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Augsburg: Café Tür an Tür – ein Wohnzimmer für alle

Augsburg

Café Tür an Tür – ein Wohnzimmer für alle

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    Im Café Tür an Tür packen Ehrenamtliche mit an. Der Syrer Baraa Morad, Köching Ulli Kissel sowie Helmut Schwering und Thomas Körner (stehend von links) vom Vorstand des Trägervereins freuen sich, dass sich die unterschiedlichen Gäste in der liebevoll umgebauten Busgarage wohl fühlen.
    Im Café Tür an Tür packen Ehrenamtliche mit an. Der Syrer Baraa Morad, Köching Ulli Kissel sowie Helmut Schwering und Thomas Körner (stehend von links) vom Vorstand des Trägervereins freuen sich, dass sich die unterschiedlichen Gäste in der liebevoll umgebauten Busgarage wohl fühlen. Foto: Annette Zoepf

    Ein Besuch im Café Tür an Tür offenbart gelungene Integration. Die Kässpatzen, die die ehrenamtliche Köchin Ulli Kissel mit ihrem syrischen Helfer Baraa Morad zubereitet hat, schmecken allen Besuchern – der afrikanischen Familie ebenso wie den Mitarbeitern der nahegelegenen Verdi-Dienststelle. Auf eine Rechnung warten die Mittagsgäste vergeblich. Auf der Schiefer-Tafel hinter dem Tresen stehen Preisempfehlungen. Jeder zahlt, was er kann oder will.

    Was 2015 mit einem Probebetrieb in einer umgebauten Busgarage auf dem Gelände des ehemaligen Straßenbahndepots am Senkelbach begann, hat sich zu einem „Wohnzimmer für alle“ entwickelt. Der Verein Tür an Tür wollte damals für die Mitarbeiter und Klienten des ebenfalls hier untergebrachten Zentrums für interkulturelle Beratung (zib) einen Aufenthaltsort mit gastronomischem Angebot schaffen.

    Ehrenamtliche schätzt die Philosophie des Ortes

    Längst gibt es hier mehr als Filterkaffee und Kuchen. An vier Mittagen pro Woche kochen Ehrenamtliche unter der Regie des Cafémanagers Mark Habesreiter vor allem vegetarische und vegane Gerichte. Ulli Kissel packt regelmäßig hinterm Tresen den Spätzlehobel aus. Nicht nur, weil sie ganz in der Nähe wohnt, sondern auch, weil ihr die Philosophie des ungewöhnlichen Ortes so gut gefällt: „Ich komme hier mit so vielen Menschen zusammen, die ich sonst nicht kennenlernen würde.“ Beispielsweise mit der Handarbeitsgruppe AllerHand, die jeden Donnerstagnachmittag sowie Dienstagnachmittag an einem Tisch auf der Galerie strickt und näht. Dass die Damen sich im Sommer dicken Socken widmen, hat seinen Grund. Sie stricken schon für den Weihnachtsbasar, mit dessen Erlös sie das Café unterstützen wollen. 2000 Euro seien dadurch im Lauf der Jahre zusammengekommen, sagt Edith Stockmann. Wirklich allerhand.

    Ohne den starken ehrenamtlichen Einsatz und Spenden käme das Café finanziell nicht über die Runden. Eine wichtige Einnahmequelle seien die Vermietungen, wie Helmut Schwering vom Vorstand des Trägervereins sagt. „Wir haben hier im Jahr außerhalb der regelmäßigen Öffnungszeiten rund 100 Veranstaltungen wie Taufen, Geburtstagsfeiern oder Hochzeiten.“ Die Gäste können den rund 100 Quadratmeter großen Raum mit und ohne Essen buchen, eine Abnahme der Getränke übers Café ist verpflichtend.

    Freilich wird nicht nur gefeiert in der ehemaligen Busgarage. Zib-Mitarbeiter verlegen ihre Dienstbesprechung an einen der Tische, Teilnehmer der Sprachkurse bereiten sich auf ihre Prüfungen vor. Etabliert haben sich auch das Deutsch-Café mittwochs um 9 und um 15 Uhr sowie das Lerncafé samstags um 12 Uhr. Ehrenamtliche unterstützen hier Migranten, überwiegend Flüchtlinge, beim Erwerb der für sie fremden Sprache. Freiwilligenkoordinatorin Margot Laun würde gerne noch weitere Helfer für das Deutsch-Café gewinnen. „Über pensionierte Lehrer freue ich mich mich natürlich besonders“, sagt sie. Generell sei aber keine besondere Vorbildung nötig. Wer mal vorbeischauen möchte: Erster Termin nach der Sommerpause ist Mittwoch, 12. September.

    Auch Launs Kollegin Corinna Höckesfeld ist auf der Suche nach Helfern. Sie leitet ein Projekt, bei dem Ehrenamtliche anerkannte Flüchtlinge bei der Wohnungssuche unterstützen. Das Wohncafé finden jeden Freitag von 10 bis 12 Uhr statt.

    Augsburger Angebot findet bundesweit Beachtung

    Übrigens kommt das außergewöhnliche Café nicht nur bei den Besuchern an, sondern stößt auch bundesweit auf Beachtung. So nahm das Deutsche Architekturmuseum es in eine Projektsammlung auf, die im Vorfeld der 15. Architekturbiennale von Venedig zusammengestellt wurde. Jetzt dürfen sich Verein und Café-Mitarbeiter über eine weitere Auszeichnung freuen: Das Integrationsprojekt wurde am Mittwochabend von der Nebenan.de-Stiftung in Berlin zum Landessieger des Deutschen Nachbarschaftspreises gekürt.

    Nähere Informationen zum Verein Tür an Tür und zum Café (inklusive Öffnungszeiten) gibt es im Internet unter https://tuerantuer.de/. Wer mittags ehrenamtlich kochen oder servieren oder beim Deutschcafé beziehungsweise dem Wohncafé mitmachen möchte, kann sich per Mail unter info@tuerantuer.de oder unter der Telefonnummer 0821/90799-0 melden.

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