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Organspende: So stehen Jugendliche des Schmuttertal-Gymnasiums in Diedorf dazu

Diedorf

„Auf ein Spenderorgan zu warten, fühlt sich an wie eine tickende Zeitbombe“

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    Franziska Liebhardt mit Vortrag zur Organspende am Schmuttertalgymnasium Diedorf
    Franziska Liebhardt mit Vortrag zur Organspende am Schmuttertalgymnasium Diedorf Foto: Marcus Merk

    Es begann alles mit Atemnot beim Sport und Schwierigkeiten beim Treppenlaufen. Dann ging es rapide bergab. Franziska Liebhardt konnte nicht mehr sprechen und war auf das Beatmungsgerät angewiesen. Zu diesem Zeitpunkt war sie erst Anfang 20. Sie hätte sich nicht vorstellen können, dass sie nach der Handballkarriere ihrer Jugend mit einer so schwerwiegenden Krankheit zu kämpfen hat. Die Diagnose veränderte ihr Leben.

    Paralympics-Gewinnerin Franziska Liebhardt spricht über Organspende

    „Es fühlte sich an wie eine tickende Zeitbombe, auf die ich keinen Einfluss habe.“ So beschreibt die 43-jährige Paralympics-Gewinnerin die Zeit zwischen dem Ausbruch ihrer Autoimmunerkrankung und der Organtransplantation, welche ihr das Leben gerettet hat. Dank ihrer Spender kämpfte sie sich wieder zurück ins Leben und schaffte es 2016 bei den Paralympischen Spielen in Rio, die Goldmedaille im Kugelstoßen zu gewinnen. Als die Ärzte ihr mitteilten, dass ein Spenderorgan ihre einzige Überlebenschance wäre, zog sie in Erwägung, in Frieden zu sterben. Sie war sich der langen Warteliste bewusst. Über ihre Erfahrungen berichtet sie regelmäßig an Schulen.

    In Deutschland sind die Spenderzahlen im europaweiten Vergleich unterdurchschnittlich niedrig. Das könnte an der gesetzlichen Regelung der Entscheidungslösung liegen, meint Liebhardt. Nach der Entscheidungslösung dürfen Organe nur entnommen werden, wenn die verstorbene Person dem zu Lebzeiten zugestimmt hat. Wenn das nicht der Fall ist, werden die Angehörigen nach einer Entscheidung gefragt.

    Mit Unterstützung ihrer Freunde und Familie entschloss sich Liebhardt letztendlich doch für ein Spenderorgan. „Transplantation fühlt sich an wie ein Wunder“, erzählt Liebhardt. Sie freundete sich wieder mit ihrem Körper an und setzte sich das Ziel, wieder in den Leistungssport zu gehen.

    Sportkarriere nach der Goldmedaille in Rio beendet

    Heute, nachdem sie ihre Sportkarriere nach der Goldmedaille in Rio beendet hat, setzt sich die Paralympics-Gewinnerin für Organspende ein. Unter anderem hält sie Vorträge an Schulen. So auch am Schmuttertal-Gymnasium in Diedorf. Zusammen mit Dr. Florian Sommer aus der transplantationschirurgischen Abteilung des Universitätsklinikums Augsburg, will sie mehr Schülerinnen und Schüler auf das Thema aufmerksam zu machen. „Ob die Menschen Ja oder Nein sagen, ist mir gar nicht so wichtig. Aber ich möchte, dass sie über eine Organspende nachdenken und eine Entscheidung treffen.“

    Franziska Liebhardt holte sich 2016 in Rio die Goldmedaille im Kugelstoßen.
    Franziska Liebhardt holte sich 2016 in Rio die Goldmedaille im Kugelstoßen. Foto: Kay Nietfeld, dpa (Archivbild)

    Liebhardt erzählt von Lenni, ein damals 13-jähriger Junge, der selbst einmal bei einem Schulvortrag mit im Publikum saß. Daraufhin sprach er Zuhause mit seinen Eltern über seinen Entschluss, auch Organspender werden zu wollen. Nur kurze Zeit später verunglückte er auf dem Schulweg. Seine Organspende rettete fünf Menschen das Leben. „Es kann jeden treffen. Und zwar auf beiden Seiten. Als Spender oder als Mensch, der auf eine Spende angewiesen ist“, erklärt Liebhardt. Daher sei es ihr so wichtig, die Vorträge zu halten und Menschen dazu zu inspirieren, selbst eine Entscheidung für sich zu treffen.

