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Welden

22.01.2019

Mit diesen Instrumenten aus Welden spielen die Profis

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Die Grundlage seines Erfolgs sieht Claus Müller im traditionellen Handwerk, das er von der Pike auf gelernt und mit der Meisterprüfung abgeschlossen hat.
Bild: Marcus Merk

Claus Müller aus Welden ist in seinem Handwerk kein Unbekannter. Der Instrumentenbauer arbeitete schon für Bands wie Haindling oder La Brass Banda.

Die Werkstatt des Instrumentenbauers Claus Müller kennen Kunden aus dem Umkreis von über 100 Kilometern, obwohl kein Schild an der Hauptstraße auf die kleine Manufaktur hinweist. Hier werden Instrumente von Weltruf gefertigt. „Soll ich ein bisschen aufräumen?“, fragt er schmunzelnd, denn es sieht aus wie in einem Knopfladen: Viele kleine Schraubenzieher, Sägen, Zangen in Spezialanfertigung mit flachen Innenseiten, Schrauben, Gewinde, Kleber, Sandpapier, scharfe Messer, Skalpell, Schleif- und Polierwerkzeuge und ein Bunsenbrenner liegen auf dem Tisch. Am Lochholz werden Falten verklopft und Schallstücke gebogen.

Haindling, STS, La Brass Banda - viele Bands arbeiten mit Claus Müller

Claus Müller repariert nicht nur ramponierte Instrumente. Er baut auch Drehventil- und Perinet-Flügelhörner. Der Unterschied zwischen einem Flügelhorn und einer Trompete liege im Klang: Das Flügelhorn klinge wärmer und weicher. Dies werde durch das typische Mundstück erzeugt. „Das Flügelhorn hat ein überwiegend konisches Rohr, eine weite Mensur und ein Mundstück mit einem tiefen Kessel“, kommt der Spezialist ins Fachsimpeln. Seine Flügelhörner sind bei Musikern in ganz Europa gefragt, weil er eben ein gewiefter Experte ist. Zu seinem Kundenstamm gehören Musiker des Stadttheaters Augsburg und des Bayerischen Rundfunks, der Bayerischen Staatsoper München und das Schwäbische Blechbläserensemble. Sogar Haindling, die österreichische Kultband STS, LaBrassBanda, Die Blechblos’n, Freek Mestrini (ehemaliger Flügelhornist bei Ernst Mosch), die Munich Brass Connection sowie Kurt Pascher und seine Böhmerwälder Musikanten zählen zu seinen Kunden ebenso wie rund hundert Musikvereine und Musikschulen.

Die defekten Instrumente hängen aufgereiht an der Wand des Instrumentenbauers.
Bild: Marcus Merk

Seit über 25 Jahren Instrumente aus Welden

Seit über 25 Jahren schon wird hier alles wieder flottgemacht, was hereinkommt. Zum Beispiel Löt- und Ausbeularbeiten bei Blechblasinstrumenten sowie Justierungen von Klarinetten, Querflöten und Saxofonen. In seiner Werkstatt schaut es immer nach Arbeit aus, denn „jahrelanges Spielen hinterlässt Spuren“, sagt er. Für Wartungsarbeiten und Generalüberholungen hängen die defekten Instrumente aufgereiht in unterschiedlichen Größen an Wandhalterungen. Die einen glänzen, andere wiederum haben ihre besten Tage hinter sich. Sie warten stumpf und matt aussehend auf eine neue Politur. Um sie wieder zum Klingen zu bringen, braucht es viel Fingerspitzengefühl.

Claus Müller repariert nicht nur ramponierte Instrumente, er baut auch neue.
Bild: Marcus Merk

Ob Beulen, festsitzende Züge oder klemmende Ventile – Claus Müller kennt die Schwachstellen an den Instrumenten. Bevor sich ein Kunde von seinem Instrument endgültig trennt, wird es immer wieder repariert und generalüberholt. Ohne seinen Gesellen würde er die vielen Aufträge gar nicht schaffen. Seit 14 Jahren ist Florian Tonnis schon bei ihm. Beide lieben ihre Arbeit. Und dass sie sich gut verstehen, sieht man ihnen auch an. „Wir sind wie Meister Eder und sein Pumuckl“, sagen sie gut gelaunt. Langeweile kennen sie nicht, ständig klingelt das Telefon, oder Kunden kommen vorbei. Vor allem in den Ferien haben sie viel zu tun. „Die Musiker nutzen die Sommerpause, um ihre Instrumente überholen zu lassen. Dann stapeln sich hier die Reparaturen.“ Bei einer Generalüberholung wird das Instrument komplett zerlegt und chemisch gereinigt. Mit einem Schleifgerät kommt der alte Lack runter, Beulen werden entfernt. Auch die Züge müssen wieder gestimmt werden. Der 55-Jährige richtet die Tonlöcher aus, sorgt für plane Flächen.

Bei Saxofonen schaut der Meister besonders kritisch hin, denn Saxofon und Klarinette spielen auch privat bei Claus Müller eine große Rolle. Jazz ist seine Leidenschaft.

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