In Gersthofen könnte der Leitsatz gelten: Wer Mülleimer mehr mag, nutzt sie mehr. Seit anderthalb Jahren begegnet Gersthofen der Verschmutzung im öffentlichen Raum mit Witz. Lustige Sprüche auf den städtischen Mülleimern sollen zu konsequenterer Entsorgung führen. In anderen deutschen Städten wie Berlin oder Hamburg kämpft man schon seit Längerem mit Kreativität gegen Müll. Besonders bekannt sind auch die derben Mistkübel in Wien. Kann dem Müll im öffentlichen Raum mit Sprüchen Einhalt geboten werden?
Bitte füttern!
„Herr der Dinge, Bitte füttern!“, oder „Ich will keine Schokolade, ich will lieber das Papier!“, sind einige der Sprüche, die auf Gersthofer Mülleimern zu lesen sind. Die Rückmeldungen aus der Bevölkerung seien positiv, sagt die Pressesprecherin der Stadt Gersthofen, Wera von Witzleben. Vorbild für die Idee war die Mülleimer-Kampagne aus Berlin. Im Rahmen des World-Cleandays der Vereinten Nationen wurde die Aktion im Herbst 2024 in Gersthofen umgesetzt. In den Sozialen Medien initiierte Gersthofen gleichzeitig eine Mitmachtaktion. Viele Likes oder Kommentare erhielt sie auf Instagram nicht.
„Die Aufkleber haben wenige hundert Euro gekostet“
„Die Kosten waren sehr gering. Die Aufkleber haben wenige hundert Euro gekostet“, sagt von Witzleben. Die Ausgaben wurden bewusst gering gehalten. Statt eine Werbeagentur zu beauftragen, überlegte sich die Stadtverwaltung selbst Sprüche. Die Mülleimer konnten in ihrer Form erhalten bleiben, nur die Sticker ließ man in einer örtlichen Druckerei herstellen. Die aufgeklebten Sprüche scheinen eine gute Haltbarkeit zu haben. Auch anderthalb Jahre später strahlen sie in auffälligem Orange.
Hat sich die Müll-Situation rund um die beklebten Mülleimern verändert?
Ein grundsätzliches Müllproblem hat Gersthofen nicht. Laut Witzleben gebe es drei Brennpunkte in der Umgebung. Im Industriegebiet, am Standort Amazon und am Lechkanal zwischen den Brücken. Gerade an öffentlich zugänglichen Containern stellen Menschen bei Umzügen Aussortiertes ab. Hat sich die Müll-Situation rund um die beklebten Mülleimer verändert? „Ein Effekt ist für uns nicht messbar. Weder positiv, noch negativ“, entgegnet die Pressesprecherin. Eine Statistik wird nicht erhoben, es gilt der subjektive Eindruck.
Sind also die Raben schuld?
Ein Detail an der Form der Mülleimer erschwert Witzleben zufolge eine mögliche Bilanz zusätzlich. „Die Mülleimer sind offen, also auch zugänglich für Tiere.“ Raben etwa wühlen in den Mülleimern auf der Suche nach den Broten, die Schulkinder entsorgt haben wollten. Sind also die Raben schuld? „Die ganze Mülleimer-Aktion ist für die Außenwirkung gedacht. Sie soll in erster Linie Freude machen.“ Eine Antwort auf fehlende Sauberkeit im öffentlichen Raum scheinen die Sprüche nicht zu sein. Spaß machen sie trotzdem.
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