Richard Greiner (CSU) will Bürgermeister in Neusäß bleiben. Er will so bald wie möglich den Glasfaserausbau im gesamten Stadtgebiet ermöglichen.Foto: Marcus Merk, Richard Greiner
In den letzten Sitzungen der aktuellen Wahlperiode macht sich im Neusässer Stadtrat so etwas wie Abschiedsschmerz breit. Und bei denen, die wiedergewählt wurden, auch ein bisschen Nervosität. Gelegentlich fallen Nebensätze wie „Wer weiß, was jetzt kommt“ oder „das wird nicht mehr so einfach“. Gemeint ist die neue Konstellation im künftigen Stadtrat mit der deutlich größeren Fraktion der in Teilen rechtsextremen AfD mit jetzt vier statt zuletzt nur einem Stadtrat. Da ist so mancher Lokalpolitiker unsicher, wie sich die Zusammenarbeit im Gremium gestalten wird. Steht der Neusässer Stadtrat vor einer Zeitenwende?
Die CSU kann sich jedenfalls weiterhin über ihr Ergebnis und ihre Führungsrolle freuen: Bürgermeister Richard Greiner geht mit 63,3 Prozent der Stimmen in seine dritte Amtszeit und mit 13 Sitzen plus Bürgermeister hat die CSU immer noch eine komfortable Mehrheit, wenn sie die Zusammenarbeit mit der SPD und ihren neuerdings vier Sitzen fortführt. Das passable Abschneiden der SPD-Bürgermeisterkandidatin und dritten Bürgermeisterin Susanne Höhnle sowie der Gewinn eines weiteren Mandats sind ein starkes Argument für eine Fortführung des schwarz-roten Arrangements. Die entsprechenden Gespräche laufen, bestätigt der SPD-Fraktionsvorsitzende Christian Rindsfüßer. Allerdings, so betont er, gehe es um Inhalte, nicht um Personen. Die SPD hat ihre Schwerpunkte im Wahlkampf deutlich gemacht, etwa Verbesserungen für Senioren, bei der Inklusion und bezahlbarem Wohnraum. Die Freien Wähler mit dem erfahrenen Fraktionsführer Wolfgang Weiland haben zwar einen Sitz verloren (künftig noch drei Sitze), aber auch hier wäre eine Zusammenarbeit mit der CSU denkbar.
Zwei neue Stadträtinnen bei den Grünen
Die konzeptionellen Schnittmengen mit den Grünen sind ohnehin gering, und das Verhältnis war all die Jahre kaum konfliktfrei. Die Grünen konnten jedoch gegen den Bundestrend ihre Sitze verteidigen und sind wieder mit einer Stärke von sechs Personen im Stadtrat Neusäß als zweitstärkste Fraktion vertreten. Sie haben zwei neue Fraktionskolleginnen, bei den Freien Wählern zieht eine neue Stadträtin ins Gremium ein, auch bei der SPD gibt es zwei neue Mitglieder.
Ein echter Generationswechsel zeigt sich in der CSU-Fraktion: Hier haben etliche Mandatsträger nach jahrzehntelangem Engagement in der Kommunalpolitik aufgehört und mehr weibliche und Jüngere ziehen ins Gremium ein. Unter ihnen ist auch die Schauspielerin, Regisseurin und Musikerin Marina Igelspacher als Nachrückerin für den Listenplatz von Bürgermeister Greiner. Mit ihr und Konstantin Durz (Neffe des Bundestagsabgeordneten Hansjörg Durz), Alexandra Wiedholz, Nils Härle und Florian Christl wird der Neusässer Stadtrat jünger und weiblicher.
Die Musicaldarstellerin und Regisseurin Marina Igelspacher rückt für den Platz des Bürgermeisters auf der CSU-Liste vor und ist neue Stadträtin in Neusäß.Foto: Jutta Kaiser-Wiatrek (Archivbild)
Wer folgt Wilhelm Kugelmann als zweiter Bürgermeister nach?
Nach dem Ausscheiden von Wilhelm Kugelmann, der lange auch Zweiter Bürgermeister war, ist die Neubesetzung der Stellvertretung von Bürgermeister Greiner sicher eine der spannendsten Fragen der neuen Wahlperiode. Wie man hört, plant die CSU auch hier auf die junge Generation zu setzen: Kommunalpolitische Erfahrung hätte bereits Nils Härle. Zuletzt war er zehn Jahre lang Vorsitzender des Jugendbeirats. Der Mittelschullehrer ist vielseitig ehrenamtlich engagiert, etwa als Rettungssanitäter bei der BRK-Bereitschaft Neusäß, und gut vernetzt. Wie sich der Stadtrat entscheidet, wird man in der ersten konstituierenden Sitzung des neuen Gremiums am Dienstag, 5. Mai, um 18 Uhr im Rathaus sehen.
Auf diesem Foto ist der neue CSU-Stadtrat Nils Härle (rechts) für die BRK-Bereitschaft aktiv.Foto: Anna Kondratenko (Archivbild)
Eine erste Änderung gibt es bei der AfD: Die auf den dritten Platz gewählte Sieglinde Weiß wird ihr Mandat nicht antreten. Es rückt Thomas Adler nach, der Platz 5 bei den Stimmen erreichte und im Stadtgebiet auf großen Wahlplakaten mit dem Bürgermeisterkandidaten Reiner Fuchs zu sehen war.
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