Seit Monaten geht es beim Thema Glasfaserausbau in Gablingen hin und her. Erst kam die Deutsche Glasfaser und bot einen Ausbau auf eigene Kosten an, sollten 40 Prozent der Haushalte einem Anschluss buchen. Danach folgte die Telekom mit einem Ausbauangebot, das der Konzern dann in öffentlicher Gemeinderatssitzung mit Verweis auf bereits verfügbare Bandbreiten wieder zurückzog. Der Ärger im Gremium war groß, die Bürger verunsichert, und jetzt steht mangels Interesses gar der Ausbau auf der Kippe - dieser Eindruck entstand jedenfalls in der jüngsten Sitzung des Gemeinderats.
Mittlerweile hat die Deutsche Glasfaser einen Partner gefunden: die M-net. Vertreter beider Firmen stellten sich in der Sitzung den Fragen der Gemeinderäte. Den Ausbau wird weiter die Deutsche Glasfaser durchführen, allerdings haben Kunden, die sich für einen Anschluss entscheiden, die Wahl, ob sie bei diesem Unternehmen oder doch bei der M-net unterschreiben. Auch die Markterkundung führten die Unternehmen zusammen "in freundschaftlichem Wettbewerb" durch, so der Sprecher der M-net Geschäftsführung, Nelson Killius.
Auch andere Unternehmen sollen das Gablinger Netz nutzen dürfen
Die Zusammenarbeit der beiden Unternehmen ist für die Gablinger Bürger eigentlich ein Luxus, wie Peter Reisinger von der Deutschen Glasfaser und Nelson Killius auf die Frage nach dem "Open Access" des Netzes betonten. Tatsächlich bauen die beiden Unternehmen ein Netz, das in Zukunft auch von anderen Telekommunikationsunternehmen genutzt werden soll. "Open Access erblüht während der Vorvermarktung allerdings nicht in seiner vollen Schönheit. Die machen wir nur zu zweit", sagte Killius. Wer sich für einen Glasfaseranschluss entscheidet, kann also frühestens nach Ablauf der üblichen Vertragslaufzeit von 24 Monaten zu einem anderen Anbieter wechseln. Während der Vorvermarktung ist der Hausanschluss kostenlos. Nachzügler müssen dafür 750 Euro bezahlen.
Beide Unternehmen betonen, dass die vorhandenen Kupferkabel von einem Ausbau nicht betroffen seien. "Es kommt eine zweite Infrastruktur dazu", so Killius. Das entgegnete er auch auf die Frage von Werner Kapfer (Grüne), was passieren würde, wenn eines der beiden Unternehmen insolvent werden und das Netz nicht weiter betreiben können. Zusätzlich betonte er: "Ich wäre da entspannt, wir bauen eine werthaltige Infrastruktur, für die es sicherlich viele Interessenten gäbe." Kupferkabel könnten in sechs bis acht Jahren die notwendigen Bandbreiten nicht mehr liefern, so Kilius.
Mindestmarke ist in Gablingen im Moment weit entfernt
Das Interesse hält sich bisher in Grenzen. Zwar wollen die Unternehmen die Frist verlängern, sollten sie kurz vor dem Ziel stehen, aktuell ist die 40-Prozent-Marke aber weit entfernt. Die M-net konnte bisher nur 4,3 Prozent der Bürger von sich überzeugen, und auch die Deutsche Glasfaser hatte wenig Erfolg. Zum Vergleich: In der Nachbargemeinde Langweid, in der die beiden Unternehmen ebenfalls aktiv sind, hat allein die M-net laut Killius 27 Prozent erreicht.
In Gablingen läuft die Vorvermarktung noch ungefähr einen Monat. Deshalb warben die Firmenvertreter auch um die Unterstützung des Gemeinderates. "Wir haben die Erfahrung gemacht, dass die Zahlen ganz anders aussehen, wenn wir die Unterstützung von Gemeinde und Gremium haben", erklärte Reisinger.
Alles in allem signalisierte der Gemeinderat seine Unterstützung. Zwei Beschlüsse mussten gefasst werden. Die Deutsche Glasfaser will mit der Gemeinde eine Wegenutzungsvertrag eingehen, um den Ausbau nach erfolgreicher Vorvermarktung durchführen zu können. Laut Verwaltung sind das Dokument und dieses Vorgehen mit dem Gemeindetag abgestimmt. Trotzdem bemängelte Thomas Wittmann (CSM), dass die Gemeinderäte den Vertrag nicht vor der Abstimmung hätten lesen können. Auch über eine Plakatierung musste das Gremium abstimmen. Beide Beschlüsse fielen mit jeweils einer Gegenstimme positiv aus.
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