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Priesterweihe Thierhaupten: Alexander Grotz über den Wert von Gemeinschaft

Thierhaupten/Holzheim

Herr Grotz, warum werden Sie Pfarrer?

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    Alexander Grotz freut sich schon auf die Primiz-Feierlichkeiten im kommenden Jahr in seiner Heimatgemeinde Thierhaupten.
    Alexander Grotz freut sich schon auf die Primiz-Feierlichkeiten im kommenden Jahr in seiner Heimatgemeinde Thierhaupten. Foto: Claus Braun

    Anfang Mai wurde in der Alexander Grotz aus Thierhaupten in der Basilika St. Ulrich und Afra in Augsburg von Bischof Bertram Meier zum Diakon geweiht. Im kommenden Jahr findet in Thierhaupten seine Primiz statt. Wir haben mit dem angehenden Priester über Fragen des Glaubens gesprochen.

    Rückblickend auf die Zeit rund um die Diakonweihe: Was berührt Sie heute noch am meisten?

    GROTZ: Dieses ehrfürchtige Staunen darüber, was mir mit dieser Weihe eigentlich geschenkt wurde – ein Geschenk, das ich erst selbst in meinem Herzen begreifen muss. Die Größe dieser Aufgabe lässt mich demütig werden. Gleichzeitig habe ich immer noch dieses überwältigende Bild der Weihe vor meinem inneren Auge: Diesen entscheidenden Schritt nicht allein gegangen zu sein, sondern Seite an Seite mit wunderbaren Freunden und getragen von der unbeschreiblichen Nähe so vieler Menschen aus meiner Heimat.

    Mit den Worten „Hier bin ich“ wurden Sie Bischof Bertram als Weihekandidat vorgestellt. Wie kam es zu Ihrer Entscheidung, Priester zu werden?

    GROTZ: Meine Antwort auf dieses „Warum“ ist das Echo einer tiefen, existenziellen Erfahrung, in der ich Gottes Liebe leibhaftig erleben durfte. Als in jungen Jahren durch eine schwere Krankheit alles wegbrach, blieb nichts übrig, das mich hätte fangen können – da war nur noch Er. In dieser Dunkelheit habe ich fundamental gespürt, dass Gott wartet, dass Er mich trägt und mich mit einer Liebe liebt, die keine Bedingungen kennt. Heute dort zu stehen, wo ich bin, ist deshalb meine Antwort auf diese alles verändernde Spur der Liebe, der ich nun mein ganzes Leben anvertraut habe.

    Die Zahl der Christen in Deutschland nimmt ab, die Kirchen werden immer leerer. Was motiviert Sie?

    GROTZ: Vor allem das Vertrauen auf eine Treue, die Jahrtausende überdauert hat: Wir dürfen heute nur deshalb in diesem Glauben leben, weil es zu allen Zeiten Menschen gab, die auch in tiefster Dunkelheit ausgeharrt haben. Es gab schon Zeiten, in denen es der Kirche wesentlich schlechter ging als heute. In Rom durfte ich spüren, wie die Kirche als „Global Player“ weltweit wächst und atmet. Und auch bei uns gibt es viele kleine Pflänzchen, denen man Tag für Tag beim Wachsen zusehen kann. Das zeigt mir, dass wir die Enge unserer eigenen Fixierung verlassen müssen.

    Wie bringt ein gläubiges Leben Erfüllung in den Alltag?

    „Obwohl ich nicht in die Kirche gehe, bin ich gläubig“, hört man vielerorts. Ist Glaube ohne Kirche möglich?

    GROTZ: Ich kann den Grundgedanken nachvollziehen, jedoch ist Glaube nichts, was man allein vollenden kann. Kirche, das sind wir alle gemeinsam. Man kann sich das wie ein großes Puzzle vorstellen: Jeder von uns ist ein einzigartiges Teil, das für sich wertvoll ist, aber erst in der Verbindung mit den anderen das volle, leuchtende Bild von Gottes Gegenwart in dieser Welt sichtbar macht; ein einzelnes Teil verlangt zutiefst nach dieser Ergänzung.

    Was raten Sie besonders jungen Menschen, wie ein gläubiges Leben Erfüllung im Alltag bringen kann?

    GROTZ: Wenn du dich nach einem Leben sehnst, das wirklich tief erfüllt, dann ist mein wichtigster Rat: Hab den Mut, den Blick vom Bildschirm zu heben – geh weg von Social Media. Öffne dein Herz für die echte Welt! Geh raus in die Schöpfung, spüre den Wind, pflege echte Begegnungen von Angesicht zu Angesicht. Wenn du lernst, in dieser Stille die kleinen Wunder des Alltags zu sehen – ein Lächeln, ein Sonnenstrahl, eine unerwartete Hilfe –, dann wird in dir eine innere Freude zu brennen beginnen.

    Nach dem Weihe-Versprechen gehört es zum Ritus, dass sich die Weihekandidaten als Ausdruck der Demut auf den Boden legen. Was haben Sie dabei empfunden?

    GROTZ: Zuerst war der Moment – ganz ehrlich gesagt – alles andere als mystisch: Ich fasste mir erst einmal in die Brille und verschmierte die Gläser. Dann spürte ich, wie mir langsam die Arme einschliefen. Währenddessen klopfte mein Puls immer schneller gegen den Boden. Doch als ich dort so flach lag, legte sich der Gesang der Allerheiligenlitanei wie ein tröstlicher Mantel über meine Aufregung und mir wurde tief im Herzen bewusst, wie wunderbar wir eingebettet sind: Wir sind niemals allein. In diesem Augenblick spürte ich die Verbindung der Gemeinschaft, die weit über die Erde hinausreicht – eine Kette der Liebe, die uns mit den Seelen im Purgatorium und den Heiligen im Himmel zusammenhält.

    Was erwartet die Gläubigen bei der Priesterweihe im kommenden Jahr?

    Wie sieht der angehende Priester Alexander Grotz sich als Privatmensch?

    GROTZ: Privat bin ich ein absoluter Fan meiner bayerischen Heimat und Routinen, die mich im Alltag erden. Ich liebe es, Zeit mit Freunden zu verbringen, mich in ein Buch zu vertiefen oder in der Natur neue Kraft zu tanken. Und wenn andere zum Ausgleich die Laufschuhe schnüren, setze ich mich an die Orgel. Das ist sozusagen mein ganz persönliches „Joggen“, bei dem ich innerlich wieder in den richtigen Takt komme.

    Was erwartet die Gläubigen und Besucher beim Primiz-Gottesdienst am 4. Juli 2027 in Ihrer Heimatgemeinde Thierhaupten?

    Es soll eine große Feier des Glaubens werden, die durch, aber auch über die Heilige Messe hinaus die gesamte Marktgemeinde in tiefer Gemeinschaft vereint. Die Gläubigen erwartet ein festliches Ereignis, das nicht nur meine Priesterweihe zum Grund hat, sondern vor allem als lebendiges und öffentliches Zeugnis unseres gemeinsamen christlichen Glaubens verstanden werden soll.

    Zur Person Alexaner Grotz

    • Alexander Grotz, geboren 1996 in Augsburg
    • Schullaufbahn: Volksschule Thierhaupten, Realschule Meitingen, Fachoberschule Donauwörth
    • Studium: Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt, Universität Augsburg, Pontificia Università Gregoriana
    • Aufenthalt in Rom: Studium an der Pontificia Università Gregoriana.
    • Pastoralkurs von 2025 bis 2027 in der Pfarreiengemeinschaft Aschberg.
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