Es gab Jahre, da waren im Augsburger Land kaum Störche zu sehen. Das hat sich geändert: Mittlerweile sind die Vögel an vielen Orten im Landkreis Augsburg zu entdecken. Der Eindruck täuscht nicht: Die Population entwickelt sich positiv. Woran das liegt und wo es in der Region überall Störche gibt.
2024 kostete der Dauerregen im Frühsommer vielen Jungtieren das Leben. Die Eltern versuchten den Nachwuchs vor den Wassermassen zu schützen und trocken zu halten, doch in den meisten Fällen war das vergebens, erinnert sich Paul Schmuck, Storchenbeauftragter des LBV Augsburg. „Die Jungtiere hatten noch nicht das schützende Gefieder und sind so erfroren. Der Regen der vergangenen Wochen hat den Jungtieren dagegen nichts ausgemacht, weil sie von der Entwicklung deutlich weiter sind.“ Die Nässe hat für die Tiere sogar einen positiven Effekt: Es gibt aktuell viel Futter für die Störche. „Amphibien, Frösche und Schnecken kommen nach draußen, was die Störche anlockt“, so Schmuck. Im vergangenen Jahr überlebten nur etwas mehr als zehn Jungtiere, in diesem Jahr sind es landkreisweit 73 Exemplare, die unterwegs sind.
Mehr Tiere: Nässe macht Jungstörchen wenig aus
In den vergangenen Wochen machten vielerorts Jungstörche ihre ersten Flugversuche, wie etwa in Zusamzell. Auch in Thierhaupten kamen Anfang Juni zwei Jungtiere zur Welt. Im vergangenen Jahr starben dort alle drei geschlüpften Storchenbabys wegen des Dauerregens. In Langerringen sind 2025 sogar drei Jungtiere geschlüpft. Noch mehr waren es in Horgau, nämlich fünf. „Jetzt sind es nur noch zwei. Wenn die Mutter zu viele Nachkommen hat und merkt, dass es zu viel wird, wirft sie die Schwächsten aus dem Nest“, erläutert Schmuck.
Aktuell gibt es laut dem Experten, der seit 2022 als Storchenbeauftragter aktiv ist, 33 Storchen-Nester im Landkreis Augsburg. Sie verteilen sich gleichmäßig über die 46 Kommunen. „Eigentlich gibt es meist nur ein Nest pro Ortschaft. Natürlich macht auch ein Pärchen Dreck, aber das sollte verschmerzbar sein. Wenn es mehr sind, sieht das anders aus.“ Spitzenreiter ist Diedorf, dort befinden sich gleich drei Nester. Im kleinen Dinkelscherber Ortsteil Stadel befinden sich innerhalb von 30 Metern zwei Nester. In Fleinhausen fiel ein Jungstorch aus seinem Nest. Anwohner nahmen das verletzte Tier bei sich auf und versorgten es.
Stöche im Landkreis: Stures Paar in Margertshausen
Große Probleme im Zusammenleben mit den Menschen sieht der Experte nicht. „Man weiß nicht genau, warum sich die Störche in den Ortschaften ansiedeln, aber anscheinend gefällt ihnen die Nähe zum Menschen. Auf der anderen Seite üben die Tiere eine gewisse Faszination aus.“ Probleme gibt es ab und an aber schon, denn die Störche bauen ihre Nester teilweise an schwierigen Stellen, etwa auf Strommasten.
Um zu verhindern, dass die Tiere beim Nestanflug mit spannungsführenden Teilen in Kontakt kommen und verletzt werden, werden laut den Lechwerken als kurzfristige Maßnahme Kunststoffhülsen über die Leiterseile gestülpt. „So lässt sich das Risiko für die Tiere reduzieren. Langfristig können im Nahbereich von Nestern die Leiterseile durch isolierte Freileitungen ersetzt werden“, heißt es auf Anfrage. Im Netzgebiet gäbe es inzwischen zahlreiche Storchennester auf Strommasten oder in deren Nähe. „Schutzmaßnahmen wie Isolierungen oder Nisthilfen werden immer in enger Abstimmung mit den zuständigen Behörden und dem Storchenbeauftragten umgesetzt“, teilen die Lechwerke mit.
Mehr als 100 Störche im Landkreis Augsburg
Apropos: Wird es den Anwohnerinnen und Anwohnern zu bunt beziehungsweise zu dreckig, können die Nester umgesiedelt werden. Das neue Zuhause wird meist unweit des alten Platzes errichtet. In Margertshausen sorgte ein Storchenpaar 2022 für Ärger, weil es trotz neuem Nest wieder an den alten Platz zurückkehrte, was den Anwohnern nicht gefiel. Diese regten sich über den Dreck der Tiere in ihren Gemüsebeeten auf.
Aktuell leben mit den Jungtieren mehr als 100 Störche im Augsburger Land. Die Population hat sich in den vergangenen Jahren stark erhöht. „Die Frage ist immer, wie viele Störche tragbar sind, da sie auch Konkurrenten um Nahrung und Nester unter sich sind. Aber im Normalfall regelt das die Natur selbst“, so Schmuck. Er hat auch eine Erklärung, warum es immer mehr Störche in unseren Breitengraden gibt. „Durch die milden Winter gibt es Paare, die nicht mehr wegfliegen. Auch fliegen nicht mehr alle Tiere bis nach Afrika. Das ist weniger gefährlich und mehr Tiere kommen wieder zurück.“
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