In Augsburg wurde im vergangenen Jahr deutlich weniger Energie aus erneuerbaren Quellen gewonnen, ein Grund sind die sehr niedrigen Wasserstände an den Flüssen und Kanälen. „Der Zubau der erneuerbaren Energien in Augsburg hat sich in den letzten Jahren deutlich abgeschwächt. Besonders der Ausbau der Photovoltaik blieb hinter unseren Erwartungen und Möglichkeiten zurück“, sagt Umweltreferent Reiner Erben (Grüne).
Einspeisevergütung ging nach unten
Im Vergleich zu früheren Jahren herrscht bei Solaranlagen wegen der deutlich zurückgegangenen Einspeisevergütung fast Stillstand. Wer vor zehn Jahren eine Solaranlage aufs Dach haben wollte, konnte angesichts der garantierten hohen Einspeisevergütung fast nichts verkehrt machen. Inzwischen muss man genauer rechnen. Wirtschaftlich, so Erben, könne der Betrieb im Dreiklang aus Eigenverbrauch, Einspeisevergütung und stark gesunkener Modulpreise aber nach wie vor sein. Allerdings sei der Beratungsbedarf höher, weil es komplizierter ist, das Ertragspotenzial einer einzelnen Anlage festzustellen, sagt Erben.
Die Stadt startete zuletzt eine Solaroffensive, bei der interessierte Hausbesitzer vor Ort oder in der Verwaltung zu den Möglichkeiten auf ihrem Hausdach beraten werden. Noch sind Plätze frei (augsburg.de/solaroffensive).
2016 kamen nur neun Anlagen dazu
Im vergangenen Jahr kamen in Augsburg rund 120 neue Anlagen dazu. In früheren Jahren waren es mit bis zu 320 zusätzlichen Solaranlagen einige mehr. Allerdings scheinen diese Zahlen langsam wieder zu steigen – Tiefststand war das Jahr 2016 mit einem Zugewinn von nur neun Anlagen.
Die wieder steigenden Zahlen könnten auch an der fortgeschrittenen Speichertechnologie liegen, so die Stadtwerke. Die Preise für Akkus im Keller, die wichtig sind, wenn man vom erzeugten Strom möglichst viel im eigenen Haushalt verbrauchen will, sind in den vergangenen Jahren auch dank Förderung günstiger geworden.
Photovoltaik: Das Land hat die Nase vorn
Insgesamt ist das Thema Photovoltaik im städtischen Gebiet aber nicht so einfach voranzutreiben wie etwa auf dem Land – der Anteil an Einfamilienhäusern, die am einfachsten mit einer Anlage auszustatten sind, weil es nur einen Eigentümer gibt, ist im Umland deutlich höher. Zudem gibt es im Stadtgebiet keine Äcker, die mit Solaranlagen überbaut sind. Zur Veranschaulichung: Während in Augsburg rechnerisch acht Prozent der Verbrauchsmenge privater Haushalte (ohne Gewerbe) von der Sonne erzeugt werden, sind es in den Landkreisen Augsburg und Aichach-Friedberg 84 bzw. 91 Prozent.
"Balkonkraftwerke" als Alternative?
Noch nicht besonders verbreitet sind sogenannte Steckdosenanlagen, die keine aufwendige Installation benötigen, sondern einfach an eine spezielle Steckdose, die ein Elektriker anbringen muss, angeschlossen werden könnten. Diese „Balkonkraftwerke“ könnten auch von Mietern genutzt werden, werben Hersteller.
Allerdings ist ein Problem, dass das Mini-Paneel – wie auch Satellitenschüsseln – in Mehrfamilienhäusern ohne Zustimmung der Eigentümergemeinschaft nicht ohne Weiteres ans Balkongelände montiert werden dürften. Zudem ist ihr Ertrag gering, die Kosten mit mehreren Hundert Euro aber auch. Laut Stadtwerken, wo im Stadtgebiet eine solche Anlage angemeldet werden müsste, ist das Interesse bisher sehr überschaubar. Die Stadtwerke weisen darauf hin, dass vor Inbetriebnahme unter Umständen auch der Stromzähler ausgetauscht werden müsse.
Zirka zehn Prozent des Stroms stammen aus erneuerbaren Energien
Um die zehn Prozent des Stroms im Augsburger Netz stammt aktuell aus erneuerbaren Energien. Mit deutlich mehr als 50 Prozent (der Anteil schwankt jährlich) stammt der Löwenanteil davon aus der Wasserkraft, gefolgt von Biomasseanlagen (u. a. Hackschnitzelheizwerk der Stadtwerke und Vergärungsanlage der Abfallverwertung) und den 1836 Photovoltaik-Anlagen, die zu den erneuerbaren Energien zwischen 15 und 20 Prozent beitragen. Im Jahr 2016 gab es mit eingespeisten 192 Millionen Kilowattstunden bei den erneuerbaren Energien einen Rekord, im vergangenen Jahr waren es vor allem wegen des Rückgangs bei der Wasserkraft aufgrund der langen Trockenheit nur 167 Millionen.
Dabei ist die Steigerung des Anteils von erneuerbaren Energien neben der Reduzierung des Energieverbrauchs vor allem an Gebäuden und im Gewerbe ein wichtiger Hebel, um den Kohlendioxid-Ausstoß in Augsburg zu senken. Insgesamt, so die Stadt, gebe es auf den Augsburger Dächern noch viel Potenzialflächen. Andere umweltfreundliche Erzeugungsformen wie Wasserkraft sind ausgeschöpft. Auch für Windräder gibt es in Augsburg kaum geeignete Flächen.
Der Kohlendioxid-Ausstoß ist gesunken
Im aktuellsten Klimaschutzbericht vom vergangenen Jahr (gerechnet auf Basis der Zahlen von 2016) wurde ermittelt, dass in Augsburg der Ausstoß an Kohlendioxid zwischen 2011 und 2016 um 12,7 Prozent je Einwohner zurückging. Damit übertraf die Stadt erstmals ihr selbst gestecktes Ziel von zehn Prozent Reduktion alle fünf Jahre. Neben Einsparungen, etwa durch bessere Dämmung von Häusern, spielte hier aber auch eine Rolle, dass im bundesweiten Strommix der Anteil erneuerbarer Energien steigt. Insgesamt, so Umweltreferent Erben, würden die nächsten Schritte beim Klimaschutz wohl steiniger als zuletzt.