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Aystetten

23.02.2018

Woher das Porzellanzimmer seinen Namen hat

Ungewöhnlich und wunderschön sind die Wandfliesen im Porzellanzimmer des Aystetter Schlosses. Ein Hobbyforscher hat sich nun näher damit beschäftigt. (Archivfoto)
Bild: Marcus Merk

Hobbyforscher Wilhelm Joliet weiß viel über die Fayencefliesen im Aystetter Schloss – obwohl er nie dort war.

Es ist eine wahrhaft wunderschöne Örtlichkeit für kulturelle Veranstaltungen, ob Konzerte oder Lesungen: Das Porzellanzimmer im Schloss Aystetten bietet dem Besucher auch viel zu sehen – doch keineswegs Porzellan, wie man dem Namen entnehmen wollte! Vielmehr machen die Fliesen an den Wänden das Porzellanzimmer zu einem einmaligen Ort, der in der Umgebung seinesgleichen sucht. Dabei handelt es sich bei den Fliesen keineswegs um richtiges Porzellan – vielmehr um Steingut. Der dies sagt, muss es wissen. Es ist Wilhelm Joliet aus Königswinter am Rhein. Der heute 84-jährige Hobbyforscher in Sachen Fliesen hat in seiner Jugend das Fliesenlegerhandwerk von der Pike auf gelernt. Nach der Meisterprüfung machte er sich auch als Lehrer und Autor in seinem Gewerbe einen Namen und erhielt und unter anderem 2007 sogar für seine besonderen Verdienste um das Fliesengewerbe in der Bundesrepublik die Goldene Ehrennadel des Fachverbands Fliesen und Naturstein im Zentralverband des Deutschen Baugewerbes.

Im Rahmen seiner Zusammenstellungen und Nachforschungen zur Geschichte der Fliese kam er über Fachliteratur auch auf das Schloss Aystetten. Was Joliet dazu mitzuteilen hat, kann man nun hier auf seiner Webseite lesen.

Dabei hat der 84-Jährige – im Gegensatz zu anderen Schlössern und historischen Anlagen, die er im Laufe seines Lebens besuchte – das Porzellanzimmer nie selbst gesehen und er war auch nie in Aystetten.

Bekannte von ihm durften mit Erlaubnis des Schlossherrn Max von Stetten im Porzellanzimmer fotografieren. Daraus erschloss Joliet seine Dokumentation der Anordnung der Fliesenfelder an den vier Wänden.

Auf der Internetseite sind diese abgebildet, die Darstellungen klar zu sehen – und sie folgen der im 18. Jahrhundert in europäischen Adelshäusern beliebten China-Mode. „Die Fayencefliesen vermitteln in fantasievollen Bildern damalige Vorstellungen von China und dem Leben der Chinesen.

Fayencefliesen wurden in der Mitte des 18. Jahrhunderts ‚porcelaine plätgen‘ genannt und ersetzten in vielen Schlössern als Wandbekleidungen optisch echtes Porzellan“, erklärt Wilhelm Joliet. Eine ikonografische Beschreibung freilich der Fliesen hat der begeisterte Fliesenforscher nicht vorgenommen. Er will mit seiner Dokumentation und seinen Veröffentlichungen – auf der Webseite finden sich weitere Auflistungen von der Kunst der Fliesenmaler und Keramiker in Deutschland und Europa – lediglich „andere auf die Fährte bringen“.

Also etwa „richtige“ Historiker oder Studenten motivieren, die Entstehung und Herkunft der Fliesen etwa im Aystetter Schloss genau zu eruieren. Denn bislang gebe es, auch nicht im Schloss Aystetten selbst, genauere Informationen, bestätigt auf Rückfrage auch Max von Stetten: „Es ist nichts erhalten, was Rückschlüsse ermöglicht.“

Joliet vermutet, was die Herkunft anbelangt, aufgrund seiner Nachforschungen und Vergleiche, dass die Fliesen des Porzellanzimmers in einer Donauwörther Werkstatt hergestellt worden sein könnten.

Klar ist indes, wann das Porzellanzimmer entstand. So kam das Schloss Aystetten, das 1428 erstmals erwähnt wurde und mehrere Besitzer hatte, 1729 an den Augsburger Bankier Christian von Münch. Er erweiterte, heißt es auf der Homepage des Schlosses, das Schloss auf die doppelte Größe und „stattete das im luftigen Rocaille-Stil gehaltene Porzellanzimmer mit wertvollen chinoisen Fayencen aus, die in phantasievollen Bildern etwas von den damaligen Vorstellungen über China vermitteln wollen“.

Chinaliebhaber Christian von Münch pflanzte sogar Maulbeerbäume und baute eine Seidenraupenzucht auf. Im Jahr 1858 wurde das Schloss von Münchs Ururenkel Johann Paul von Stetten übernommen.

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