Wir haben unsere Leserinnen und Leser gefragt, was sie mit der ehemaligen Lungenklinik in Zusmarshausen verbinden. Daraufhin haben uns verschiedene Reaktionen erreicht. Zwei frühere Mitarbeitende erzählen, wie der Alltag in der sogenannten „Hustenburg“ war und welche Erinnerungen sie an die Zusamklinik haben. Von rauchenden Patienten, Gebeten und Freundschaften.
Berichte von der Ferienarbeit in der Lungenklinik
Die älteste Erinnerung von Josef Reitmayer an die Zusamklinik geht auf den Tag der offenen Tür zurück. Dort staunte er mit anderen Besuchenden über die moderne Einrichtung und Ausstattung, besonders in den Operationssälen. „Die Klinik war längere Zeit Anlaufpunkt für Krebsoperationen in ganz Süddeutschland. Weil die Patienten extrem krank waren und oft auch die beste Behandlung nicht überstanden, eröffnete in Zusmarshausen ein Schreiner ein Bestattungsunternehmen“, erinnert sich Reitmayer. Ansonsten habe die Bevölkerung die Klinik weitestgehend gemieden, aus Angst vor den ansteckenden Krankheiten wie Lungentuberkulose (Tbc), die dort behandelt wurden.
Nachdem Reitmayer 1979 in der Kinderklinik Augsburg auf Antikörper gegen die Krankheit Tbc getestet wurde, konnte er eine Ferienarbeit in der Klinik beginnen. Dort suchte der damalige Verwaltungsleiter Erich Höchsmann, den Reitmayer aus dem Schützenverein kannte, nach jemandem, der den Dienst an der Pforte übernehmen könnte: „Die Aufgabe war für einen Schüler gut zu bewältigen: Telefongespräche vermitteln, den Ärzten Piepser ausgeben, Besuchern Auskunft erteilen, eingehende Post sortieren und ausgehende Post mit einer Frankiermaschine versandfertig machen.“
Das Innere der Klinik sah Reitmayer nur bei dem Besuch im Speisesaal, wenn er am Samstagabend das Mikrofon aus der Klinikkapelle oder Patienten aus dem „Braustüberl“ zum Telefonat in die eigens dafür eingerichtete Telefonzelle holen musste. An das Innere der Klinik hat er keine guten Erinnerungen. „Der Aufenthaltsraum war total rauchgeschwängert. Ebenso sind mir Patienten im Gedächtnis geblieben, die sich vollkommen abgemagert, mit zittrigen Händen am Klinikeingang Zigaretten angezündet haben.“ Nach mehreren Jahren Ferienarbeit in der Zusamklinik hörte Reitmayer auf.
Zusamklink: „Die Klinik mit einem richtigen Herz.“
Auch Inge Herz aus dem Zusmarshauser Ortsteil Fleinhausen verbindet viele Erinnerungen mit der ehemaligen Zusamklinik. „Da mein Familienname Herz ist, sagte einmal ein Patient zu mir: die Klinik mit einem richtigen Herz“, erzählt sie. Die letzten 20 Jahre ihres Berufslebens arbeitete Herz im Labor der Klinik und denkt gerne an diese Zeit zurück: „Da es ein kleines Krankenhaus war, hatte ich oft das Gefühl, es ist wie in einer Familie. Mit den Patientinnen und Patienten ist auch manchmal eine Freundschaft entstanden.“
Mit ihren Kolleginnen habe sie oft in der Kapelle für die kranken Menschen gebetet und eine Kerze angezündet. Bis heute hängt im Büro von Herz eine Trauerkarte, die ihr eine Familie geschickt hat. Mit der Verstorbenen hatte sie bis zu dren Tod 1998 Briefkontakt und erinnert sich auch 28 Jahre später noch an sie, genauso wie an andere Patienten. Die Schließung der Lungenklinik 2013 bewegte auch Herz: „Ich war sehr traurig, als die Klinik geschlossen wurde.“
Leseraufruf
Haben auch Sie Erinnerungen an die Zusamklinik? Was verbinden Sie mit der „Hustenburg“, wie die Zusamklinik genannt wurde? Haben Sie dort gearbeitet oder wurden Sie dort behandelt? Haben Sie wie viele andere gegen die damalige Schließung des Krankenhauses gestreikt? Schicken Sie uns Ihre Erinnerungen gerne mit Bildern an redaktion.landbote@augsburger-allgemeine.de. Bitte denken Sie dabei an Ihre Adresse und Telefonnummer für Rückfragen.
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