Kienberger: „Hier kennen wir jeden Winkel, können mit den Lichtverhältnissen spielen.“

Alle zwei Jahre findet eine Sonderausstellung mit Gastkünstlern statt, so wie kürzlich im Rahmen den Kultoursommers. Diese Veranstaltungsreihe, die seit 2010 alle zwei Jahre im Holzwinkel stattfindet – hat den Münchnern auch geholfen, so richtig hier anzukommen. Noch bis Oktober gibt es heuer insgesamt 40 Konzerte, Ausstellungen, Feste und Aktionen. Die beiden sind in der Organisation aktiv, haben dadurch andere Künstler und Kulturinteressierte aus der Region kennengelernt. Denn die gibt es, betonen sie. Man muss sich nur finden und vernetzen.

Die jüngste Skulptur brachte das Künstlerhaus an seine Grenzen

Das Künstlerhaus ist zu einem Treffpunkt geworden. Vor 25 Jahren war daran nicht zu denken. „Es sah hier schlimm aus“, sagt Daum: ein nackter Boden, unverputzte Wände, Spinnweben überall. Über mehrere Jahre haben er und seine Frau das Haus saniert – und zwar selbst. Sie haben neue alte Türen und Fenster eingebaut, ein Fachwerk eingezogen, einen Ofen gemauert. Überraschungen gab es in dem alten Haus immer wieder. „Es ist ganz gut, dass man anfangs nicht weiß, was da auf einen zu kommt“, sagt Daum. Gerade Wände und rechte Winkel gibt es hier kaum. Besonders schwierig war es, das Haus winddicht zu kriegen. Kein Wunder: „Früher hieß der Hohlweg hier ’Am Kalteck’“, erzählt Daum. Heute ist es schlicht die Sportplatzstraße.

Das alte Haus erzählt viele Geschichten – und immer wieder stößt Michael Daum auf neue. Unter den uralten Bodenbrettern hat er schon Hausschuhe, Wahlbenachrichtigungsscheine und einen Wehrmachtsdolch gefunden – die Sachen gehörten wohl den Vertriebenen, die in den Fünfzigerjahren dort lebten. Nun wohnen und arbeiten die beiden freischaffenden Künstler hier. Michael Daum hat seine Arbeitsräume unterm Dach. Malerei, Grafik und Produktfotografie sind seine Schwerpunkte. Angelika Kienberger hat im Erdgeschoss viel Platz für ihre figürlichen Bildhauereiarbeiten und Plastiken. Erst kürzlich hat sie die „Balance“ fertig gestellt – mit der 120 Kilogramm schweren Skulptur hat sie ihr geliebtes Künstlerhaus allerdings auf eine harte Probe gestellt: Sie ist so groß geraten, dass sie gerade noch so aus dem Haus zu bekommen war, erzählt Kienberger schmunzelnd. Schließlich hat sie es aber doch noch in den Günzburger Skulpturenpark geschafft.

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