Im kleinen Haus neben der Redaktion befindet sich das Archiv der Augsburger Allgemeinen. Alte Zeitungen lagern verteilt an verschiedenen Orten, gebunden, nach Monaten sortiert, insgesamt 20 Tonnen Papier. Daneben: digitale Recherche, seit gut zwei Jahrzehnten Standard. In der neuen Folge unseres Podcasts „Schon gehört? Alles, was uns bewegt“ erzählen Archivarin Christine Kaiser und ihr Vorgänger Robert Treffer, wie das Gedächtnis der Zeitung arbeitet.
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Treffer verweist auf eine Grundsatzfrage, die mit jeder technischen Neuerung drängender wird: „Trotz alledem muss man sagen, dass das Papier immer noch die sicherste Aufbewahrung der Daten ist.“ CDs verlieren Inhalte, digitale Formate altern. Papier bleibt lesbar.
Im Oktober 1945 fing alles an, mit einer sehr dünnen Ausgabe. „Die erste Zeitung hatte vier Seiten“, sagt Treffer. Der Titel damals: Schwäbische Landeszeitung. Später erfolgte die Umbenennung in Augsburger Allgemeine – auch, um Verwechslungen mit Baden-Württemberg auszuschließen und den städtischen Fokus zu betonen. Der Schritt in die Farbe kam 1981 mit dem Ende des Bleisatzes und dem Start des Offsetdrucks. Davor prägten Schwarzweiß-Bilder und die sprichwörtliche „Bleiwüste“ das Erscheinungsbild.
Die Recherche im Archiv bleibt nach wie vor Handarbeit. Die digitale Suche liefert oft zu viele Treffer, das Blättern im Band dagegen führt zu präzisen Funden – und zu Zufallsentdeckungen. Kaiser beschreibt den Reiz so: „Es beglückt einen, wenn man etwas findet.“ Neben Anfragen aus der Redaktion landen täglich mehrere Bitten von Leserinnen und Lesern im Archiv: alte Todesanzeigen, Erinnerungsstücke, Geburtstagsausgaben. Dafür hat Treffer über etwa fünf Jahre jede Titelseite eingescannt. Daraus entstand ein Geburtstagsangebot mit der Titelseite und weiteren Seiten des jeweiligen Datums.
Das Archiv ist zugleich lokale Auskunftsstelle. Anfragen kommen inzwischen auch von externen Produktionen, etwa zu Kriminalfällen aus der Region. Wichtig ist der Datenschutz: Namen werden geschwärzt, wenn die rechtlichen Voraussetzungen es verlangen. Für die Zukunft wünscht sich Kaiser eine vollständige, datenschutzkonforme Digitalisierung – mit automatischer Anonymisierung –, zugleich bleibt das Original als Echtheitsbeleg für sie unverzichtbar.
„Schon gehört?“ – der hintergründige Podcast der Augsburger Allgemeinen
Schon gehört? In unserem wöchentlichen Podcast erfahren Sie alles, was uns bewegt. Wir geben tiefgehende Einblicke in relevante Themen aus Bayern und der Welt. Foltervorwürfe im Knast? Bauernproteste und Mietpreis-Wahnsinn? Gemeinsam mit kompetenten Kolleginnen und Kollegen beleuchten wir die Hintergründe und Geschichten hinter den Schlagzeilen.
Der Podcast wird im Wechsel von Lena Bammert, Felix Gnoyke, Marc Keßler, Viola Koegst und Moritz Weiberg moderiert. Neue Folgen erscheinen immer mittwochs um 5 Uhr morgens.
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