Der erste Neujahrsspaziergang an den Bismarckturm mit dem Hund bietet für Stefan und Elke Sandner immer ein schockierendes Bild: Die Felder und Wege sind übersäht mit Resten der Feuerwerksbatterien, Plastikverpackungen, Sektflaschen, Chipstüten …
„Wie im Krieg“ ging es hier oben an Silvester zu, sagt Stefan Sandner. Und er muss es wissen: Er und seine Frau wohnen im letzten Haus der Bismarckstraße, die zu dem beliebten Aussichtsort führt. Auch diesmal pilgerten nachts Hunderte den Berg hinauf, viele kamen leider nicht zu Fuß. „In unserer Straße ist immer alles zugeparkt“, sagt Elke Sandner, obwohl hundert Meter weiter vorne die Zufahrt eigentlich für alle außer den Anwohnern gesperrt ist und eine schraffierte Fläche auf der rechten Seite das Parken verhindern soll. „Das ist ein Schuss in den Ofen, das kapieren die Leute anscheinend nicht“, meinen die Sandners. Oder es sei den Leuten in Partylaune egal.
Auch in diesem Jahr herrschte wieder Verkehrschaos am Bismarckturm, bestätigt auch Stefan Klein, Leiter der Stadtberger Ordnungsdienstes, der an Silvester vor Ort versuchte, das Schlimmste zu verhindern. Für die Parksünder hagelte es Strafzettel – 25 Euro „kostet“ das Parken auf der Sperrfläche. Der Ordnungsdienst hatte sich dann an der Zufahrt postiert und damit zumindest dafür gesorgt, dass notfalls die Feuerwehr oder der Rettungsdienst durchkämen.
„Das ist meine größte Sorge“, meint eine Anwohnerin der Bismarckstraße, „dass mal was passiert und der Notarzt nicht durchkann“. Sie selbst hat sich daran gewöhnt, an Silvester nicht zu ihrer Einfahrt rein und raus zu können. „Wir feierten heuer bei Freunden, da kriegen wir zum Glück nichts mit.“
Auch die angrenzenden Felder sind vermüllt
Michael Rothmayer ist 79 Jahre alt und lebt schon seit 30 Jahren in der Bismarckstraße. Das alljährliche Treiben nimmt er gelassen: „Es bringt nichts, sich zu ärgern. Die Leute haben anscheinend ihren Spaß.“ Er achtet nur darauf, vor 23 Uhr wieder zuhause zu sein, weil er sonst seine Einfahrt zugeparkt sein wird.
Doch das Parkchaos ist nicht das Einzige, was den Ordnungsdienst alljährlich beschäftigt. „In diesem Jahr waren nicht nur die Wege und das Gebiet rund um die Bänke und das große Feldkreuz stark vermüllt, sondern auch die angrenzenden Felder der Bauern“, kritisiert Stefan Klein. Am Kreuz wurde heuer ein liegen gelassener Einkaufswagen gefunden, außerdem musste der Ordnungsdienst gegen 3 Uhr morgens noch ein kleines Lagerfeuer löschen, dass mitten auf dem Weg entzündet worden war. „Das haben die einfach weiter brennen lassen“, berichtet Klein.
Auch im Sommer wird dort gerne Party gemacht
Über Möglichkeiten, die Situation am Bismarckturm für die Anwohner zu verbessern, wird in den angrenzenden Städten Stadtbergen und Neusäß schon seit mehreren Jahren diskutiert. Denn ebenso lange beschweren sich die Anlieger des beliebten Aussichtspunktes über Lärm, Müll und Wildparker. Besonders an Silvester kennt die Feierlaune keine Grenzen. Und auch das Plärrer-Feuerwerk wollen viele von dort aus beobachten. Im Sommer wird gerne am Bismarckturm Party gemacht.
„Eine Schranke, Poller und Halteverbote – im Laufe der Jahre hat man schon so vieles diskutiert“, bestätigt der Neusässer Bauamtsleiter Gerald Adolf. Aber weil auch die Rettungsdienste im Notfall schnell am Einsatzort sein müssen, habe man Schranken und Poller wieder verworfen.
Nun signalisiert seit ein paar Monaten die schraffierte Sperrfläche, dass man dort nicht parken darf. „Das wird von uns auch überwacht und konsequent geahndet“, so Adolf. Etliche Knöllchen hat die Stadt hier schon an Parksünder verteilt – bisher zeige sich aber noch keine Wirkung, wie auch dieses Silvester wieder zeigt.
Verwunderlich sei es laut Adolf, dass die Ausflügler laut ihren Autokennzeichen offenbar von überall her anreisen, um die besondere Aussicht auf die Stadt Augsburg zu genießen – sehr zum Verdruss der Anwohner.