Er ist baumlang und spindeldürr, wie man in Schwaben zu sagen pflegt – aber nicht nur aufgrund seiner Körpergröße von 2,06 Metern ist Teathloach Gatkuoth Pal der Hingucker bei den Basketballern der BG Hessing Leitershofen/Stadtbergen. Der 25-jährige US-Amerikaner mit äthiopischen Wurzeln ist auch wegen seiner spektakulären Spielweise eine Attraktion auf dem Spielfeld. Am Samstagabend tritt er mit den Kangaroos in der 2. Bundesliga Pro B gegen den Tabellenvierten BBC Coburg an (Sprungball 19.30 Uhr, Sporthalle Stadtbergen). Ob es bereits das letzte Heimspiel der Saison wird, hängt davon ab, ob das Spiel am 8. April gegen die insolventen Hanau White Wings tatsächlich noch stattfindet.
Mit fünf Geschwistern aufgewachsen
Teathloach Pal stammt aus Minnesota im Nordosten der USA, wo sich seine aus Äthiopien stammende Familie angesiedelt hat. Er hat insgesamt fünf Geschwister. Ein Bruder spielt ebenfalls Basketball. Er selbst hat erst mit zwölf Jahren begonnen. „Das ist ziemlich spät, aber wir hatten nicht so viel Geld. Doch meine Leidenschaft für Basketball war einfach zu groß“, erzählt er.
2021 kam der 2,06-Meter-Hüne über einen Agenten von der Sioux-Universität in South Dakota nach Leitershofen. Er passte von Anfang an perfekt in die Kangaroos-Familie. „Ich habe Hunderte von Videos gesichtet und Spieler gescoutet, aber bei ihm habe ich sofort gewusst, den will ich haben“, sagt Trainer Emanuel Richter über den immer freundlichen und gut gelaunten US-Boy, der sofort zum Publikumsliebling aufgestiegen ist. Starallüren sind ihm fremd, obwohl der überragende Spieler der letztjährigen Meistersaison in der 1. Regionalliga Südwest auch in der der 2. Bundesliga schon zum Spieler des Tages gekürt wurde. Kein Wunder, dass es Anfragen aus der Pro A gibt. „Ich denke gerade darüber nach, ob ich einen weiteren Schritt in meiner Karriere machen oder bei den Kangaroos bleiben soll“, verrät Pal.
Im August hat er seine Freundin geheiratet
In der Kangaroos-Familie fühlt er sich sichtlich wohl. „Mir gefallen die Stadt und die Leute. Das hat mir sehr geholfen, denn die erste Zeit ist nicht leicht, wenn man gerade seine Heimat verlassen hat.“ Das Glück ist perfekt, seit auch seine Frau, die er im August geheiratet hat, bei ihm ist. Derzeit sind seine Schwiegereltern zu Besuch, mit denen er während des Interviews am Kuhsee unterwegs ist. Sie werden wohl auch am Samstag unter den Zuschauenden sein.
Gegen Coburg das letzte Heimspiel?
Den samstäglichen Gegner sieht nicht nur Teathloach Pal, sondern auch Trainer Emanuel Richter mit großem Respekt: „Gegen Coburg ist es die letzte Chance, auf dem Play-off-Zug zu bleiben. Das wird alles andere als einfach. Coburg ist eine starke Mannschaft mit einer guten Mischung aus Erfahrung und Schnelligkeit. Im Auswärtsspiel haben wir ein bereits gewonnenes Spiel weggeschmissen, das wollen wir diesmal besser machen. Coburg ist aber der klare Favorit. Um zu gewinnen, werden wir eine volle und laute Halle brauchen. Ein Appell an unsere Fans: Kommt zahlreich, wir werden alles auf dem Feld für euch geben“, so Richter. Und eventuell verbessert sich die Play-off-Situation ja noch für die Kangaroos. Sollte Hanau tatsächlich nicht mehr an den Play-off-Spielen teilnehmen, wäre die BG plötzlich in der Pole Position gegenüber den jeweils um zwei Punkte schlechter platzierten Teams aus Ulm und Karlsruhe.
