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Augsburg: Augsburger Jesiden berichten Erschütterndes aus dem Irak

Augsburg

Augsburger Jesiden berichten Erschütterndes aus dem Irak

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    Aido Khodiada, Ghazi Aljas Nazam, und Omar Masto Rezkan (von links) berichten beim Treffen der Jesiden in ihrem Kulturverein von den schrecklichen Nachrichten aus ihrer Heimat.
    Aido Khodiada, Ghazi Aljas Nazam, und Omar Masto Rezkan (von links) berichten beim Treffen der Jesiden in ihrem Kulturverein von den schrecklichen Nachrichten aus ihrer Heimat. Foto: Silvio Wyszengrad

    Zwischen den Kerzen liegen Fotos ausgebreitet auf einem Tisch im Augsburger Vereinshaus des jesidischen Kulturvereins in Haunstetten. Sie zeigen Menschen in Bauruinen im kurdisch-irakischen Duhok. Über den Plastikplanen sieht man die Hitze förmlich flirren. Ghazi Aljyas Nazam hat die Bilder erst vor zwei Tagen aufgenommen. „Diese Kinder hier heißen Maria, Dalia, Sandra und Aziz“, erzählt er leise auf Kurmandschi, dem Dialekt der irakischen Kurden und kurdischen Jesiden. Er deutet auf eins der Fotos.

    Die Kinder stammten aus Tel Hezir, einem der 28 jesidischen Dörfer nördlich und südlich des Sinjar-Gebirges, die von den Milizen des „Islamischen Staats“ im August „gesäubert“ worden sind. Die Mutter der vier Kinder wurde entführt, der Vater ermordet. Nazam zeigt und erzählt. Es sind Hunderte solcher Schicksale, die er in den letzten Wochen gesehen hat. Er ringt um Fassung.

    Wut und Trauer stehen den Augsburger Jesiden ins Gesicht geschrieben

    Seine eigene Heimat ist Shekhan bei Mossul, eine ursprünglich jesidisch, sunnitisch-kurdisch und sunnitisch-arabisch besiedelte Stadt. Er arbeitete als Lehrer, wohnte in einem großen Haus und besaß ein Auto. Doch vor etwa drei Wochen rückten die Kämpfer der Terrormilizen vor. Er und seine vier erwachsenen Söhne flohen und ließen alles zurück. In Duhok angekommen, besaß er nichts mehr und hatte auch seine Söhne aus den Augen verloren. Mithilfe des fünften Sohnes, der mit seiner Mutter seit 2006 in Augsburg lebt und arbeitet, konnte er ausreisen und kam am Samstag in Augsburg an. Seine Augenzeugenberichte erschüttern die rund 60 Zuhörer in dem Vereinsheim, die sich hier Woche für Woche treffen.

    Massenmord, Erschießungen auf offener Straße, Entführungen und Verkauf von Frauen und Mädchen sowie massenhafte Vertreibungen: Wut und Trauer stehen den über 50 Männern und zwei Frauen, die an diesem sonnigen Sonntag im Kulturverein neben dem Ernst-Lehner-Stadion diskutieren, ins Gesicht geschrieben. Es wird nicht gelacht wie früher bei ihren Zusammenkünften. Es wird nicht einmal gelächelt.

    Sorge um die traumatisierten Verwandten

    Semand Nazam ist besorgt über die Traumatisierung seines Vaters. „Wenn er allein ist, sitzt er nur teilnahmslos da und grübelt. Er hat viele schlimme Dinge gesehen. Ich weiß nicht, was wird, wenn das Touristenvisum abgelaufen ist und er wieder ausreisen müsste. Er hat ja nichts, wohin er zurück könnte.“ Diskriminierungen und Verfolgung hat auch er erlebt. 2006 studierte er in Mossul. Die Ausweiskontrollen vor dem Universitätsgelände und die anschließenden Übergriffe setzten ihm so zu, dass er beschloss, sich mit seiner Mutter nach Deutschland durchzuschlagen und Asyl zu beantragen.

    Omar Masto Rezkan weiß von Verwandten aus seiner Stadt Derabo, dass inzwischen 27 Flüchtlingsfamilien in seinem Haus wohnen. Er spart nicht mit Kritik an der Verwaltung des kurdischen Autonomiegebiets. „Deutschlands Außenminister Steinmeier hat 25 Millionen an diese Regierung überwiesen, wo ist das Geld? Und die Hilfsgüter, die Deutschland geschickt hat, stehen nach wie vor auf dem Flughafen in Erbil.“ Sein Misstrauen gegenüber der kurdischen Administration ist groß. In Derabo hätte die kurdische Zivilpolizei am Samstag eine Demonstration von Flüchtlingen gewaltsam beendet und 30 Menschen inhaftiert. „Meine Nachbarn haben mir das berichtet. Sie filmten die Verhaftungen und stellten sie ins Internet.“

    An die deutsche Öffentlichkeit haben die Jesiden eine Bitte: Hilfen sollten nicht über die kurdische Regierung in Erbil zur Verteilung überlassen bleiben. Man solle vielmehr die gut vernetzten 50 jesidischen Vereine in Deutschland in die Verteilung einbeziehen.

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