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Zusmarshausen-Streitheim: Um Haaresbreite an der Katastrophe vorbei

Zusmarshausen-Streitheim

Um Haaresbreite an der Katastrophe vorbei

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    Die Autobahn A8 auf Höhe Zusmarshausen glich nach dem Unfall vor einem guten Jahr einem Schlachtfeld. Wie durch ein Wunder starb keiner der 33 Verletzen. Jetzt stand der Fahrer des Reisebusses vor Gericht.
    Die Autobahn A8 auf Höhe Zusmarshausen glich nach dem Unfall vor einem guten Jahr einem Schlachtfeld. Wie durch ein Wunder starb keiner der 33 Verletzen. Jetzt stand der Fahrer des Reisebusses vor Gericht. Foto: Marcus Merk

    An jenem Morgen herrschte, so sagte ein Diplom-Meteorologe als Gutachter, eine äußerst seltene Wetterlage, wie sie in diesem Ausmaß nur alle zehn bis 15 Jahre vorkomme. Nach einer Periode mit eisigem Dauerfrost zog am 6. Januar 2011 von Westen eine Warmfront mit Nieselregen heran – wie ein Vorhang mit einer fast metergenauen Trennung zwischen trockener und spiegelglatter Fahrbahn. Zur Unglückszeit reichte dieser Vorhang unglücklicherweise haargenau bis zur Hangkante der Autobahn östlich der Ausfahrt Zusmarshausen.

    Oben war die Fahrbahn trocken, bergab in Richtung Stuttgart war der Regen innerhalb von Sekunden zu einem tückischen Eisfilm gefroren. Einige Fahrzeuge waren bereits in der Senke verunglückt. Völlig ahnungslos näherte sich zu dieser Zeit mit Tempo 100 der Reisebus aus dem Kosovo, hinter ihm mit rund 90 Stundenkilometern der italienische Sattelzug. Keiner der beiden Fahrer konnte sehen, was sich unterhalb der Hangkante auf der Gefällstrecke abspielte.

    Der angeklagte Kosovare: „Die Fahrbahn war völlig trocken. Als ich auf der Kuppe war, sah ich weiter unten Fahrzeuge stehen. Ich hab sofort gebremst. Da merkte ich, dass alles glatt war. Der Bus schlingerte, kam schräg zu stehen. Einige Fahrgäste, die geschlafen hatten, waren aufgewacht und sagten: ‘Gottseidank, wir stehen‘. Dann hat es gekracht und ich wurde bewusstlos“. Der Reisebus war von dem Sattelzug in der Mitte gerammt und umgeworfen worden.

    Der Lasterfahrer, der aus Verona angereist war, schilderte dem Gericht als Zeuge ebenfalls seine vergeblichen Bremsbemühungen: „Ich wollte ausweichen, aber es war kein Platz da.“ Auch er war schwer verletzt worden. Ein Verfahren gegen ihn war wegen geringem Verschulden gegen Zahlung von 450 Euro eingestellt worden.

    Nach mehrstündiger Verhandlung schlug Amtsrichter Christoph Dössinger vor, das Verfahren gegen den Busfahrer ebenfalls wegen geringer Schuld einzustellen. Damit war aber dessen Verteidiger Stefan Obermeier nicht einverstanden. Er forderte Freispruch und stellte den Antrag, nachträglich ein Unfallgutachten zu erstellen. Das Gericht stimmte zu. Die Expertise soll in drei Monaten vorliegen.

    Mehr dazu lesen Sie in der Donnerstagsausgabe des Augsburger Landboten.

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