    Was halten die Jugendlichen im Publikum des Schmuttertal-Gymnasiums von dem Thema Organspende? Nubia Engelhardt ist 17 Jahre alt. Der Vortrag von Liebhardt und Dr. Sommer hat ihre Meinung zu Organspenden verändert. Sie wusste vorher schon über deren Existenz Bescheid, aber erst als das Thema im Religionsunterricht besprochen wurde, fühlte sie sich informiert. Damals war ihre erste Antwort „eher Nein“, aber nachdem sie die Perspektiven eines Facharztes und einer Betroffenen gehört hat, fühlte sie sich eher bereit. Einer Lebendspende würde sie nun auf jeden Fall zustimmen. Bei der Spende nach festgestelltem Hirntod ist sie sich noch nicht sicher. „Ich finde den Gedanken schön ein Leben zu retten, aber ich finde es auch gruselig, dass wenn ich gestorben bin, ein Organ einfach aus mir herausgenommen wird.“ Über eins ist sich die Schülerin allerdings sicher, für eine Gesetzesänderung zur Widerspruchslösung, wie sie in vielen europäischen Ländern gilt, ist sie nicht. Nach dieser Regelung gilt jeder Mensch als potenzieller Organspender, sofern er nicht zu Lebzeiten widersprochen hat. Nubia ist der Meinung: „Wenn ich diese Entscheidung treffe, dann will ich sie selbst treffen.“

    Franziska Liebhardt bei ihrem Vortrag zur Organspende am Schmuttertal-Gymnasium Diedorf.
    Franziska Liebhardt bei ihrem Vortrag zur Organspende am Schmuttertal-Gymnasium Diedorf. Foto: Marcus Merk

    Die 16-jährige Marine Schmidt war schon vor dem Vortrag gut informiert. Sie habe mit ihrer Familie über das Thema gesprochen, da ihre Mutter Ärztin sei. Nach dem Vortrag überlegte sie nun, sich einen Organspendeausweis zu holen. „Wenn ich tot bin, erfahre ich nicht mehr, was noch passiert, dann ist es schon vorbei und wenn ich andere Menschen damit retten kann, ist das etwas Gutes.“ Außerdem sei es einfacher für die Angehörigen, wenn sie zu Lebzeiten aktiv eingewilligt habe. „Dann sind sie nicht in der schwierigen Lage, auch noch entscheiden zu müssen, ob meine Organe gespendet werden, wenn ich verstorben bin.“, sagt Marine.

    Wie stehen Jugendliche zum Thema Organspende?

    Auch Valentina Ensenmeier war schon vor dem Vortrag für Organspende. Ihr Vorwissen habe die 16-jährige Schülerin aus dem Religionsunterricht, während dem vor allem der medizinische Ablauf einer Organtransplantation besprochen worden sei. Der Vortrag habe sie in ihrer Meinung bestärkt. Außerdem sei ihr die Dringlichkeit bewusst geworden, seine Meinung kundzutun und diese auch für den Fall der Fälle aufzuschreiben. „Ich finde es einen schönen Gedanken, Leuten helfen zu können, wenn man die Möglichkeit dazu hat. Man lebt selber ein Stück weiter.“ Sie werde sich nach dem Vortrag einen Organspendeausweis mitnehmen, sagt sie während dem Besuch von Kugelstoßerin Liebhardt. Allerdings gäbe es für sie Grenzen. „Mit meinem Herz verbinde ich beispielsweise meinen Geist.“, erzählt Valentina „Manche Organe wäre ich also nicht bereit zu spenden.“

    Info Weitere Informationen zur Organspende und dazu, wie man an einen Ausweis kommt, gibt es auf www.organspende-info.de.

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