Herr Landrat Sailer, sind Sie rückblickend froh, dass Sie nicht in eine Stichwahl mussten? Rund um Augsburg war der 22. März immerhin kein guter Tag für CSU-Kandidaten und Kandidatinnen, egal, ob in der Stadt Augsburg, im Landkreis Aichach-Friedberg oder auch in Landkreis-Städten wie Bobingen und Schwabmünchen.
SAILER: Natürlich bin ich dankbar für das klare Vertrauen, das mir die Wählerinnen und Wähler bereits im ersten Wahlgang ausgesprochen haben, denn eine Stichwahl bedeutet immer zusätzliche Unsicherheit. Ich habe die Kommunalwahlen selbst und auch die Stichwahlen sehr aufmerksam verfolgt. Die Ergebnisse zeigen deutlich, dass politische Mehrheiten keine Selbstverständlichkeit sind. Man darf sich nicht auf dem Namen einer Partei oder den Lorbeeren aus der Vergangenheit ausruhen. Vertrauen muss man sich immer wieder neu erarbeiten – und genau das ist für mich der entscheidende Auftrag aus dieser Wahl.
Was haben Sie dennoch gerade aus dem Tag der Stichwahl mitgenommen? Es scheint, als sei ein „Weiter so“ von den Wählerinnen und Wählern stark abgestraft worden, auch wenn Sie persönlich von dieser Entwicklung bei der Landratswahl nicht betroffen waren. Was bedeutet das für die lokale Politik im Kreistag Augsburg?
SAILER: Der Stichwahltag hat deutlich gemacht, dass viele Menschen sehr genau hinschauen und überdies Veränderungen oder Fortschritte erwarten. Ein bloßes „Weiter so“ reicht vielerorts nicht mehr aus. Das ist ein klares Signal an alle politischen Ebenen. Für den Kreistag im Landkreis Augsburg bedeutet das: Wir müssen weiterhin lösungsorientiert arbeiten, aber auch offen für neue Ideen sein und noch stärker den Dialog mit den Bürgerinnen und Bürgern suchen. Gerade in Zeiten knapper Kassen geht es darum, Entscheidungen nachvollziehbar zu machen und die Menschen mitzunehmen. Stabilität bleibt wichtig – aber sie darf nicht mit Stillstand verwechselt werden.
Darüber hinaus gibt es nun im Kreistag selbst neue Herausforderungen. Die AfD ist viel stärker geworden. Wie gehen Sie damit um? Und was bedeutet der Zuwachs an kleinen Parteien?
SAILER: Die veränderte Zusammensetzung des Kreistags spiegelt gesellschaftliche Entwicklungen wider. Mein Anspruch bleibt klar: Ich arbeite mit allen demokratischen Kräften sachorientiert zusammen. Gleichzeitig wird die Arbeit im Kreistag vielfältiger und sicherlich auch anspruchsvoller. Mehr Fraktionen bedeuten mehr Perspektiven – das kann Entscheidungen komplexer machen, bietet aber auch die Chance auf breitere Diskussionen und tragfähigere Lösungen. Entscheidend ist, dass wir trotz unterschiedlicher Positionen handlungsfähig bleiben und vernünftig miteinander umgehen.
Der Kreistag arbeitet in der Region Augsburg stark mit der Stadt Augsburg und dem Landkreis Aichach-Friedberg zusammen. Was bedeutet es, dass dort jetzt in Augsburg ein SPD-Mann und im Landkreis Aichach-Friedberg ein Freie-Wähler-Mann das Sagen haben?
SAILER: Die Zusammenarbeit in der Region Augsburg war immer von Pragmatismus und Sachorientierung geprägt – und genau so wird sie auch bleiben. Unabhängig von Parteizugehörigkeiten haben wir gemeinsame Interessen, etwa bei Infrastruktur, Verkehr, Bildung oder Entsorgung. Entscheidend ist nicht, welcher Partei jemand angehört, sondern dass wir gemeinsam Verantwortung für die Region übernehmen und Projekte konsequent voranbringen.
Diese Frage darf nicht fehlen: Bitte benennen Sie die nächsten großen Vorhaben im Landkreis Augsburg und die Herausforderungen der nächsten sechs Jahre sowie ob und wie eine Umsetzung gelingen könnte.
SAILER: Die kommenden Jahre werden von mehreren zentralen Themen geprägt sein:
Verkehr und Mobilität: Der Ausbau eines leistungsfähigen und nachhaltigen Nahverkehrs bleibt eine Kernaufgabe. Hier geht es um die geplante Zusammenarbeit von AVV und MVV, um bessere Taktungen, neue Angebote und eine enge Abstimmung in der Region.
Bildung und Betreuung: Die Ergebnisse unseres Schulgutachtens haben gezeigt, dass wir weiter in Schulen und Bildungsinfrastruktur investieren müssen, um gute Lernbedingungen für alle Schülerinnen und Schüler zu schaffen.
Gesundheitsversorgung: Die Zukunft unserer Wertachkliniken und ein möglicher Neubau werden uns in den nächsten Jahren beschäftigen.
Finanzielle Stabilität: All diese Aufgaben müssen solide finanziert werden – das ist eine der größten Herausforderungen.
Die Umsetzung wird nur gelingen, wenn wir weiterhin verlässlich zusammenarbeiten: im Kreistag, mit den Kommunen und mit unseren Partnern in der Region. Entscheidend sind eine klare Prioritätensetzung und der Wille, gemeinsam tragfähige Lösungen zu finden.
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