Die roten Plakate sind nicht zu übersehen. „Stell dir vor, es brennt, und keiner löscht“ steht darauf. Oder: „Stell dir vor, du drückst, und alle drücken sich“, daneben das Bild eines Feuerwehralarmknopfes. Die Plakate hängen im Atrium der Neusässer Eichenwaldschule, draußen stehen mehrere Fahrzeuge der Freiwilligen Feuerwehr Neusäß. Kinder und Jugendliche drängen sich um den Schlauch, jeder will das Löschwasser spritzen lassen. Der zwölfjährige Matthias ist einer von ihnen. Er beobachtet jeden Handgriff des Feuerwehrmanns neben sich. „Ich kann mir schon vorstellen, auch mal zur Feuerwehr zu gehen“, sagt er. Vor allem, weil er es wichtig findet, Menschen in Not zu helfen.
Die freiwillige Feuerwehr ist heute in die Eichenwaldschule gekommen, um bei den Schülern für die Jugendfeuerwehr zu werben. So groß wie bei anderen Feuerwehren seien die Nachwuchsprobleme allerdings noch nicht in Neusäß, sagt Kommandant Stefan Briechle. Im Moment gibt es zwölf jugendliche Feuerwehrleute, das sei eine vertretbare Anzahl. „In den großen Städten ist das Problem viel schwerwiegender als hier im ländlichen Gebiet.“
Mit der Aktion in der Schule beteiligt sich die Feuerwehr Neusäß an einem Projekt des Landesfeuerwehrverbandes Bayern zur Nachwuchsgewinnung. „Unser Ziel ist heute, das Interesse bei den Jugendlichen zu wecken“, sagt Briechle. Die Kinder und Jugendlichen können sich die Fahrzeuge anschauen, mit der Drehleiter hochfahren oder das Löschen mit dem Feuerwehrschlauch üben. Für die siebten und achten Klassen gibt es noch eine gesonderte Präsentation, denn sie sind die Zielgruppe der Jugendfeuerwehr. Mitmachen bei der Nachwuchsfeuerwehr können Buben und Mädchen von 13 bis 18 Jahren.
Betreut werden sie unter anderem vom Jugendwart Andreas Geirhos. Der 26-Jährige ist seit zwölf Jahren bei der freiwilligen Feuerwehr, er sagt: „Bei uns findet man Freunde fürs Leben.“ Die Jugendlichen machen die Grundausbildung zum Feuerwehrmann, „aber auch der Spaß kommt nicht zu kurz“. Vor allem der kameradschaftliche Gedanke sei wichtig bei ihnen, betont Geirhos und organisiert deshalb regelmäßig Ausflüge, Zeltlager oder auch ein Grillfest für die Feuerwehrjugend.
Auch Alexander und René sind mit Andreas Geirhos in die Eichenwaldschule gekommen. Die beiden sind Mitglieder der Jungfeuerwehr, der 16-jährige René seit zwei Jahren, der 13-jährige Alexander seit seinem letzten Geburtstag. Mit der Feuerwehr sind beide aufgewachsen. „Mein Vater ist dabei, mein Onkel und mein Bruder auch“, sagt Alexander und lacht. Auch Renés Vater ist aktiver Feuerwehrmann.
Sobald die Jugendlichen 16 Jahre alt sind, dürfen sie die Feuerwehrmänner auf Einsätze begleiten und zuschauen. René war schon einmal dabei, als die Spitze des Maibaums abzubrechen drohte. „Das war aufregend“, sagt der 16-Jährige, „auch wenn ich nicht in die Gefahrenzone durfte, sondern nur Fotos gemacht habe.“ Jetzt freut er sich auf seinen 18. Geburtstag, denn dann ist er ein vollwertiges Mitglied der freiwilligen Feuerwehr.
Tag der offenen Tür bei der freiwilligen Feuerwehr am Donnerstag, 17. Mai, von 10 bis 17 Uhr.