Frühsommer ist Erdbeersaison. Das frische und süße Obst schmeckt an heißen Tagen besonders gut. Wer die roten Früchte selbst pflücken will, den treibt es auf die Erdbeerfelder im Landkreis. Aber warum überhaupt selbst pflücken? Warum machen sich Menschen den Aufwand, Erdbeeren eigenhändig und mühselig zu ernten? Und was machen sie anschließend mit ihrer Ausbeute? Nachgefragt auf dem Selbstpflückfeld des Obstbauern Kraus in Gersthofen.
An dem sommerlichen Nachmittag sind rund ein Dutzend Menschen auf dem Feld, auf der Suche nach reifen Erdbeeren. Eine davon ist die 33-jährige Gersthoferin Ina, die mit ihrer Familie jedes Jahr auf das Feld kommt. Es ist eine spaßige Aktivität für ihre Kinder und lädt zum Naschen oder zum Backen eines aus dem Internet ausgewählten Kuchenrezepts ein. Sie hat die Mexikanerin Ana (38) und ihre Familie mitgebracht. Die mittelamerikanische Familie ist zum ersten Mal auf einem Erdbeerfeld. „Wir haben Spaß“, antwortet sie auf die Frage zu ihren erstmaligen Erfahrungen. Besonders den Kindern scheint der Ausflug zu gefallen: Sie hüpfen von Pflanze zu Pflanze und sammeln fleißig.
„Uns schmecken selbst gepflückte Erdbeeren besser als die aus dem Laden“
Gelächter schallt über das Feld. Die frühsommerlichen Sonnenstrahlen brennen auf die grünen Pflanzenbahnen nieder. Immer wieder bücken sich die freiwilligen Pflücker nach einer reifen Frucht. Doch warum macht man sich überhaupt den Aufwand? Frische Erdbeeren gibt es schließlich derzeit in jedem Supermarkt. „Uns schmecken selbst gepflückte Erdbeeren einfach besser als die aus dem Laden“, erklärt die 36-jährige Melissa. Sie hat noch einiges vor: Alleine auf dem Feld unterwegs will sie zwei Eimer für ihre Familie füllen.
Neben dem geschmacklichen Vorteil scheint die Arbeit auch ein unterhaltsamer Ausflug für Groß und Klein zu sein. Das Selbstpflücken lockt besonders Familien an. Auch eine 18-jährige Teenagerin, die ihren Namen nicht veröffentlicht sehen will, ist gerne auf dem Erdbeerfeld unterwegs. Für sie und ihre Familie ist der jährliche Besuch auf dem Erdbeerfeld zur Routine geworden. Doch lange bleibt das Obst nicht in der Schale: „Wir essen die Erdbeeren sofort.“ Die fünfköpfige Familie geht für die Suche getrennte Wege. Erwartungsvoll empfangen die Oma und ihre Enkelinnen die befüllten Eimer.
Erdbeere ist das einheimische Lieblingsobst der Deutschen
Die Familie liegt damit absolut im Trend. Laut einer repräsentativen Studie des Meinungsforschungsinstitut Yougov im Auftrag der Deutschen Presseagentur essen die meisten Menschen die Erdbeeren „zwischendurch“. Generell ist die Erdbeere sehr beliebt: Rund 80 Prozent der Deutschen zählen laut der Befragung die roten Vitaminlieferanten zu ihren liebsten einheimischen Früchten. Durchschnittlich 3,3 Kilogramm Erdbeeren werden im Jahr verzehrt.
Nicht ganz so viel, aber doch eine beachtliche Menge sammelt das Ehepaar Engelmayer an diesem Tag auf dem Selbstpflückerfeld. Mit der handverlesenen Ernte haben sie einiges vor: Sie bereiten daraus Liköre, Marmeladen und Kuchen selbst zu. Das Ritual verfolgen sie jedes Jahr. Auf das Foto in der Zeitung freuen sie sich: „Dann haben wir ein Andenken für unsere Enkelkinder.“
Der 40-jährige Jost ist in Begleitung seiner beiden Kinder auf dem Feld in Gersthofen unterwegs. Die Ernte ist der erste Schritt einer familiären Teamarbeit. „Die Großeltern machen daraus dann Marmelade, von der wir auch etwas abbekommen“, sagt der 40-Jährige. Die Kinder packen mit an und gehen mit ihren eigenen Körben auf die Suche.
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