Emanuel Richter, geht man recht in der Annahme, dass sie jetzt lieber ihre Mannschaft auf die nächste Aufgaben in den Play-Offs vorbereiten würden, als hier im Siegmund-Sportpark im Büro zu sitzen?
Richter: Das stimmt. Statt zu trainieren habe ich Feedback-Gespräche mit den Spielern geführt. Diese Saison ist nicht so gelaufen, wie wir uns das alle vorgestellt und erwartet haben. Wir hatten uns hohe Ziele gesteckt, die wir nicht erreicht haben.
Warum ist es nicht so gelaufen, wie man sich das gedacht hatte?
Richter: Mein Wunsch wäre es gewesen, den Kern zu behalten. Aber das war nicht möglich, nachdem sich aufgrund ihrer guten Leistungen Dragos Diculescu in die erste schwedische Liga, Ole Theiß nach Coburg und Asa Williams nach Köln verabschiedet haben. Noel Duarte trat ein Praktikum in Stuttgart an, Basti März wollte sich auf sein Studium konzentrieren. Demzufolge mussten wir eine völlig neue Mannschaft aufbauen.
Kurz darauf verabschiedete sich dann auch noch Ex-Nationalspieler Jason George. Warum das?
Richter: Wir hatten große Hoffnungen auf ihn gesetzt, nachdem seine Sperre endlich abgelaufen war und haben viel Zeit in ihn investiert. Ich habe ihn persönlich betreut. Aber erst war er verletzt, dann ist er nach ein paar Spielen nach Würzburg gewechselt. Dort hat er nie gespielt und ist nun nach Karlsruhe weitergezogen. Als Ersatz konnten wir Emanuel Ansah verpflichten, der ebenfalls wieder Zeit brauchte, sich in das Teamgefüge zu integrieren.
Es ist schade, dass die Persönlichkeiten nicht ‚klick‘ gemacht haben
Stichwort Teamgefüge. Das hat nicht so wirklich gepasst. Dabei war die Mannschaft doch eigentlich besser besetzt als in der vergangenen Saison, oder?
Richter: Individuell ja, als Team-Basketball-Mannschaft jedoch nicht. Mit Tom Alte, Clint Hamann und Ference Gille hatten wir zwar Vorteile unter dem Korb, aber diese großen Spieler wurden nicht in Szene gesetzt, nicht gut gefüttert. Auch wurden viele Entscheidungen beim Pick and Roll nicht richtig getroffen. Es ist schade, dass die Persönlichkeiten in der Mannschaft nicht ‚klick‘ gemacht haben. Sonst hätten wir eine bessere Saison gespielt. Mein Anspruch ist es, die Mannschaft in eine Richtung zu bringen, als Team zu spielen und nicht nur individuelle Stärken auszuspielen.
Was gibt es noch zu bemängeln?
Richter: Unser Hauptproblem war, dass wir als Mannschaft nicht konstant genug waren. Die Saison war eine einzige Achterbahnfahrt. Auch mit der Dreier-Quote von 31 Prozent und der Freiwurfquote von 68 Prozent war ich nicht zufrieden. Das ist viel zu wenig.
Gab es auch positive Aspekte?
Richter: Natürlich. Zum Beispiel, wie wir uns nach fünf Niederlagen in Folge wieder aus der tiefen Krise herausgearbeitet und uns von Platz neun auf Platz vier vorgekämpft haben, so dass wir im Play-off Heimrecht hatten. Da haben wir wirklich alles reingeworfen.
Ich werde weiterhin für den Verein alles geben
Wie sieht die Zukunft bei der BG Leitershofen/Stadtbergen aus?
Richter: Mit dem Siegmund-Sportpart und dem Backoffice haben wir beste Bedingungen. Dieser Standard ist in der Pro B nicht üblich. Höchstens bei den Farmteams der Bundesligisten. Es gehört aber auch zur Entwicklung, festzustellen, dass nichts automatisch geht. Aber wir haben eine Basis geschafft für den nächsten Schritt. Ich werde jedenfalls weiterhin für den Verein alles geben, wie ich das mittlerweile seit elf Jahren mache.
Also wird es einen neuen Anlauf Richtung Pro A geben?
Richter: Ich habe Bock, die Spieler haben Bock, die Organisation hat Bock. Dass die Saison so gelaufen ist, kann man nicht mehr ändern. Es ist, wie es ist. Ich hoffe, dass ich dieses Jahr mehr Spieler behalten kann, und wir nicht wieder bei Null starten müssen. Es sind ein paar Korrekturen notwendig. Es ist wichtig, dass wir hier die richtigen Spieler finden. Wenn der Großteil des vorhandenen Personals bleibt und sich bereits kennt, können sich neue Spieler deutlich schneller lernen. Aber das hängt auch vom Budget ab.
Wie sieht dies bei den Kangaroos aus?
Richter: Dazu müssen Sie den Manager fragen.
Gerne. Also reichen wir die Frage an Geschäftsführer Wayne Chico Pittman weiter. Gibt es einen neuen Anlauf Richtung Pro A und wie sieht es mit dem Budget der Kangaroos aus?
Kangaroos liegen mit Budget im Mittelfeld der Liga
Wayne Chico Pittman: Selbstverständlich nehmen wir einen neuen Angriff Richtung Pro A und werden auch das dazu notwendige Budget zur Verfügung haben. Unter einem sechsstelligen Betrag ist die 2. Bundesliga nicht zu fahren. Die Kangaroos liegen aber dabei nur im Mittelfeld der Liga.
Nach dem letzten Spiel und dem daraus resultierenden Ausscheiden gegen Schwelm haben Sie Kritik geübt. Wie war das gemeint und gegen wen richtete sich dieses?
Pittman: Wenn man 17:0 führt und der Gegner auf Zone umstellt und man dann so aus dem Rhythmus kommt, muss das deutlich angesprochen werden. Wir wollen da nichts schönreden oder weichspülen. Das ist aber in erster Linie der fehlenden Cleverness des jungen Teams geschuldet. Aus diesen Spielen haben wir gelernt und Erfahrungen gesammelt. Und wir werden uns noch Erfahrung dazu holen. Der Sportdirektor muss nun eine Mannschaft planen. Dann nehmen wir ab Juli wieder die Pro A ins Visier. Interview: Oliver Reiser
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