Bei unseren Lesern sorgt der Tod einer 75-Jährigen nach der Corona-Impfung in Gablingen für Mitgefühl, aber auch für zahlreiche Spekulationen und offene Fragen. Die Frau litt nach einer Corona-Impfung mit dem Vakzin von Moderna im Gablinger Impfzentrum plötzlich unter heftiger Atemnot. Eine Wiederbelebung im Rettungswagen blieb vergeblich. In den Kommentarspalten sehen manche die Impfung als Grund für den Tod der Frau, andere die Vorerkrankung der 75-Jährigen. Fakt ist: Aktuell steht noch keine Todesursache fest. Behörden untersuchen den Fall. Ob es eine Obduktion geben wird, ist laut Landratsamt noch nicht entschieden.
Kann überhaupt festgestellt werden, ob eine Impfung für den Tod eines Menschen verantwortlich ist? Der Infektiologe Professor Lutz Breitling, Oberarzt am Universitätsklinikum Augsburg, sagt: "Zweifelsfrei lässt sich das im Allgemeinen nicht beweisen." Allein der zeitliche Zusammenhang zwischen Impfung und Tod eines Menschen könne nicht als Beweis dienen. Allerdings: "Wenn eine Obduktion keine anderen Ursachen findet und die Befunde zu den Nebenwirkungen der Impfung passen, kann ein solcher Einfluss im Einzelfall angenommen werden."
Zahlen und Fakten zur Corona-Impfung im Augsburger Land
66.472 Menschen sind im Landkreis Augsburg mindestens einmal gegen das Coronavirus geimpft. Das sind mehr als 26 Prozent aller Einwohner.
16.925 davon sind vollständig immunisiert. Sie haben schon die Zweitimpfung bekommen.
Der Anteil der Hausärzte an den Impfungen nimmt immer weiter zu. Mittlerweile finden an vielen Tagen mehr als die Hälfte der Immunisierungen in den Praxen der Mediziner statt.
Die Impfaktionen des Landratsamtes kommen gut an: Am 1. Mai bekommen noch mal 500 über 60-Jährige das Vakzin von AstraZeneca. Das Angebot war schnell ausgebucht. Kurze Zeit später soll es ein Impfwochenende für Lehrer und Personal an weiterführenden Schulen geben.
Grundsätzlich gibt es Auswirkungen einer Impfung, die im schlimmsten Fall tödlich sein können: "Allergische Reaktionen bis hin zum anaphylaktischen Schock können Überreaktionen des Körpers auf nahezu alle Impfstoffe sein. Denkbar sind auch Fehlreaktionen des Immunsystems mit Blutgerinnungsstörungen etwa oder Embolien", erklärt Breitling.
Tod nach Corona-Impfung: Erster schwerwiegender Fall im Landkreis Augsburg
Ähnlich schlimme Fälle wie den in Gablingen gab es im Landkreis Augsburg bisher nicht. Landratsamt-Pressesprecher Jens Reitlinger sagt: "Es ist noch nicht vorgekommen, dass Minuten nach der Impfung so etwas passiert." Jeder Vierte im Augsburger Land hat schon eine Spritze gegen das Coronavirus bekommen. Schwere Nebenwirkungen sind die absolute Ausnahme.
In anderen Teilen Bayerns gab es bereits Todesfälle kurz nach der Immunisierung gegen Corona. In Dingolfing war vor zwei Wochen ein 74-Jähriger tot in seinem Auto gefunden worden, nachdem er das Vakzin von Biontech bekommen hatte. In Würzburg war ein 82-Jähriger ebenfalls kurz nach der Impfung mit dem Präparat des deutschen Herstellers gestorben. In beiden Fällen fühlten Impfgegner sich in ihrer Kritik an den Impfungen gegen das Coronavirus bestätigt. In beiden Fällen hatten sie Unrecht: Der 74-Jährige ist an einem Herzinfarkt gestorben und auch bei dem Würzburger ergab die Obduktion, dass es keinen Zusammenhang zwischen Tod und Impfung gab.
Nur in seltenen Fällen ist die Corona-Impfung Todesursache
Bei einer 32-Jährigen aus Herford in Nordrhein-Westfalen war die Impfung laut Obduktion tatsächlich für den Tod verantwortlich: Die Untersuchung ergab, dass dadurch eine Gerinnungsstörung mit Einblutung im Gehirn entstand. Das führte zum Tod der Frau. Sie hatte das Vakzin von AstraZeneca erhalten.
Nach der Impfung mit dem Präparat von Moderna, das auch die verstorbene 75-Jährige in Gablingen bekommen hatte, gab es laut einem Bericht des Paul-Ehrlich-Instituts von Anfang April bislang sieben Todesfälle. In dem Bericht heißt es: "Bei der überwiegenden Mehrzahl der Personen bestanden zum Teil multiple Vorerkrankungen." Das Institut überprüfe, ob es eine Häufung bestimmter Reaktionen gebe, teilt eine Sprecherin mit.
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