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Thierhaupten

30.08.2019

Franz Neher macht es in Thierhaupten wie die Sonnenuhr

Wie die Sonnenuhr an der Schuppenwand hat sich Franz Neher ganz bewusst dafür entschieden, vorwiegend die schönen Seiten des Lebens zu sehen.
Bild: Sonja Diller

30 Jahre lang mischte er kräftig in der Kommunalpolitik mit. Heute genießt er die schönen Stunden, doch so ganz hat er das politische Parkett nicht verlassen.

Jahrelang waren sie der Boss und/oder die gute Seele. Ob in der Firma, im Verein oder im Rathaus: Ohne sie ging nichts. Und dann hören sie auf, sind plötzlich weg. Aus den Augen, aus dem Sinn? In unserer Reihe „Was macht eigentlich?“ spüren wir Menschen nach, die einst in ihrer Heimat eine prägende Rolle gespielt haben.

30 Jahre lang mischte Franz Neher in der Kommunalpolitik des Marktes Thierhaupten kräftig mit. Erst als Marktgemeinderat, dann 18 Jahre lang als Erster Bürgermeister. Zur Wahl 2014 trat er nicht mehr an. Ganz hat er das politische Parkett allerdings nicht verlassen. Als gut vernetzter Kreisrat der SPD setzt sich der überzeugte Humanist besonders gerne für Projekte ein, die Menschen zusammen- und voranbringen. Ansonsten ist er froh, nicht mehr mit Abendterminen überschüttet das Familienleben hintanstellen zu müssen.

Begrüßung von der Neher’schen Menagerie

Wer das versteckt gelegene Grundstück im Thierhauptener Ortsteil Ötz findet, der wird von der Neher’schen Menagerie mehr oder weniger begeistert begrüßt. Schäferhund Charlie nimmt seine Pflichten als Wachhund akribisch wahr. Vor zwei Jahren war er noch ein verschreckter Tierheim-Hund, heute ein prachtvoller Kerl mit wallender Mähne, der auf seine Familie aufpasst. Samtpfote „Prinzessin“ Lilli hält sich zwar im Hintergrund, muss aber auch dringend nachsehen, was los ist am Tor.

In ihrem Naturparadies haben sich Angelika und Franz Neher einen Rückzugsort geschaffen, vor dem die hektische Welt Halt macht. „Es ist ein Privileg so leben zu dürfen“, sagt der Sohn eines Molkereimeisters. Er ist dankbar dafür, dass sich vor 20 Jahren die Möglichkeit ergeben hat, mitten im Grünen zu leben. Die Familie, die Natur, das sind für den langjährigen Kommunalpolitiker heute die wichtigeren Faktoren als ganz vorne mit dabei zu sein bei den Entscheidungen. „Ich sage meine Meinung, aber ich mische mich nicht in die Tagespolitik Thierhauptens ein“, betont Neher. Sein Nachfolger soll in Ruhe seine Arbeit tun können.

Im Garten ist für das Grobe zuständig

Eine entspannte Radeltour in die Lechauen, beim Eishockey des AEV und bei den Fußballern des SVT mitfiebern, das Schwimm- und Saunaprogramm in der Gerfriedswelle in Gersthofen, Familienfeste und Verwandtschaftsbesuche – das findet heute neben den Kreistagssitzungen in seinem Kalender Raum. Auch das große Grundstück fordert gern gewährte Aufmerksamkeit. Dort agiert er als selbst deklarierter „Ver- und Entsorger“, ist für das Grobe zuständig und unterstützt die Haus- und Gartenherrin darin, es schön und bunt blühend zu machen rund um das gemütliche Haus.

In der „Öko-Ecke“ gibt es selbst gezogenes Gemüse, ein aus übrig gebliebenen Pflastersteinen gebautes Hochbeet ist Hingucker im Naturgarten. Wie die Sonnenuhr an der Schuppenwand hat sich Franz Neher ganz bewusst dafür entschieden, vorwiegend die schönen Seiten des Lebens zu sehen. Was nicht immer einfach war. Der tragische Unfalltod des Sohnes vor 13 Jahren hat die Familie schwer gebeutelt. Die politischen Kämpfe, die auch nicht immer ohne waren, erscheinen dagegen bedeutungslos. Stolz ist er auf die beiden Töchter, freut sich auf Enkelkinder, und ist glücklich, wenn die Familie um ihn herum ist.

Gelernt, nicht vor Problemen zu verzagen

Die vielen Bilder im Haus erzählen Geschichten. Ein großes Doppelporträt zeigt die Großeltern mütterlicherseits, auf deren Hof in Osterberg bei Babenhausen der kleine Franz nach dem frühen Tod der Mutter Wärme in der Großfamilie fand. Vor allem von der Großmutter hat er gelernt immer wieder aufzustehen und mit Mut weiterzumachen, nicht vor Problemen zu verzagen.

Als Landwirte, Viehhändler und Tabakhändler haben sich die Vorfahren durchgeschlagen in harten Zeiten. Und dieses Durchsetzungsvermögen, hat wohl auch der junge Franz Neher mitbekommen. Als Hauptschullehrer stand er 22 Jahre lang vor heute nicht mehr denkbaren Schülerzahlen der 8. und 9. Klassen. Oft waren es über 40 Schüler in einer Klasse.

Eine feine Balance von Ökologie und Ökonomie

Mit Disziplin und Verständnis war das Unterrichten eine schöne Sache, erinnert sich der 68-Jährige aber auch gern an diese Zeit. Danach wurde er Berufspolitiker, ist stolz darauf Thierhaupten in feiner Balance von Ökologie und Ökonomie vorangebracht zu haben. Sorgen macht ihm die politische Großwetterlage mit all ihren ökologischen und sozialen Problemen. „Wir sehen eine immer mehr gespaltene Gesellschaft, die sehenden Auges auf die weltweite Klimakatastrophe zusteuert.“

Zum anstehenden Familienbesuch auf Norderney geht es mit der Bahn, auch wenn die Schiene teuer ist, doch „die Gesellschaft muss sich auch in ihrer Mobilität neu strukturieren.“ Damit das besser klappt, setzt sich Neher im Kreistag für die bessere Anbindung des ländlichen Raums an die großen Zentren ein. „Wir sind der drittgrößte Landkreis in Bayern und hinken beim Öffentlichen Personennahverkehr hinterher. Das muss anders werden!“ Und da ist er wieder, der streitbare Kommunalpolitiker. Ganz kann und wird er es nicht lassen, sich einzumischen und Verbesserungen zu fordern. Nur Unkraut jäten und Wellness ist dann halt doch zu langweilig.

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