Für Studentin Lisa Thumm (21) ist ein Leben ohne Internet nicht mehr vorstellbar. Jeden Tag ist sie online, um wichtige Informationen der Uni an die Studierenden nicht zu versäumen. Privat ist sie bei Facebook, so wie ihre Freunde und Bekannten. „Das Internet bietet viele Vorteile und ist grundsätzlich eine gute Sache“, sagt Lisa Thumm. Doch eines gefällt ihr nicht. Sie sieht einen Trend, dass junge Leute ihre Freizeit fast nur noch in virtuellen Netzwerken wie Facebook verbringen. Zusammen mit drei weiteren Studenten an der Uni will sie etwas dagegen unternehmen und die Aktion „Go offline“ starten.
Geplant ist eine „Anti-Facebook-Aktion“ an der Uni Augsburg. Die Studenten denken dabei nicht an Protestmärsche und Demonstrationen. Stattdessen wollen sie Kommilitonen mit Aktionen ermuntern, Computer oder Smartphone auszuschalten. „Wir wollen zeigen, dass es möglich ist, auch offline Kontakte zu knüpfen und Beziehungen aufrechtzuerhalten“, sagen Lisa Thumm, Volker Rill, Andreas Eberle und Verena Röckl.
Die vier Studenten aus den Bereichen Wirtschaftsinformatik und Global Business Management haben ihre Aktion als eine „Geschäftsidee“ entwickelt. Beim 5-Euro-Business-Wettbewerb der Uni wollen sie damit als studentische Unternehmer punkten. Lisa Thum und ihre Partner werden in den kommenden Wochen bedruckte Sticker, Schirme und Ähnliches verteilen. „Komm unter meinen Schirm“ steht darauf, oder „Tratschtante“. Wer die Sachen trägt, soll sich damit nach außen als Teil der Community zu erkennen geben, die bei Facebook offline gegangen ist, um sich mit Freunden zu treffen und miteinander zu reden. Auch eine eigene Homepage wurde eingerichtet (www.go-offline.net).
Ständig bei Facebook
Für die vier Studenten steht der wirtschaftliche Erfolg ihres Unternehmens nicht an erster Stelle. „Schön wäre es, wenn aus unserer Aktion eine Bewegung entstehen würde“, sagt Lisa Thumm. Sie glaubt, es sei an der Zeit, ein Zeichen zu setzen. „In unserer Generation ist es extrem.“ An der Uni gebe es viele Studenten, die sich den ganzen Tag über ständig mit Facebook beschäftigen. Nicht einmal in der Vorlesung lassen sie die Verbindung abbrechen. Und selbst bei Treffen sei Facebook immer mit präsent, so Lisa Thumm. „Wenn das Gespräch ins Stocken kommt, holen viele ihr Smartphone raus, um zu schauen, was es Neues gibt.“ Und was denken andere Augsburger Studenten über die neue Initiative? Maximilian Müller (22) sagt: „Ich wäre durchaus für weniger Facebook und Handy, denn es ist definitiv schöner, sich mit jemandem ,in echt‘ zu unterhalten. Denn im Web fehlt ja die Gestik und Mimik komplett.“
Lehramtsstudent Dennis Kauk (22) meint: „Ob ich das Handy bei einem Treffen ausmachen würde, hängt davon ab, mit wem ich spreche. Bei einem persönlichen Treffen lasse ich es komplett aus. Ich bin dafür, sich mehr persönlich zu treffen, denn Facebook ist sehr unpersönlich.“ Theologiestudentin Elke Mauer (19) hat sich aus Facebook komplett abgemeldet. „Mir war es zu oberflächlich und zu öffentlich.“