Von Regine Kahl
Der Name klingt trocken, aber es geht um das pralle Leben: Die Rede ist vom Biodiversitätsprojekt im Schmuttertal. Von Fischach bis Neusäß-Täfertingen sollen die Schönheiten dieser Landschaft gestärkt und vermehrt werden. Seltenen Tier- und Pflanzenarten, wie dem Wiesenpieper, dem Wiesenknopf-Ameisenbläuling oder dem Pfeifenputzer wird dort der Boden für ein gutes Leben bereitet.
Im Neusässer Rathaus stellten die Projektmanager Claudia Eglseer und Andreas Fuchs den Bürgern Sinn und Zweck ihrer Arbeit vor. Die Schmutter durchzieht das gesamte Stadtgebiet von Neusäß. Neben den Westlichen Wäldern sind die Wege für die Bürger ein beliebter Ort zur Bewegung und Erholung. Was viele nicht so genau wissen: In puncto Artenvielfalt liegt ein Juwel vor der Haustür. Das Schmuttertal habe herausragende Bedeutung für den Naturschutz und genieße europaweiten Schutzstatus, erklärte Claudia Eglseer.
Was ist das Besondere? Das Schmuttertal ist eines der letzten Überschwemmungstäler in Bayern. Der Fluss schlängelt sich weitgehend noch unbegradigt durch das Augsburger Land. Die blütenreichen und kleinteilig strukturierten Wiesen werden regelmäßig überschwemmt, für die Landwirte ein Erschwernis, für Tiere und Pflanzen, die den feuchten Lebensraum lieben, ein Vorteil. Die Sumpfschrecke zum Beispiel braucht nasse Wiesen zum Überleben.
Im Schmuttertal wachsen Blumen und leben Tiere, von denen wir im Biologieunterricht nur selten gehört haben. Sie sind kaum noch zu finden und stehen oft in gegenseitiger Abhängigkeit. Beispiel: Der Perlmuttfalter (wegen der Gefahr des Aussterbens auf der Roten Liste) benötigt den Schlangenkröterich. Der Storchschnabelbläuling (ebenfalls Rote Liste) braucht als Pflanze den Sumpfstorchschnabel. Bekanntester Bewohner des Schmuttertals ist der stark gefährdete Wiesenknopf-Ameisenbläuling. Die beiden Schmetterlingsarten (dunkel und hell) gelten als Kostbarkeit in unserer Region. Die Vermehrung ist ein komplexer Vorgang, der nur unter vielen Voraussetzungen klappt. Die Schmetterlinge legen ihre Eier in den Blütenköpfen des Wiesenknopfs ab. Dort entwickeln sich die Raupen bis Mitte September. Danach werden sie dank ihres Geruches von Ameisen „adoptiert“. In den Nestern wachsen sie über den Winter heran, fressen die Ameisenlarven und verlassen diese als Falter im nächsten Sommer.
Weshalb es so wichtig ist, dass es im Zuge des Projekts mehr Biotope geben wird, lesen Sie in der Mittwochsausgabe des Augsburger Landboten.