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Meitingen: Lechstahl-Erweiterung: So begründen die Fraktionen ihre Entscheidung

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Lechstahl-Erweiterung: So begründen die Fraktionen ihre Entscheidung

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    Der Meitinger Marktgemeinderat bei der Sondersitzung zur Lechstahl-Erweiterung. Nur die Grünen-Fraktion sprach sich gegen die Pläne aus.
    Der Meitinger Marktgemeinderat bei der Sondersitzung zur Lechstahl-Erweiterung. Nur die Grünen-Fraktion sprach sich gegen die Pläne aus. Foto: Marcus Merk

    Die Lechstahlwerke im Meitinger Ortsteil Herbertshofen wollen wachsen. Seit Jahren wird darüber diskutiert, ob dafür ein großer Teil des Lohwalds weichen soll. Nun hat der Marktrat eine wegweißende Entscheidung getroffen. Meitingen will die Pläne weiter vorantreiben und in Verhandlungen mit den Stahlwerken treten.

    Läuft alles nach Plan, werden rund 17 Hektar Wald gerodet. Deutlich mehr soll allerdings wieder aufgeforstet werden. Wie die Markträte in Meitingen ihre Entscheidung begründen und weshalb Klimaaktivisten diese nicht akzeptieren wollen, lesen Sie hier im Überlick.

    CSU ist für Lechstahl-Erweiterung: "Entwicklung heißt Veränderung"

    • Das sagt die CSU/JBU: "Stehenbleiben heißt Rückschritt", sagte Anton Büchele, Sprecher der CSU/JBU-Fraktion bei der Sondersitzung. Er sprach sich im Namen der Fraktion für die Erweiterungspläne der LSW aus. Schließlich seien die Stahlwerke ein Arbeitgeber, von dem die ganze Region profitiere. Büchele: "Entwicklung heißt Veränderung." Würden die Stahlwerke nicht am Standort festhalten, würde über kurz oder lang eben woanders produziert. Möglicherweise im Ausland, wo es weitaus weniger Regeln zum Umweltschutz gebe. In Meitingen hingegen würden deutlich mehr neue Bäume gepflanzt als gerodet. Diskutiert wurde darüber, wann der neue Wald seine ökologische Wirkung entfaltet. Dazu sagte Büchele: "Wann zeigen Bäume am wenigsten Wirkung? Dann, wenn sie erst gar nicht gepflanzt werden."

    Freie Wähler: "Einer der größten Arbeitgeber muss Gehör finden"

    • Das sagen die Freien Wähler: "Einer der größten Arbeitgeber der Region muss bei uns Gehör finden", sagte Freie-Wähler-Sprecher Robert Hecht. Seit knapp zwei Jahren stehe Meitingen nun im ständigen Dialog mit den Stahlwerken. Inzwischen sei ein guter Kompromiss zwischen Ökonomie und Ökologie gefunden worden. Räumliche Alternativen zu der geplanten Erweiterung gebe es nicht, auch aus Gründen des Lärmschutzes. Aus Sicht der Freien Wähler habe man auch durch wissenschaftliche Begleitung inzwischen einen Weg gefunden, den Lebensraum von schützenswerten Arten zu erhalten und gleichzeitig die Industrie zu stärken. Hecht: "Das ist eine für alle Seiten sinnvolle Lösung".

    Grüne wollen Rodung des Lohwalds verhindern

    • Das sagen die Grünen: Die Fraktion der Grünen war von Beginn an gegen die Abholzung des Lohwalds, erklärte Annemarie Probst im Namen der Fraktion. "Ohne Druck der Bürgerinitiativen wäre der große Ausgleich auch nie zu Stande gekommen", stellte sie klar. Zufrieden sind die Grünen damit aber nicht. Ihnen fehle der Glaube daran, dass die Maßnahmen am Ende tatsächlich so umgesetzt werden, wie sich der Marktrat das heute vorstellt. "Der Lohwald ist ein Bannwald, Biotopwald und auch Erholungswald", sagte Probst. Der Waldboden sei die Grundlage für Artenvielfalt. Ein neu gepflanzter Wald könne diese Funktion kurzfristig nicht erfüllen. "Ich finde, wir dürfen Arbeitsplätze und Klimaschutz nicht gegeneinander ausspielen", sagte Probst. Ihre Fraktion sprach sich daher gegen den Beschluss bei der Sondersitzung aus.

    SPD stimmt für Lechstahl-Erweiterung: "Wichtig, Arbeitsplätze zu sichern"

    • Das sagt die SPD: "Wichtig ist, dass die Ausgleichsmaßnahmen stehen, bevor der erste Baum fällt", sagte Anton Bier
      im Namen der SPD-Fraktion. Ein Pluspunkt des geplanten neuen Waldes sei, dass er auf dem Trinkwassergebiet des Markts gepflanzt werden soll. Im Gegensatz zu Düngemitteln aus der Landwirtschaft sorgten Bäume für eine Steigerung der Wasserqualität. Ein weiteres wichtiges Argument der SPD für die Erweiterung des Stahlwerks: Arbeitsplätze. Man stehe in engem Austausch mit dem Betriebsrat der LSW. "Es ist wichtig, diese Arbeitsplätze zu sichern", erklärte Bier. Auch deshalb sprach sich seine Fraktion für den Beschluss aus.

    Demonstranten wollen weiter gegen Lohwald-Rodung kämpfen

    • Das sagen die Demonstranten: Einer der etwa 45 Demonstranten vor der Sondersitzung war Johannes Enzler, Kreisvorsitzender des Bund Naturschutz. Er sagte: "Es ist nicht akzeptabel, dass ein Bannwald gefällt werden soll." Die vielen Arten in dem Wald könne man nicht einfach umsiedeln. "Außerdem habe ich Bedenken an der Glaubwürdigkeit der Stahlwerke", sagte Enzler. Er gehe nicht davon aus, dass ohne Erweiterung tatsächlich Arbeitsplätze wegfallen würden. Eine andere Demonstrantin war Christine Golling. Auch die 57-jährige Metingerin wollte ein Zeichen für den Lohwald als wichtige Heimat vieler Tierarten setzen. Es würde viele Jahrzehnte dauern, bis ein neuer Wald zu einer neuen Heimat werden könnte. Von seinen unmittelbaren Erfahrungen des Klimawandels wollte Mehrzad Hafezi berichten. Der 26-Jährige stammt aus dem Iran. "Da haben wir zuletzt sehr heftiges Hochwasser erlebt", sagt er. Für ihn eine Folge des Klimawandels. "Wenn wir jetzt nichts dagegen tun, ist es zu spät", sagte Hafezi am Rande der Demo am Samstagvormittag.
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