Demzufolge sollte am Samstag für höchste Spannung gesorgt sein, auch weil die Vestestädter selbst noch hart um das Heimrecht in der ersten Play-off-Runde, für die sie bereits sicher qualifiziert sind, kämpfen.
Leistungsträger im Team von Trainer Milos Petkovic sind der spanische Guard Jose Joaquin Carrasco Martin, Dreipunktespezialist Sven Lorber sowie die BBL-Doppellizenzspieler von Brose Bamberg, allen voran Topscorer Tyreese Blunt, aber auch Adrian Petkovic, Adrian Worthy, Jannis Sonnefeld und Leon Bulic. Coburg gilt als Offensivmaschine in der Liga, hinter Tabellenführer Koblenz erzielt man mit Abstand die meisten Punkte aller Teams. Die Fans dürfen sich wohl auf eine korbreiche Partie freuen.
Aufseiten der BG hofft man auf die Rückkehr der zuletzt fehlenden Nicolas Lagerman und Jannik Westermeir, um auf eine breitere Rotation zurückgreifen zu können. Das Vorspiel bestreitet die U21-Mannschaft der baramundi basketball akademie in der Bezirksoberliga gegen den VfL Buchloe (16.30 Uhr). (mit asan)
10 Fragen an Teathloach Pal
Was war Ihr größtes sportliches Erlebnis?
Es ist jedes Mal ein Erlebnis, vor den vielen Kangaroos-Fans in der Halle zu spielen.
Welche Sportart – außer Tennis – könnten Sie professionell betreiben?
Darts! Ich liebe es, Darts zu spielen. Ich kann gut zielen.
Was bringt Sie so richtig auf die Palme?
Wenn Leute ständig Ausreden suchen. Sie sollten einfach die Verantwortung übernehmen und es beim nächsten Mal besser machen.
Für welchen Verein schlägt Ihr Herz?
Für die Minnesota Vikings im American Football.
Ihr Leibgericht?
Alles, was meine Frau für mich kocht, ist mein Leibgericht (lacht). Momentan Lasagne. Ich habe aber auch gelernt selbst zu kochen. Dafür muss ich mich bei meinem Freund Mario Hack Vazquez bedanken. Er war mein Mitbewohner, als ich zum ersten Mal nach Deutschland gekommen bin.
Welcher berühmten Person würden Sie gerne einmal begegnen?
Ich bin nicht interessiert am Leben berühmter Personen. Aber ich denke, einen Comedian wie Kevin Hart zu treffen, wäre lustig. Ich lache gerne.
Mit welcher Sportart können Sie gar nichts anfangen?
Baseball. Es dauert viel zu lange und ist langweilig zum Zusehen.
Welche Eigenschaften schätzen Sie an sich am meisten?
Geduld. Ich bin bereit, auf etwas Besseres zu warten, als etwas schnell und angenehm zu machen.
Angenommen, Sie gewinnen eine Million Euro beim Lotto: Was machen Sie mit dem Geld?
Ich würde mir einen professionellen Finanzberater suchen, der mir mit der Steuer hilft und mein Geld so anlegt, dass ich mehr behalte als ich verliere. Dann würde ich eine Schule im Süd-Sudan bauen.
Was war Ihr erstes Wort in Deutsch?
Dankeschön. Ich wollte unbedingt lernen, wie man Danke sagt. Es ist sehr wichtig im Leben, dankbar zu sein. Ich habe eine Menge Hilfe vom Verein und den Mannschaftskameraden erfahren, als ich hierher gekommen bin und wollte ihnen meine Wertschätzung in ihrer Sprache zeigen. Mein Deutsch könnte besser sein. Aber ich kann mir ein Schnitzel und ein Bier bestellen (lacht). Und beim Bäcker Brot und Semmeln. Ich liebe deutsches Brot.