Wie ein schwarzes Mahnmal mit klaffenden Wunden sieht ein Haus in der Meitinger Nordfeldsiedlung aus. Ende März hatte das Wohnhaus gebrannt. Dutzende Einsatzkräfte rückten an, während sich im Inneren dramatische Szenen abspielten. Ein 85-Jähriger starb, während Nachbarn versuchten, die Familie zu retten. Einer kam über den Garten und rettete die schwer verletzte Ehefrau. Währenddessen rief der Enkel der beiden, dem der Weg zur Haustür durch den Rauch versperrt war, im zweiten Stock um Hilfe. Nur durch Zufall hörten ihn Arbeiter auf einer Baustelle, griffen zur Leiter und halfen dem 19-Jährigen hinunter.
Was hat den Großbrand in Meitingen gut überstanden?
Vier Wochen ist das inzwischen her. Jürgen Mattes, Sohn des Verstorbenen, wohnte ebenfalls in dem Haus. Jetzt steht er in der Garage nebenan vor Umzugskartons und Wäschekörben. Voll mit dem, was noch zu retten war. „Wenn ich das alles hier sehe, bin ich hin- und hergerissen. Denn man steht vor dem Nichts.“
Feuer in Wohnhaus ausgebrochen: Der Großeinsatz in Meitingen in Bildern
Kaum etwas, weder Kleidung noch Fotos oder andere Erinnerungsstücke, haben den Großbrand unbeschadet überstanden. Was nicht verbrannte oder von der Hitze verbogen wurde, zog Löschwasser. Und alles stinkt nach dem Rauch. „Wir versuchen, alles zu reinigen. Teils klappt das sehr gut, teils gar nicht“, sagt Mattes und zuckt mit den Schultern. Nur die Sachen, die er an dem Tag anhatte, sind einwandfrei. Selbst Zahnbürste und Duschgel mussten er und sein Sohn sich an dem schrecklichen Tag noch kaufen. „Ich habe nicht mal eine Schere“, führt Mattes ein Beispiel an. Doch die Hilfsbereitschaft, die die ganze Familie erfährt, lässt sie positiv nach vorn schauen.
Noch am selben Abend seien Familienangehörige, Nachbarn und engste Freunde zur Stelle gewesen. Sie bekochten die Familie, reparierten und sicherten Türen und Fenster, stellten einen Bauzaun auf, deckten das Dach, pumpten den Keller aus. „Es ging direkt los mit der Schadenbegrenzung“, erinnert sich Mattes. „Man hat einfach funktioniert.“ Mattes zog bei seinem Schwager ein. Unzählige Hilfsangebote erreichten die Familie persönlich und per Whatsapp. „Manche wussten nicht, was sie sagen sollten, aber das ist egal. Jede Nachricht ist schön, um zu wissen, dass man nicht allein ist“, betont Mayr.
Spendenaktion für Familie Mattes sammelt 50.000 Euro
Ihr Bruder bekam gleich mehrere Wohnungsangebote und ist inzwischen in eine möbelierte umgezogen. Als Trainer in der Fußballjugend, Mitglied der SGL-Kapelle und der Siedlergemeinschaft ist der Meitinger vielfach ehrenamtlich engagiert. Die Not der Familie sprach sich entsprechend schnell herum. Zwei Freundinnen starteten daraufhin eine Spendenaktion im Internet. Binnen weniger Tage kamen fast 50.000 Euro zusammen. Namentlich bei Helfenden bedanken, sei kaum möglich. Doch Ulrich und Angela Träger wollen die beiden doch hervorheben. Die ganze Familie habe gekocht, Mayr zur schwerkranken Mutter ins Krankenhaus gebracht und am Haus mitangepackt. Mayr und Mattes sind immer noch überwältigt von der großen Hilfsbereitschaft. Und es tröstet etwas über den Verlust.
In dem Haus lebten drei Generationen. „Egal, wer nach Hause kam, sah zuerst bei Oma und Opa rein. Diese Nähe. Das wird uns allen fehlen, auch meinem Sohn und meiner Tochter“, sagt Mattes. „Es ist nicht leicht, jemanden durch so ein Unglück zu verlieren“, meint er und blickt für einen Moment an den Tag des schrecklichen Brandes zurück. „Man kann sich das alles gar nicht vorstellen. Man hatte nur das, was man anhatte und versuchte, zu retten, was zu retten ist“, sagt er. Der Rauch quoll damals aus allen Fenstern des Hauses. Feuerwehren rückten bis aus Thierhaupten an, um den Brand zu löschen.
Mattes ist heilfroh, dass sein Sohn bei dem Brand richtig handelte und nicht ins Erdgeschoss lief. „Gott sei Dank hat er die Zimmertür zugemacht und über das Fenster nach Hilfe gerufen. Wäre er ins Treppenhaus gegangen...“ Das unterbricht ihn seine Schwester: „Es gibt kein ‚was wäre wenn‘, sonst wird man verrückt.“
Also schauen die zwei nach vorn: Noch läuft die Trocknung im Keller. Irgendwann wird der Wintergarten weggerissen. Das Gebäude soll bis auf den Rohbau zurück- und dann wieder aufgebaut werden. Die Mutter ist zwar noch im Krankenhaus, befindet sich aber auf dem Weg der Besserung. Dann ist da noch die gewaltige Spendensumme bei Gofundme. „Das Geld bleibt erstmal dort, bis wir wissen, wie es weitergeht“, erklärt Mattes. Er will dann dokumentieren, was mit dem Geld passiert. Vermutlich fließe das Geld wieder ins Haus.
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