Vor ziemlich genau vier Jahren stellte die Firma Juwi AG dem Dinkelscherbener Gemeinderat ein ambitioniertes Vorhaben vor. Zehn Windräder sollten auf einer Fläche von 140 Hektar Wald bei Ettelried gebaut werden. Die 250 Meter hohen Anlagen sollten 25.000 Haushalte jährlich mit Strom versorgen können, erklärte der Projektleiter damals. Seitdem wurde das Projekt deutlich verändert, denn im Ort regte sich Widerstand. Im Bauausschuss wurden jetzt die neuen Pläne vorgestellt.
Demnach sollen nur noch vier Windräder tatsächlich entstehen. Denn es wäre nicht möglich gewesen, die damalige 10-H-Regelung für alle zehn Windräder einzuhalten. Das hatte für Aufruhr unter den Ettelrieder Bürgerinnen und Bürgern gesorgt. Die Bürgerinitiative „LebensWerte Reischenau“ gründete sich als Gegenstimme zum Windpark. Es gehe der Initiative dabei nicht darum, Windkraft grundsätzlich zu verteufeln, sondern darum, die Natur zu schützen, erklärte damals die Vorsitzende des Vereins „Lebenswerte Reischenau“.
Nicht alle Windräder müssen die 10-H-Regel einhalten
So wies der Verein etwa auf die Lärmbelästigung hin. Ein Gutachten im Auftrag der Juwi AG zeigte nämlich, dass die Anlagen mit 35 Dezibel im Ort zu hören wären. Das ist etwa so laut wie ein Zimmerventilator. Auch um den Erhalt der Natur und des Lebensraumes für Tiere, ging es dem Verein. Speziell verwies die Initiative etwa auf die Fledermaus-Populationen oder größere Vogelarten wie der Rotmilan, die im und rund um den Ettelrieder Wald zu finden sind. Aufsehen erregte Ettelried noch im selben Jahr als Protestdorf. Hunderte Banner und Statuen, die gegen den Windpark protestierten prägte das Bild des Dinkelscherbener Ortsteils.
Aktuell plant die Juwi AG nur noch mit vier Windkraftanlagen des Typs SG-170, erklärt Christine Kania vom Bauamt Dinkelscherben bei der vergangenen Sitzung. Diese seien weit genug von Ettelried entfernt. Drei der vier Windräder entsprächen der 10-H-Regelung und sollen mehr als 2500 Meter außerhalb des Dorfes stehen. Das vierte Windrad unterschreite diesen Abstand nur unwesentlich. Allerdings passte die bayerische Staatsregierung schon im November 2022 die 10-H-Regelung an. „Das vierte Windrad erhält eine Privilegierung“, berichtet Kania. Weil das Windkraftwerk im Wald stehe und ausreichende Entfernung zum Waldrand hat, muss der Abstand von 2500 Metern nicht eingehalten werden.
Die Windkraftwerke in Ettelried sollen sauberen Strom für 16.000 Haushalte liefern
„Das Projekt wird voraussichtlich im Oktober 2026 begonnen und im August 2027 in Betrieb genommen werden“, berichtet Kania Das ist knapp zwei Jahre später als ursprünglich geplant. Noch vor drei Jahren erzählte die Juwi AG unserer Redaktion, dass die Anlagen Ende 2025 in Betrieb gehen könnten. Für die Erschließung sollten bereits bestehende Forstwege genutzt und ausgebaut werden, sagt Kania: „Dazu sind keine weiteren Rodungen nötig.“ An anderer Stelle müssen aber durchaus Rodungen vorgenommen werden. Insgesamt muss laut Investor in 9,24 ha Wald eingegriffen werden. Rund drei Viertel davon seien temporäre Rodungen, die später wieder aufgeforstet werden sollen. Mehr als 21.000 Quadratmeter Wald werden aber dauerhaft abgeholzt. „Das entspricht etwa 0,1 Prozent der Gemeindewaldfläche“, erklärt Kania. Hierfür sollen an anderer Stelle Ausgleichsflächen geschaffen werden.
Die vier Windräder produzieren laut Investor pro Jahr sauberen Strom für mehr als 16.000 Haushalte. Dieser soll über Kabel in der Erde abtransportiert werden. Der Windpark werde zwar in einem Landschaftsschutzgebiet errichtet, aber andere Schutzgebiete seien nicht betroffen, berichtet sie. Auch durch Schatten oder Schall seien keine schädlichen Umwelteinflüsse zu erwarten. Zur Verschmutzung des Grundwassers stünden noch Gutachten aus, berichtet Kania. Doch mit Einfluss auf das Grundwasser werde nicht gerechnet. Auch ein neuer Trinkwasserbrunnen der Gemeinde sei mit 750 Metern weit genug entfernt.
Es gibt noch keine Informationen zu einem nötigen Umspannwerk
Die Gemeinderäte haben aber noch einige Bedenken. Bisher gibt es noch keine konkreten Planungen für ein Umspannwerk, das wahrscheinlich nötig ist, merkt Peter Kraus (FW) an: „So ein Umspannwerk braucht mindestens 500 Quadratmeter Platz.“ Zudem sei eine Zufahrt nötig, die einen Schwertransport bewerkstelligen kann. „Das müssen wir nochmal genau mit der Firma abklären“, meint er. Auch Dinkelscherbens Bürgermeister Edgar Kalb (UW14) steht dem Vorhaben „skeptisch“ gegenüber. Es gebe kein Plan, was mit dem Strom passieren wird. „Wir produzieren so viel Strom und wissen gar nicht, wohin damit“, sagt er. Den Nutzen für die Gemeinde halte er für überschaubar, besonders da vor Kurzen der erste Spatenstich für einen Solarpark gesetzt wurde.
Aber es gibt auch positive Stimmen im Gemeinderat. „Ich halte Windkraft für unerlässlich“, erklärt Reinhard Pentz (SPD). Letztendlich entschloss der Bauausschluss sich dazu, die gewünschte Stellungnahme nicht abzugeben. Stattdessen sollen weitere Informationen vom Investor angefragt werden.
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