Basketball

22.09.2017

Trainer steht hinter dem Konzept

Nicht auf der Bank Platz nehmen, sondern auf dem Platz eine gute Figur machen sollen Dominik Burgemeister, Quentin Tucker, Jonathan Genck und Bernhard Behnke (von links). Der neue Trainer Ian Chadwik steht hinter den Neuzugängen der BG Leitershofen/Stadtbergen. „Wir werden unser Konzept, ausschließlich auf Spieler zu setzen, die hier leben, arbeiten oder studieren, unbeirrt fortsetzen!“
Bild: Oliver Reiser

Bei der BG Leitershofen/Stadtbergen fand der Umbruch eher neben dem Spielfeld statt. Wie man ohne ausländische Profis in der 1. Regionalliga bestehen will

Für die BG Topstar Leitershofen/Stadtbergen ist die traditionell sehr lange Basketball-Sommerpause beendet. Am Samstag starten die Kangaroos mit der Auswärtspartie bei GGZ Basket Zwickau in die neue Saison der 1. Regionalliga Südost (Anpfiff 17 Uhr Zwickau, Sporthalle Mosel, live im Ticker auf der Ligahomepage). Für die Leitershofer stellt die Spielrunde ein kleines Jubiläum in Sachen Kontinuität dar, denn im 20. Jahr in Folge geht man nun hochklassig entweder in der Regionalliga oder der 2. Bundesliga an den Start.

So ganz ruhig verlief der Basketball-Sommer aber dann doch nicht. Zuerst machte der Deutsche Basketball Bund von sich reden, der kurzfristig in der Regionalliga eine sogenannte „Local Player“-Regelung einführen wollte. Diese sah vor, dass immer mindestens zwei U23-Spieler auf dem Spielfeld (nicht auf dem Spielbericht) stehen müssen. Was im Umkehrschluss bedeuten würde, dass Teams dann im schlechtesten Fall während der Partie nur mit drei Akteuren hätten agieren dürfen.

Eine Vorgabe, die für die meisten Regionalligisten aktuell nur sehr schwierig bis gar nicht durchführbar wäre, weil die besten Jugendspieler inzwischen oftmals schon weit früher von den großen Basketballzentren abgeworben werden und viele Spieler gerade auch nach dem Abitur ihre Heimatstädte verlassen.

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Am Beispiel der BG kann man besonders gut erkennen, wie paradox diese Regel wäre: Man hätte zwar aktuell vier Spieler im Kader, welche jünger als 23 Jahre sind. Vier weitere Akteure sind allerdings exakt 23 Jahre alt und würden dann nicht mehr darunter fallen. Geradezu absurd für die Stadtberger: Man hätte sogar zwölf Spieler sozusagen aus der Region im Kader, hätte aber trotzdem große Mühen, die Local Player-Regelung zu erfüllen. Nach zahlreichen Protesten und Diskussionen wurde die Regelung dann zunächst um ein Jahr verschoben, damit sich die Vereine entsprechend darauf vorbereiten können.

Zudem stand lange Zeit die Ligen-Zusammensetzung nicht fest, weil sowohl die beiden Absteiger Nördlingen und Leipzig als auch der letztjährige ambitionierte Aufsteiger Bad Aibling der finanzielle Kollaps ereilte und die drei Teams ihre Mannschaften zurückzogen.

Wer nun erwartet hätte, dass dies vielleicht zu etwas mehr Besonnenheit auf dem Transfermarkt führen würde, sah sich bitter getäuscht. War die Liga im letzten Jahr bereits stark wie nie zuvor, dürfte das Niveau sich dieses Jahr sogar noch einmal steigern. Teams wie Oberhaching oder Aufsteiger OSB Helenen München sorgten mit spektakulären Transfercoups für Aufsehen, zusammen mit den letztjährigen Topteams aus Vilsbiburg, Treuchtlingen, dem mit vielen Ex-Bundesligaspielern besetzten TSV Breitengüssbach sowie dem Bundesligafarmteam aus Gotha gibt es gleich eine ganze Reihe von ambitionierten Aufstiegsaspiranten.

Bei der BG sieht man diesem Treiben halbwegs gelassen entgegen. Man konnte die Mannschaft, die die letzte Saison zumindest eine sehr erfolgreiche Rückrunde spielte, weitestgehend zusammenhalten. Lediglich den US-Amerikaner Joshua Hart (Norwegen) und Raphael Braun, dessen Ausbildung bei der Polizei ein Regionalligaengagement zeitlich aktuell nicht zulässt und der künftig beim Bayernligisten TSV Gersthofen spielen wird, musste man ersetzen.

Mit Bernhard Behnke, einem 2,10 Meter großen, erst 19 Jahre alten Center aus Ulm, der seit September in Augsburg studiert, und Quentin Tucker sowie Dominik Burgemeister aus der zweiten BG-Garnitur wurde diese Lücke geschlossen.

Dazu konnte Jonathan Genck reaktiviert werden. Der 31-jährige, in den großen Leitershofer Zweitligazeiten als der sogenannte „Emotional Leader“ in die Geschichtsbücher eingegangen, soll das junge Team mitreißen und ihm Stabilität verschaffen. Genck pausierte zuletzt drei Jahre und widmete sich in dieser Zeit intensiv dem Thema Leichtathletik, sollte also in bester körperlicher Verfassung sein. Dazu wird Lewis Londene künftig nicht mehr per Doppellizenz für den TVA, sondern ausschließlich für die Kangaroos auf dem Feld stehen.

Der Umbruch fand dann auch eher neben dem Spielfeld statt, mit Ian Chadwick steht künftig ein Trainer an der Seitenlinie, der ebenfalls aber seit vielen Jahren bei der BG aktiv ist. Er wird unterstützt von Co-Trainer Daniel Hamberger. Stefan Goschenhofer hat die sportliche Leitung für alle Teams übernommen, Andreas Moser agiert künftig als Teammanager der ersten Mannschaft.

Moser äußert sich auch zur Zielsetzung der neuen Saison: „Wir werden unser Konzept, ausschließlich auf Spieler zu setzen, die hier leben, arbeiten oder studieren, unbeirrt fortsetzen. Natürlich ist es in dieser Liga ein Risiko, erstmals ohne ausländischen Profi zu spielen. Wir investieren aber lieber noch intensiver in die Jugendarbeit, haben hier ja im Sommer zusammen mit den anderen Augsburger Vereinen die Baramundi Basketball Akademie gegründet und werden hier in der U16-Bundesliga und der U14-Bayernliga antreten“, erklärt Moser.

„Schön wäre natürlich, wenn wir am Samstag in Zwickau mit einem Sieg loslegen könnten“, wünscht er sich. „Ein Gegner, gegen den wir letztes Jahr einmal verloren und einmal gewonnen haben, weshalb mit einem engen Spiel zu rechnen sein dürfte.“ (asan)

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